Irgendwann musste Lucien Favre selbst lachen. Beharrlich wollte er so tun, als liege ein Spiel wie jedes andere vor ihm und Borussia Dortmund. Doch dann merkte er, dass er mit seiner demonstrativen Euphorie-Verweigerung diesmal nicht durchkommt.

«Es sind sieben Spiele, und das ist das nächste», hatte der Schweizer Trainer auf der Pressekonferenz zwei Tage vor dem Bundesliga-Gipfel des Tabellenführers beim Zweiten FC Bayern München am Samstag (18.30 Uhr/Sky) gerade gesagt. Doch dann blickte er in die skeptischen Gesichter der Journalisten.

Na gut, «ein wenig mehr speziell» sei das Spiel schon, räumte Favre ein: «Wegen der Tabelle. Und weil es Bayern ist. Und Dortmund.» Doch sogar den denkwürdigen Pokal-Krimi der Münchner am Dienstag gegen den Zweitligisten 1. FC Heidenheim (5:4) hat der eigentlich als detailversessener Perfektionist bekannte Favre nach eigener Auskunft nur «zum Teil» geschaut. Er habe das Spiel «nicht von Anfang an» verfolgt. Er habe irgendwann den Fernseher eingeschaltet, «aber nur bis zum 4:2», sagte er: «Danach habe ich nicht mehr geschaut. Und irgendwann stand es plötzlich 5:4.»

Diese Partie der Münchner habe ihm aber sowieso «nicht viele» Aufschlüsse geben können: «Sie haben zu zehnt gegen einen Zweitligisten gespielt.» Doch natürlich ist Favre über die Stärken und Schwächen des FC Bayern bestens im Bilde. «Viele andere Spiele» habe er schon studiert, versicherte er, verriet aber natürlich keine Details seiner Analyse. «Wie alle Mannschaften haben sie ein paar Schwächen», sagte der 61-Jährige nur: «Das haben selbst die größten Mannschaften der Welt. Aber sie haben nicht viele. Und sie haben viele Stärken.» Deshalb sei ihm klar: «Wir müssen alles perfekt machen, wenn wir gewinnen wollen.»

Neben Favre saß Michael Zorc auf dem Podium. Und der Sportdirektor bemühte sich mit einem leichten Schmunzeln, Favres Kampf gegen die übertriebenen Hype des Bundesliga-Spiels der Spiele mitzukämpfen. «Wir freuen uns auf dieses Spiel, aber wir müssen auch keinen dreifachen Salto machen», sagte Zorc. Dass es im Vorfeld keine Psycho-Spielchen aus beiden Reihen gegeben habe, sei «normal. Der gegenseitige Respekt ist sehr groß. Und so verhält man sich».

Doch Zorc war Mitte März - ausgerechnet nach dem verspielten Neun-Punkte-Vorsprung - öffentlich nach vorne geprescht und hatte den Titel als Ziel ausgegeben. Etwas spät sei das gewesen, analysierte Ottmar Hitzfeld, der als Trainer sowohl mit dem BVB als auch mit den Münchner die Champions League gewann, in einer «kicker»-Kolumne. Zorc entgegnete in dem Magazin, er habe den Neustart nach dem Umbruch «nicht gleich mit einer überzogenen Erwartungshaltung überfrachten» wollen: «Ich finde es viel angenehmer, dass sich die Dinge im Verlauf der Saison entwickeln können.»

Seit dem vergangenen Samstag sind die Dortmunder wieder vom Jäger zum Gejagten geworden. Nach dem späten 2:0 gegen Wolfsburg durch zwei Treffer von Paco Alcácer in der Nachspielzeit und das gleichzeitige 1:1 der Münchner in Freiburg fahren die Westfalen als Erster mit zwei Punkten Vorsprung in den Süden. Auch diese Rollenverteilung sei «völlig egal», versicherte Zorc: «In diesem Terminus denken wir nicht. Aber natürlich ist es schön, als Tabellenführer hinzufahren.»

Doch ausgerechnet der spanische Torjäger Alcácer droht am Samstag auszufallen, nachdem er gegen Wolfsburg auf den Arm gefallen war. Fraglich ist auch der Einsatz von Abdou Diallo und des grundsätzlich genesenen Lukasz Piszczek. Sicher fehlen werden Achraf Hakimi, Christian Pulisic und Maximilian Philipp.