Obgleich vom Boxen kaum etwas zu sehen war, erfreuten sich die 50 000 Zuschauer in der ausverkauften überdachten Düsseldorfer Fußballarena am Drumherum aus Blitzlicht und Schampus - und natürlich am Jubiläums-K.o. Bei der merkwürdigen Weltmeisterschaft gegen den hoffnungslos überforderten Franzosen Jean-Marc Mormeck hatte Klitschko seinen 50. vorzeitigen Sieg im 60. Kampf versprochen und prompt geliefert. K.o. nach Ansage.

«Wahrscheinlich ist er der beste Gegner, den ich je gehabt habe», lautete Klitschkos Einschätzung vor dem Gefecht. Tatsächlich war Mormeck wohl der schlechteste. «Der sportliche Wert war nicht da. Das war eine Hinrichtung», sagte Ex-Europameister Luan Krasniqi. In der zweiten Runde fiel Schlagverweigerer Mormeck das erste Mal. In der vierten Runde schließlich löste Klitschko seinen Schwur ein und schlug den 17 Zentimeter kleineren und 13 Kilo leichteren Franzosen mit einer Links-Rechts-Kombination und einer anschließenden Linken endgültig zu Boden. Aus. Die Zuschauer im Fußballrund johlten und feierten den Champion für seine Demonstration der Stärke.

Doch in erster Linie war es das Unvermögen Mormecks. Der 39 Jahre alte wehrlose Herausforderer versuchte zwei linke Haken und ruderte zweimal mit der Rechten. Viel mehr war nicht. «Erbärmlich», meinte Krasniqi. «Zuvor war er noch als französischer Mike Tyson gepusht worden.» Zumeist duckte Mormeck sich ab, Klitschko drückte ihn dann noch tiefer. «Wir haben erwartet, dass er wie ein Tank nach vorn marschiert. Deshalb bin ich nach vorn, um ihn unter Druck zu setzen», berichtete der Champion von WBO, IBF und WBA. Er schien sein Gegenüber damit überrumpelt zu haben. «Ich habe nicht die Chance bekommen, etwas zu zeigen», entschuldigte sich Mormeck. «Ich hätte an den Mann ran müssen, hab' das aber nicht geschafft.» 12,26 Millionen Fernseh-Zuschauer wurden Zeugen des Dramas.

Dass die Klitschkos die Weltrangliste rauf und runter geboxt und nun Probleme haben, richtige Gegner für attraktive Kämpfe zu finden, ist weiß Gott nicht ihre Schuld. Aber jemanden zu verpflichten, der schon mit dem Boxen aufgehört hatte, zwei Jahre später zurückkehrte und sich nur durch seinen zwischenzeitlichen Müßiggang ins Schwergewicht gefuttert hat, ist dreist. Weil die Stadien aber trotzdem rappelvoll und die TV-Quoten exorbitant hoch sind, heiligt der Zweck die Mittel. Der Rubel rollt.

Noch mehr würde er rollen, wenn Bruder Vitali Klitschko gegen David Haye in den Ring steigen könnte. Der Brite hatte sich via TV aus seiner Heimat gemeldet und sein brennendes Verlangen kundgetan. «Kein Problem, ich bin bereit», erwiderte der 40-jährige Klitschko. Schließlich war der Haye-Kampf gegen Bruder Wladimir bislang die größte Goldgrube. Da spielt es auch keine Rolle mehr, dass Dereck Chisora und Haye zwei Wochen zuvor mit einer blutigen Schlägerei jenseits des Boxrings für einen Riesenskandal gesorgt und sich damit eigentlich deklassiert hatten. «So lange Hayes Management auf absurden Börsenforderungen besteht, wird es den Kampf nicht geben», erklärte Klitschko-Manager Bernd Bönte. Haye fordere zwei Millionen Pfund (2,4 Millionen Euro) und 50 Prozent der Pay-per-View-Einnahmen.

Vitali Klitschko soll jedenfalls im Juni wieder in den Ring steigen, Bruder Wladimir am 7. oder 14. Juli. Der Jüngere muss eine Pflichtverteidigung seines IBF-Gürtels gegen den Amerikaner Tony Thompson bestreiten, den er schon mal K.o. geschlagen hat. «Ich bin immer noch hungrig und heiß auf junge Sportler», beteuerte Klitschko.