Felix Neureuther muss nicht lange überlegen, um für Dirk Nowitzki den richtigen Platz in der deutschen Sportgeschichte zu finden.

«Für mich gibt es Max Schmeling, Armin Hary, Boris Becker, den Kaiser Franz Beckenbauer, Michael Schumacher - und Dirk Nowitzki. Die stehen auf einer Stufe», sagte der gerade zurückgetretene Alpin-Star. Sie alle sind nicht mehr aktiv, bis auf Nowitzki. Ob der Basketball-Superstar seine Karriere beendet, will er mit ein wenig Abstand erst im Sommer entscheiden. Es wäre ein großer Verlust auch für den deutschen Sport, sollte der 40-Jährige in der Nacht zum 11. April in San Antonio letztmals für die Dallas Mavericks spielen.

«Er ist der weltweite deutsche Superstar», sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann der Deutschen Presse-Agentur. Obwohl Nowitzki seit mehr als zwei Jahrzehnten in Texas lebt, sei er «uns gedanklich und menschlich näher, als mancher, der viel näher da ist». Auch Neureuther sagte: «Dirk Nowitzki ist für mich ein absoluter Gott. Er ist ein ganz großer Sportler, nicht nur was das Sportliche betrifft, sondern auch das Menschliche. Das ist für mich das entscheidende.»

Das Ansehen von Nowitzki auch unter den deutschen Athleten ist enorm. Fußballstar Toni Kroos von Real Madrid bezeichnet sich selbst als «einen der größten Fans» des Würzburgers und stand schon regelmäßig nachts auf, um die Spiele der Mavs zu verfolgen. Jérôme Boateng vom FC Bayern nennt Nowitzki noch zu aktiven Zeiten «eine Legende» und Nationaltorhüter Marc-André ter Stegen twitterte erst jüngst: «Danke, dass du so ein außergewöhnliches Vorbild bist.»

Nowitzki hat sich diese Würdigungen mit Bodenständigkeit und harter Arbeit verdient. Gehälter von vielen Millionen US-Dollar seit 1998 stiegen dem 2,13-Meter-Hünen nie zu Kopf. Für die deutsche Nationalmannschaft spielte er bis 2015 trotz enormer Belastungen in den USA noch gerne. Über die Jahre stieg er zum besten Europäer auf, der je in der NBA spielte. Der Gewinn der Meisterschaft mit den Mavs 2011 und die Olympia-Teilnahme mit Deutschland 2008 in Peking nennt er selbst als zwei sportliche Glanzlichter. Nowitzkis Ansehen ist so groß, wie das kaum eines anderen deutschen Aktiven.

«Er hat Basketball verändert. Was er für den Basketball getan hat in Deutschland und auf der Welt, ist Wahnsinn», sagte Dennis Schröder der dpa. Der Point Guard der Oklahoma City Thunder hat Nowitzki zwar sportlich den Rang als aktuell bester Deutscher abgelaufen und ist der Kopf des Nationalteams, sieht sich aber nicht auf einer Stufe mit ihm: «Er ist ein deutsches Aushängeschild.» Das sieht auch der viermalige Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel so: «Ich war früher schon großer Basketball-Fan. Er ist einfach ein Riesenkerl.»

Schröder hofft wie mittlerweile auch einige Experten, dass Nowitzki vielleicht doch wieder noch eine Saison dranhängt. Er habe «noch ein Jahr in sich», sagte der 25-Jährige und fand Zustimmung auch bei Neureuther: «Der kann doch noch ein paar Jahre spielen, der ist doch noch jung.» Sollte sich Nowitzki tatsächlich gegen einen Rücktritt entscheiden, würde im Herbst seine 22. Saison in der stärksten Liga der Welt anstehen. Ein Wechsel zu einem anderen Club gilt als ausgeschlossen, Dallas ist und bleibt sein Lebensmittelpunkt.

Trotzdem soll Nowitzki dem deutschen Sport verbunden bleiben. «Wenn es irgendeine Möglichkeit geben sollte, was sicher mit seiner grundsätzlichen Lebensplanung zusammenhängt, möchte ich ihn nicht nur als deutschen Sportbotschafter in Amerika gewinnen», sagte Hörmann: «Es gibt sicher nichts, worüber wir nicht mit ihm reden würden. Es wäre sicher grandios, hängt aber von seiner weiteren Lebensplanung ab.»