Es wird wieder plakatiert in München: Am 10. November sollen die Bürger - dort und im Alpenraum - darüber entscheiden, ob sich die Landeshauptstadt erneut um die Olympischen Winterspiele bewirbt. Nach dem gescheiterten Anlauf für 2018 geht es diesmal um das Jahr 2022, und zumindest optisch hat die Seite die Oberhand, die "Oja!" sagt, auf zahllosen Plakaten und mit einem großen Banner am Marienplatz.

Direkt gegenüber im Ratskeller trafen sich gestern die Gegner, und sie werden wieder angeführt von Ludwig Hartmann, der bereits gegen die Spiele 2018 das Bündnis "Nolympia" gegründet hatte.

Schon der Anblick der plakativen Übermacht bringt Hartmann auf die Palme, denn die Pro-Kampagne wird von zahlungskräftigen Sponsoren unterstützt. Auf zwei bis drei Millionen Euro schätzt Hartmann deren Einsatz, während die Gegner nach eigenem Bekunden nur ein paar Tausend haben: "Die wollen sich die Zustimmung erkaufen," schimpft Hartmann.

Ganz so einfach ist das nicht. In der vergangenen Woche stand Hartmann mit seinen Landtags-Grünen, deren Fraktionschef er ist, allein gegen eine große Koalition: CSU, SDP und Freie Wähler stimmten gemeinsam für einen Antrag zur Bewerbung um die Winterspiele.

In der Sache aber kann der Landtag nichts beschließen, denn die Entscheidung liegt nun bei den Bürgern, und zwar nicht nur bei denen der Landeshauptstadt. Überall dort, wo Austragungsorte der Spiele wären, sind die Bürger zur Abstimmung aufgerufen, also auch im Markt Garmisch-Partenkirchen sowie in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land.

Klar ist bereits, dass sich München dann nicht um die Spiele bewerben wird, wenn einer der vier Entscheide eine Ablehnung bringt. Eine Mehrheit für oder gegen die Spiele muss in München mindestens zehn Prozent der Wahlberechtigten umfassen, um rechtlich wirksam zu werden. Dieses Quorum liegt in kleineren Gemeinden und Landkreisen höher. Sollte es mangels Beteiligung nicht erreicht werden, dann will die Politik doch selbst entscheiden.

Einstweilen werben beide Seiten um die Bürger. Gestern hat sich der Bayerische Städtetag für die Bewerbung ausgesprochen, denn sie "ist nicht nur für diese vier Kommunen wichtig, sondern entfaltet ihre Strahlkraft letztlich auf alle bayerischen Städte und Gemeinden".

Humbug, sagt Ludwig Hartmann. Er verweist darauf, dass sich die Austragungsorte komplett dem Diktat des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) unterwerfen und die Kosten samt unbegrenzter Haftung übernehmen müssen, während das IOC die Gewinne behält und dafür auch noch Steuerfreiheit verlangt. Die Kosten sollen, je nach Schätzung, zwischen drei und fünf Milliarden Euro liegen.

Hartmann: "Da kann eine Demokratie nicht mitspielen, das ist nicht mehr zeitgemäß." Nichts hält er zudem von dem Konzept umweltfreundlicher Spiele: "Wir passen eine Region an Olympia an, und nicht Olympia an eine Region."

Hartmann argumentiert auch damit, dass immer weniger Städte die Spiele wollen. Zuletzt sind Barcelona und St. Moritz ausgestiegen. Hartmann: "Sind wir denn die letzten Deppen, die noch bereit sind, sich zu diesen Bedingungen zu bewerben?"

Staatskanzlei-Chefin Christine Haderthauer (CSU) hat eine Erklärung: Anderen sei halt klar, "dass sie gegen unser Konzept kaum eine Chance hätten".