Der Traum von Olympia 2016 in Rio ist jäh geplatzt. Deutschlands junge Truppe ist bei der EM im eigenen Land klar am Einzug unter die besten 16 Teams gescheitert. Gründe dafür gibt es einige: Einer der Hauptgründe ist, dass die Talente, die zweifelsfrei vorhanden sind, weder in der Bundesliga geschweige denn in der Euroleague in ihren Klubs Verantwortung tragen und Spiele entscheiden. Wo in Istanbul der 20-jährige Cedi Osman in der Crunchtime auf dem Feld steht und wichtige Würfe trifft, sitzen deutsche Nationalspieler in solchen Situationen meist auf der Bank und sehen zu, wie Amerikaner, Spieler vom Balkan oder aus dem Baltikum die Partie gestalten.
Da nutzt auch die 6-plus-6-Regelung wenig. Klar es fehlen Chris Fleming wichtige Stützen wegen Verletzungen. Ein Kleber, Zirbes, Theis oder Harris waren nicht dabei, doch Personalprobleme hatten andere Nationen auch. Dazu kommt, dass der Basketball-Heilsbringer Dirk Nowitzki seinen Zenit überschritten hat und die Mannschaft nicht mehr so tragen kann, wie in vergangenen Tagen. Ehrenwert ist es, dass er sich noch einmal zur Verfügung gestellt hat. In der Offensive traf der Würzburger nur noch jeden dritten Wurf, doch vor allem defensiv war der NBA-Star das schwächste Glied im deutschen Team. Leute, die sagen, dass Nowitzki zu alt sei und die Jungen bei der EM spielen sollten, habe er noch keine getroffen, sagte der 37-Jährige im Interview mit dieser Zeitung vor wenigen Wochen. Nun dürfte der Würzburger ein paar mehr mit dieser Meinung treffen können. Dennoch steht nach seinem wohl letzten Länderspiel fest: Nowitzki hat die Geschichte des deutschen Basketballs geprägt wie kein anderer vor ihm.
Bleibt der Trainerposten. Chris Fleming, ohne Turniererfahrung zur EM als Bundestrainer angetreten, verwaltete den (Spieler)-Mangel und machte das Beste draus. Der Amerikaner wird allenthalben gelobt. Nachdem es in den letzten vier Jahren nahezu jährlich einen Wechsel auf dem Trainerposten gegeben hatte, bleibt zu hoffen, dass es an dieser Stelle Kontinuität gibt und die Mannschaft mit Fleming reifen kann. Sein Wort, bis 2016 zu bleiben, hat er gegeben. 2017 steht die nächste EM auf dem Programm, dann mit hoffentlich auf internationalem Niveau gereiften Spielern.