Karl Geiger lächelte etwas gequält, dann grüßte er seine Fans im Publikum. 

Den verpatzten Auftakt beim  Skisprung-Heimspiel in Titisee-Neustadt wollte der Mann in Gelb partout nicht auf die Reizung und Entzündung schieben, die er sich in der Vorwoche bei seinen zwei Siegen im italienischen Val di Fiemme zugezogen hatte. «Es ist soweit im Griff», meinte Geiger dazu nur - ohne genau zu sagen, wo es zwickt. Nach Sprüngen auf 132,5 und 135 Meter kam der 26 Jahre alte Allgäuer diesmal nicht über Rang zwölf hinaus. Geiger bleibt zwar in seinem Gelben Trikot, büßt aber deutlich an Vorsprung gegen seine Verfolger Stefan Kraft (Österreich) und Ryoyu Kobayashi (Japan) ein.

Während der deutsche Top-Athlet («Es fehlen Höhe und Speed, um unten reinzufliegen») erstmals in diesem Winter einen Top-10-Platz verpasste, standen diesmal andere im Mittelpunkt. Stephan Leyhe (139 und 134,5 Meter) und Constantin Schmid (136 und 139,5 Meter) wurden mit je 277,6 Punkten geteilte Fünfte, für einen Podestplatz reichte es trotzdem nicht.

«Constantin hat gute Sprünge gezeigt. Mit ihm haben wir einen jungen Burschen, der immer wieder zeigt, was er kann», sagte Bundestrainer Stefan Horngacher im ZDF.  Der 50 Jahre alte Tiroler lebt wie Leyhe seit Jahren im Schwarzwald und erlebte auf der Hochfirstschanze vor 9500 Zuschauern ein Heimspiel. Für Leyhe war noch mehr drin als Rang fünf, er hatte zur Halbzeit noch auf Podestplatz zwei gelegen.

Den Sieg sicherte sich Vierschanzentournee-Gewinner Dawid Kubacki, der 140,5 und 141 Meter sprang und damit in beiden Durchgängen die Bestweite stand. Die zahlreichen polnischen Fans feierten den Blondschopf, der seine tolle Tournee-Form auch Wochen später noch unter Beweis stellt. Kraft wurde Zweiter und rückte damit im  Gesamtweltcup bis auf 62 Punkte an Geiger heran. Kobayashi hingegen führt in der Wertung «Titisee-Neustadt-Five», die sich am Sonntag entscheidet und mit 25 000 Euro dotiert ist.

Nachdem der Weltcup im Schwarzwald in der Vorsaison wegen Dauerregens und zu warmen Temperaturen abgesagt werden musste, feierten die  Anhänger diesmal ein Skisprung-Fest. Mit Trommeln, Trompeten und Vuvuzelas zogen viele schon in den Vormittagsstunden zur riesigen Naturschanze. «Go Karle Go», schrieben sie auf Transparente für den Gesamtführenden Geiger. Am Sonntag (15.15 Uhr/ZDF und Eurosport) hat er eine weitere Chance, es besser zu machen.