Zweimal jubelten die Basketballer aus Island im vergangenen Jahr. Im August 2014, als sie sich erstmals überhaupt für eine Europameisterschaft qualifiziert hatte - und vor drei Tagen. Am Donnerstagabend, als die isländischen Fußballer die Niederlande im EM-Qualifikationsspiel mit 1:0 besiegt hatten, machten die Basketballer im Teamhotel die Nacht zum Tag. Bis weit in den Freitag wurde gefeiert, berichtete man aus dem Umfeld. Einen dritten Jubel gab es zum Auftakt der Basketball-Europameisterschaft am Samstag gegen Deutschland keinen. Spannend machten es die Deutschen allerdings beim 71:65 (41:26)-Erfolg gegen den Außenseiter. Der erwartete Sieg des Teams von Bundestrainer Chris Fleming - ein Arbeitssieg.

Tiefenentspannt gingen die Isländer das Eröffnungsspiel in der Vorrundengruppe in Berlin gegen Deutschland an. Denn alleine die Teilnahme an einer EM-Endrunde war für sie in dieser Todesgruppe mit den beiden Topteams Serbien, Spanien sowie den Schwergewichten Italien, Deutschland und die Türkei ein Erfolg.


"Iceland" ganz cool

Die Korbjäger von der Vulkaninsel mit den 330.000 Einwohnern hatten gegen den Co-Gastgeber nichts zu verlieren. Entsprechen locker gingen sie mit ihrem Topsspieler Jon Stefansson die Partie an. Eiskalt - die Mannen aus "Iceland", trafen bis zum 10:8 für Deutschland zwei Dreier und ließen trotz ihrer kleinen Aufstellung die langen Tibor Pleiß und Dirk Nowitzki unter dem Korb kaum zum Zug kommen.

Nach einer zweieinhalbminüten offensiven "Auszeit" zog Dennis Schröder das Tempo an, punktete mit Schnellangriffen, und Robin Benzing traf nach zwei Fehlwürfen zwei Dreier (18:9, 6. Min.). Jon Stefansson brachte sein Team jedoch wieder auf 18:14 heran, ehe Nowitzki zwölf Sekunden vor dem Viertelende mit seinen ersten Punkten das 20:14 herstellte.


Nowitzki und Schröder übernehmen

Im zweiten Abschnitt erkannten dann seine Mitspieler, dass sie dem NBA-Star aus Würzburg öfter den Ball geben sollten. Obwohl die Isländer den 2,13 m langen Blonden immer wieder hart angingen, traf Nowitzki nun auch schwierige Würfe, oder revanchierte sich für die Fouls an ihm (bis zum Ende waren es sieben) an der Freiwurflinie. "Wir wollten Nowitzki doppeln, sobald er das Dribbeln beginnt. Er hat aber ein paar Würfe, die niemand auf der Welt verhindern kann", meinte Islands Trainer Craig Pedersen zu Nowitzkis Vorstellung im zweiten Viertel.

Zusammen mit dem blitzschnellen Schröder, Paul Zipser sorgte der Unterfranke beim 35:24 (18.) erstmals für eine zweistellige Führung. Da sich nun auch die Abwehr immer besser auf das unorthodoxe Spiel der Isländer eingestellt hatte, betrug der Vorsprung zur Pause 15 Zähler (41:26).


Drittes Viertel ausgeglichen

Ein Spaziergang wurde die Partie für Deutschland aber auch in der zweiten Hälfte nicht. Das Polster wuchs in den dritten zehn Minuten lediglich um einen Punkt (59:43). Der Bamberger Karsten Tadda hatte in den wenigen Minuten auf dem Feld den isländischen Topscorer Jon Stefansson gut im Griff. Deutschland zog auf 61:43 davon (32.). Als Benzing allerdings nach einem Wurfversuch umknickte und mit starken Schmerzen vom Feld musste,
bedeute dies einen Bruch im deutschen Spiel. Die jungen Schützlinge von Coach Fleming waren verunsichert.

"Hier hätte ich mir mehr Spieler gewünscht, die selbstbewusst auf den Korb werfen", sagte Fleming hinterher.
Stefansson scorte und Baeringsson traf gegen den in der Abwehr zu langsamen 37-jährigen Nowitzki drei Dreier ein. Der Vorsprung war auf sechs Zähler geschrumpft (69:63), und es waren nur noch 2:45 Min. zu spielen.


Nervöse Schlussphase

Stefansson vergab in den folgenden Minuten drei Würfe und ließ sich von Anton Gavel den Ball stehlen. Doch auch die Deutschen bekleckerten sich nicht mit Ruhm und verweigerten zum Teil freie Würfe. Erst 21 Sekunden vor dem Ende gab es auf der Anzeigetafel durch einen Freiwurf von Gavel wieder eine Veränderung (70:63).

Beide Teams überzeugten in der Schlussphase vor allem defensiv. "Wir haben Island bei einer Dreier-Quote von unter 30 Prozent gehalten und ihnen wenige Fast-Breaks gestattet", lobte Fleming sein Team und konstatierte: "Ich habe in meiner gesamten Karriere weder in der Bundesliga oder bei einem Turnier noch nie ein gutes erstes Spiel gesehen." Der Amerikaner wollte aber auch nicht alles schlecht reden: "Es war wichtig, dass wir die Begegnung gewonnen haben. Wir hatten gute und schlechte Phasen. Ich werde jetzt nicht allzu viel Zeit damit verbringen, unser schwaches letztes Viertel zu analysieren, denn morgen wartet Serbien. Das wird ein ganz anderes Spiel"


Deutschen punkten ausgeglichen

Neben den beiden NBA-Stars Nowitzki und Schröder (je 15 Punkte) scorte Flemings Team recht ausgeglichen. Nach Gavel (7) folgten fünf Spieler mit je sechs Zählern (Giffey, King, Benzing, Zipser und Voigtmann).

Bitter für das deutsche Team, dass mit Robin Benzing ein weiterer großer Spieler droht auszufallen. Eine genaue Diagnose gab es nach dem Spiel nicht. "Ich habe auch nicht mehr gesehen, als alle anderen Zuschauer. Robin hat jedenfalls ein Aua. Aber er ist ein harter Hund", sagte Fleming.


Stimmung muss noch besser werden

Ausbaufähig war neben dem deutschen Spiel auch die Stimmung. Die 12.500 Fans in der Arena am Ostbahnhof unterstützten das Team, so richtig laut wurde es aber erst in den Schlussminuten. Das dürfte am Sonntag (15 Uhr, live im ZDF) anders werden, wenn etliche Tausend serbische Fans ihr Team nach vorne peitschen werden. Davon gab es am Samstagabend bereits einen Vorgeschmack in der Begegnung gegen Spanien.