Die WM ist für Kevin-Prince Boateng schon vor dem letzten Gruppenspiel von Ghanas Nationalmannschaft gegen Portugal krachend zu Ende gegangen. Der nationale Fußballverband GFA verbannte den 27-Jährigen am Donnerstagvormittag (Ortszeit) wegen angeblich indiskutablen Verhaltens ebenso wie Italien-Legionär Sulley Muntari aus dem Kader.



Der Mittelfeldprofi von Schalke 04 habe sich "vulgäre verbale Beleidigungen" gegen Trainer Kwesi Appiah im WM-Teamcamp in der Küstenstadt Maceió geleistet, berichtete der Verband in einer Stellungnahme. Boateng habe zudem keine Reue für sein Verhalten gezeigt, hieß es nach offiziellen Angaben.

Boateng wies die Vorwürfe in dieser Härte zurück. Er akzeptiere die Suspendierung zwar, "nur sollte keiner glauben, dass ich den Trainer beleidigt hätte oder mir etwas zu Schulden kommen ließ", kommentierte der streitbare Profi in der Onlineausgabe der "Sport Bild". "Ich reise nun ab und wünsche meinen Kollegen alles erdenklich Gute für die WM und das Spiel gegen Portugal." Boateng berichtete von einem spaßigen Vorfall im Training am Mittwoch mit Muntari, den Appiah falsch verstanden habe. Der Trainer habe ihn in die Kabine geschickt und später bei einem Vier-Augen-Gespräch angeschrien: "Er beleidigte mich auch. Es fielen Wörter wie: Fuck off", sagte Boateng.

Für Routinier und Mittelfeld-Abräumer Muntari ist die WM ebenfalls schneller beendet als gedacht. Der 29 Jahre alte Defensivstratege vom AC Mailand, bisher ein Leistungsträger in Appiahs WM-Team, soll laut Ghana Football Association (GFA) am Dienstag einen Verbandsfunktionär "grundlos körperlich attackiert" haben und wurde deshalb heimgeschickt. Muntari wäre für das letzte Gruppenspiele der Westafrikaner gegen Portugal in Brasília am Donnerstag (18 Uhr deutsche Zeit) aber sowieso gelbgesperrt gewesen und hätte erst wieder in einem möglichen Achtelfinale ins Geschehen eingreifen können.

Beide Profis galten in Ghanas Team als starke Charaktere, die Appiahs Aufstellung und taktische Vorgaben intern während der WM häufiger hinterfragt hatten. Muntari war dennoch unumstrittener Stammspieler, während Boateng nach seiner späten Einwechselung zum WM-Auftakt gegen die USA (1:2) offen sein Unverständnis über Appiahs Entscheidung geäußert hatte. Nach dem Spiel sprach er seinem Coach in Interviews sogar recht offen die Fußballkenntnis ab, in den Trainingseinheiten danach in Maceió präsentierte er sich widerspenstig und lustlos.