In Henrik Rödls Haut möchte man nicht unbedingt stecken. Der Basketball-Bundestrainer hat ein Problem - ein Luxusproblem. Der 49-Jährige muss aus einer Vielzahl von Spielern diejenigen auswählen, die im September bei der Weltmeisterschaft in China im Kader stehen.

Bevor es soweit ist, stehen dem deutschen Team jedoch noch zwei Qualifikationsspiele bevor. Die Auswahl des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) ist bereits für China qualifiziert, doch Gruppenplatz 1 lautet das Ziel, das Rödl in den beiden Partien am Donnerstag, 21. Februar, in Israel und am Sonntag, 24. Februar, in der Bamberger Brose-Arena gegen Tabellenführer Griechenland noch erreichen will.

Gruppenauslosung am 17. März

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"Wir wollen die knappe Niederlage in Griechenland wettmachen, wir wollen die Gruppe gewinnen", sagte Rödl am Sonntag in der Brose-Arena. Die Ziehung der Gruppen erfolgt am 16. März in Shenzhen.

Gegen die derzeit punktgleichen Griechen, die noch zu Hause gegen Georgien spielen, reicht ein Erfolg, wenn beide Kontrahenten ihre Spiele drei Tage zuvor gewinnen bzw beide verlieren. Falls Deutschland in Israel patzt und die Griechen Georgien schlagen, wäre ein Sieg mit mehr als acht Punkten nötig, um die 84:92-Hinspielniederlage wettzumachen.

Den Kader für die beiden letzten Qualifikationsspiele nominiert Rödl am kommenden Montag. Hier - davon ist auszugehen - dürfte auch der zurzeit in bestechender Form aufspielende Bamberger Patrick Heckmann dabei sein. Der Verein hat jedenfalls die Freigabe erteilt, bestätigte Brose-Geschäftsführer Arne Dirks, und Rödl sagt: "Patrick ist im 24er-Kader, aus dem wir auswählen."

Heckmann: Rödl hat's schwer

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Heckmann selbst lässt sich überraschen. "Ich habe in letzter Zeit nicht mit dem DBB geredet. Meine letzten Spiele für die Nationalmannschaft habe ich bei der EM 2017 bestritten. Danach konnte ich wegen Euroleague nicht, und im vergangenen Sommer fehlte ich wegen meiner Schulter- bzw. Fußverletzung. Eine WM im Sommer zu spielen, wäre schon schön. Aber wir haben viele gute Spieler, da hat es der Bundestrainer schwer, eine Auswahl zu treffen."

In den bisherigen zehn Qualifikationsspielen hat Rödl 23 Akteure eingesetzt. Lediglich Ismet Akpinar (Ulm), Bastian Doreth (Bayreuth) und der für Oldenburg spielende Bamberger Karsten Tadda waren bei allen Partien dabei. Neunmal lief der Ex-Bamberger Maik Zirbes (Roter Stern Belgrad) auf.

Ohne NBA-Spieler in Bamberg

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Wen die Fans in knapp drei Wochen auf dem Parkett der Brose-Arena sehen dürfen, ist noch offen. Sicher fehlen werden die in der NBA oder G-League spielenden Dennis Schröder (Oklahoma), Maxi Kleber (Dallas), Daniel Theis (Boston), Moritz Wagner, Isaac Bonga (beide Los Angeles Lakers) und Isaiah Hartenstein (Houston). Die US-Ligen pausieren ebenso wenig für die WM-Qualifikation wie die mit dem europäischen Verband (Fiba Europe) im Clinch liegende Euroleague.

Rödl denkt allerdings darüber nach, für das Griechenland-Spiel Akteure aus Euroleague-Klubs zu nominieren. Die Vereine sind zwar Donnerstag beziehungsweise Freitag im Einsatz, stehen somit für die Partie in Israel nicht zur Verfügung, doch die Münchner Maodo Lo, Danilo Barthel oder Robin Amaize könnten nach ihrem Spiel am Donnerstag bei Real Madrid rechtzeitig in Bamberg sein. Center Johannes Voigtmann spielt mit Vitoria am Freitag beim FC Barcelona.

Wenn die Griechen auf ihren Koloss Iannis Bourousis zurückgreifen, der für einen chinesischen Klub spielt, wäre ein Einsatz von Barthel oder Voigtmann von Vorteil. Die 35-jährige griechische Center-Ikone war beim Hinspielsieg der Hellenen mit 25 Punkten, 7 Rebounds und 3 Assists von den Deutschen nicht zu stoppen.

Bryant, Taylor & Co. kein Thema

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Kein Thema sind die in der jüngeren Vergangenheit eingedeutschten John Bryant, Bryce Taylor, Nihad Djedovic oder Leon Radosevic für Rödl. "Der Kern der Mannschaft ist schon seit längerem dabei. Natürlich kommen immer Neue dazu, doch einen Spieler, der noch nie dabei war, jetzt zu integrieren, ist auch sportlich wenig sinnvoll. Ich gehe davon aus, dass es im Zeitraum bis zur WM keinen Naturalisierten in unserer Mannschaft gibt."

Ähnlich verhält es sich bei Aufbauspieler Makai Mason, der 2016 für das Nationalteam 15-mal im Einsatz war und derzeit bei der Baylor Universität in Texas pro Spiel 15 Punkte und 3 Assists auflegt. "Auch für ihn gilt. Er muss der Mannschaft etwas geben, was sie noch gar nicht hat. Obwohl Makai derzeit sehr, sehr gut auftritt, haben wir auf seiner Position Spieler, die sich in der Qualifikation ausgezeichnet haben und in der Bundesliga gute Leistungen zeigen. Von daher wird es für ihn schwer."

Comeback von Elias Harris?

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Schwierig dürfte es auch für den Bamberger Elias Harris werden, noch auf den WM-Zug aufzuspringen. Der Power Forward absolvierte sein letztes von bislang 36 Länderspielen im August 2014. "Eine WM im Sommer zu spielen, wäre für mich nicht ausgeschlossen, aber es muss alles passen, vor allem gesundheitlich", sagt der 29-Jährige. Doch die Konkurrenz auf seiner Position ist mit Barthel, Theis und Kleber groß. Harris selbst hält den Ball flach: "Ich möchte erst einmal ein Jahr gesund bleiben und dann schaue ich, was passiert. Mein Fokus liegt auf Bamberg."

Louis Olinde für das A2-Team eingeplant

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Für den Bamberger Louis Olinde kommt die WM noch zu früh. Rödl hat den 20-Jährigen in Beobachtung und ihn für das A2-Team bei der Universiade im Juli in Neapel eingeplant. "Definitiv ist die Nationalmannschaft mein Ziel", sagt Olinde. "Für das kommende Zeitfenster bin ich nicht nominiert, hoffe aber, dass ich meine Leistung weiterbringen kann und dann auf dem Zettel des Bundestrainers auftauche."

Rödl hat die Qual der Wahl und spricht bei der schwierigen Aufgabe der WM-Kaderzusammenstellung von sich in der dritten Person: "Das muss der Bundestrainer dann entscheiden."

WM-Qualifikationsspiel

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Termin Am Sonntag, 24. Februar, 18 Uhr, trifft in der Brose-Arena Deutschland auf Griechenland. Tickets gibt es noch in allen Kategorien an den bekannten Vorverkaufsstellen oder bei www.eventimsports.de. Von den 6150 Plätzen sind bisher rund 3500 verkauft.