Der Mann des Abends präsentierte sich nach dem Abpfiff mit dem Spielball unter dem Arm als wortkarger Genießer. «Jetzt will ich auch in der Bundesliga ein Tor schießen», sagte Daichi Kamada nach der 4:1-Gala seiner Frankfurter Eintracht gegen Red Bull Salzburg.

Mit drei Treffern ebnete der 23 Jahre alte Japaner den Weg in das Achtelfinale der Europa League. Dort traf der offensive Mittelfeldspieler bereits sechsmal und gehört damit zu den vier besten Schützen des Wettbewerbs. In den bisher 20 Liga-Einsätzen traf er kein einziges Mal. «Vielleicht ist jetzt der Knoten geplatzt», sagte Mitspieler Sebastian Rode und scherzte: «Vielleicht sollten wir nur donnerstags spielen, wenn er nur am Donnerstag trifft.»

Immerhin wäre der Vorjahreshalbfinalist wohl ohne Kamada nicht über die Gruppenphase hinaus gekommen: Beim FC Arsenal sorgte er mit einem Doppelpack für den Sieg, ohne den das Aus so gut wie besiegelt gewesen wäre. «Wenn Daichi fit ist, kann er den Unterschied ausmachen», sagte Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner nach einem «fast perfekten Tag, wenn wir das Gegentor nicht bekommen hätten».

Für die auf Europa fixierten Hessen war es dennoch ein absoluter Traumstart in das neue internationale Jahr - und zugleich ein Abend der Signale. Weniger als 24 Stunden nach der Gewalttat im rund 20 Kilometer entfernten Hanau hatte es vor der Partie eine Schweigeminute gegeben. Einige Krakeeler nutzten diesen Moment allerdings für Zwischenrufe - und wurden erst von den Eintracht-Fans lautstark ausgepfiffen, bevor diese «Nazis raus» riefen.

Die drei Kamada-Treffer (12./43./53. Minute) und Tor Nummer vier durch Filip Kostic (56.) sollten trotz des verwandelten Elfmeters von Hee-Chan Hwang (85.) am kommenden Donnerstag in Salzburg für das Weiterkommen reichen. «Ich bin ein Mann der klaren Worte. Wenn wir uns das noch nehmen lassen, sind wir sehr doof», betonte Rode.

Trainer Adi Hütter, der sich selbst zum «guten Händchen» zur Wahl von Kamada für die Startelf beglückwünschte, wollte diese Zuversicht nicht teilen. «Wir sind auf keinem Fall durch», mahnte der Österreicher vor der Rückpartie bei seinem Ex-Club. Was er eine Woche nach der 0:4-Pleite in Dortmund von seiner Mannschaft gegen schwache Salzburger gezeigt bekam, begeisterte ihn aber: «Wir haben eine tolle Europacup-Nacht erlebt. Das war unsere beste Saisonleistung.»

Nach dem ersten Festspiel gegen Salzburg geht es am Montag im Bundesliga-Alltag gegen Union Berlin und für den Tabellenzehnten darum, Punkte zu sammeln, um vielleicht noch einen Europacup-Platz zu erreichen. «Wenn wir immer so spielen würden, stünden wir in der Liga anders da», sagte Frankfurts Innenverteidiger Stefan Ilsanker. «Es ist ein brutal wichtiges Spiel», sagte Torwart Kevin Trapp.

Nachhaltigkeit ist nun von den nicht immer konstanten Hessen gefragt. Bis zum 7. März stehen sechs Partien in drei Wettbewerben auf dem Programm, darunter das Viertelfinale im DFB-Pokal gegen Werder Bremen (4.3.). Immerhin hat Daichi Kamada schon einmal im Pokal getroffen und hofft auf mehr: «Die drei Tore haben mir sehr geholfen.»