Wenn am Freitagabend (20 Uhr) in der Bamberger Arena nach 670 Tagen wieder die Hymne der Euroleague "I feel devotion" ertönt und der Basketball zum "Jump" ins Spiel zwischen den Brose Baskets und Darussafaka Dogus Istanbul gebracht wird, hat ein Mann im Hintergrund mit "Hingabe" seine Arbeit zum großen Teil erledigt. Es ist Philipp Göß, seit August Event- und Spieltagsmanager beim deutschen Basketball-Meister.

Am 19. Dezember 2013 fand das letzte Match im höchsten europäischen Klubwettbewerb in Bamberg statt. Mit der 80:84-Niederlage gegen Zalgiris Kaunas verabschiedeten sich die Bamberger vor knapp zwei Jahren aus der Euroleague. Damals drückte Philipp Göß noch die Bank im Hörsaal an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg. Der BWL-Student mit Marketing und Logistik schloss sein Masterstudium erst im Juni 2015 ab. Die Brose Baskets kannte der Fußballer vom SV Ergersheim (Lkr. Neustadt/A.) und Borussia-Dortmund-Fan Fan ("Egal in welcher Sportart, ich bin gegen den FC Bayern!") von vielen Spielbesuchen während seines Studiums in Bamberg. "Man wird fast zwangsläufig zum Basketball-Fan, wenn man in Bamberg wohnt", sagt der 27-jährige Bad Windsheimer.

Dass er wenige Wochen nach Abschluss seines Studiums bereits einen Job beim deutschen Meister als Event- und Spieltagsmanager antreten würde, lag daran, dass er zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort war. Durch den Wechsel seines Vorgängers Marius Kröger auf den Managerposten bei den Artland Dragons in Quakenbrück war der Posten kurzfristig frei. "Innerhalb von zwei Wochen war die Bewerbung abgegeben, das Einstellungsgespräch absolviert und der Vertrag unterschrieben - ein Traum", erzählt der große Blonde.


Schnelle Umstellung

Während eines Praktikums bei Radio Energy in München organisierte er bereits ein Musikfestival mit 18 000 Zuschauern mit. Monatelang dauerte es, die Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Bei den Brose Baskets ist innerhalb von 48 Stunden der Wechsel von der Euroleague zur Bundesliga zu managen. "Da gibt es ganz andere Vorgaben. Von der Beklebung des Spielfelds angefangen, über das Ablaufprogramm auf den LED-Banden bis zum Snack, den die Schiedsrichter in der Kabine bekommen, ist alles vorgegeben und durchgeplant."


Euroleague mit vielen Anforderungen

Zu den Anforderungen der Euroleague zählt die Bereitstellung des Systems für die Pfeife der Schiedsrichter, die mit ihrem Pfiff die Spielzeituhr stoppen. Göß zählt weitere Vorgaben auf. So ist in den Gäste- und Schirikabinen ein Monitor mit dem Livebild vom Spielfeld mit der noch verbleibenden Zeit bis zum Beginn des Spiels bzw. der zweiten Hälfte vorgeschrieben. Ein Thermometer, Massagebänke und eine Eismaschine für die Physiotherapeuten sind ebenso Pflicht. Auch die Vermarktung des Spiels läuft unterschiedlich. "Die Euroleague beansprucht für ihre Sponsoren Zeiten für die LED-Banden. Dafür schreibe ich den Plan, wann welcher Sponsor auf welcher Bande erscheint. Ebenso liegt der gesamte Ablauf des Spiels und die Befüllung der Auszeiten in meiner Verantwortung."


Hauptverantwortlich in der Arena

Göß unterschreibt bei der Arena als Hallenmieter und ist anschließend während des Spieltages "Chef" im Haus. Das Treffen mit der Feuerwehr und den Sanitätern vor dem Spiel gehört ebenso zu seinem Job, wie der Rundgang mit dem Security-Chef und dem Hallentechniker. Die Einteilung der Ordner und die Verteilung der Klatschpappen organisiert ebenfalls der junge Mann. Bei einem Heimspiel sind rund 30 Helfer für Göß im Einsatz, dazu kommen noch einmal so viele als Ordner und Sicherheitspersonal. Während des Spiels ist er Ansprechpartner für alle, vom Kommissar am Kampfrichtertisch bis zu den Burschen in den Spielfeldecken, die den Schweiß aufwischen. "Ich muss alles im Blick haben, um bei Bedarf reagieren zu können", weiß Göß um seine Verantwortung. Für einen 27-jährigen Berufsanfänger eine ganze Menge. "Es ist mehr als ein Fulltime-Job - für mich aber ein Traum-Job. Wenn man über jede Kleinigkeit bei einer Veranstaltung mit fast 7000 Zuschauern Bescheid weiß und dafür die Verantwortung trägt, will man alles optimal planen. Das macht viel Spaß, und die Tage vergehen wie im Fluge." Dazu trage auch das gute Arbeitsklima in den Büros der neuen Baskid-Halle im Bamberger Ortsteil Gereuth bei.


Lange Arbeitstage

Bisher beschäftigte sich Göß vor allem mit dem Tagesgeschäft. "Wenn die Spieltage einmal laufen, werde ich mich auch darum kümmern, das Event Basketball weiter zu entwickeln. Welche Aktionen kann man noch durchführen, damit sich etwa die Besucher länger im Foyer aufhalten." Bis dahin gibt der 27-Jährige noch Aufträge an die Druckerei, bis wann, wie und mit welchem Sponsoren-Logo oder Motiv die Klatschpappen bedruckt werden müssen. Die Freundin, gesteht Göß, habe sich schon beklagt. "Wenn ich nach Hause komme, geht sie ins Bett", erzählt der junge Mann von seinen zumweilen langen Arbeitstagen. "Dies wird sich aber legen, wenn die Routine da ist", fügt er hinzu.

Alles damit 24 Spieler und 6800 Zuschauer einen Rahmen haben, Basketball zu spielen bzw. zu sehen. Seinen Job hat er gemacht - die Spiele können beginnen.