Es war ein Abschied unter Tränen für einen ganz Großen. Als Dirk Nowitzkis Teamkollegen schon längst in den Katakomben der Berliner Arena am Ostbahnhof verschwunden waren, musste der Würzburger nach einem TV-Interview noch einmal übers Feld. Alle Zuschauer spendeten stehend Applaus, Nowitzki winkte, verneigte sich und verbarg seine Tränen unter seinem Trikot. Sehr wahrscheinlich ein Abschied für immer von der Nationalmannschaft.


Spanien zieht ins Achtelfinale ein

Die 37-jährige NBA-Legende hätte eine Verlängerung seiner Karriere für Deutschland verdient gehabt - und auch seine Mannschaft, die sich gestern erneut hervorragend verkaufte. Am Ende stand mit dem 76:77 (38:41) gegen Spanien die vierte Niederlage im fünften Vorrundenspiel für das Team von Bundestrainer Chris Fleming zu Buche, die das Aus bedeutete. Spanien fliegen heute zur Endrunde nach Lille (Frankreich), die deutschen Basketballer packen ihre Koffer und fahren frustriert nach Hause.


Erfahrung siegt über Jugendlichkeit

13 050 Fans in der erneut ausverkauften Arena am Ostbahnhof in Berlin gaben alles, um Deutschland zur Endrunde zu schreien. Doch es reichte nicht. Spanien, das im vergangenen Jahrzehnt bei fast allen Großereignissen eine Medaille gewann, bei der EM 2009 und 2011 den Titel holte und 2006 die Weltmeisterschaft gewann, war zu clever für die junge deutsche Truppe. Der 35-jährige zweimalige NBA-Champion Pau Gasol (16 Punkte, 11 Rebounds) sorgte mit seinen beiden abgezockten Guards vom Euroleague-Sieger Real Madrid, Sergio Rodriguez (19 Punkte) und Sergio Llull (14), für das Aus der deutschen Mannschaft.
"Die Erfahrung der beiden Aufbauspieler war sicher mitentscheidend für den Ausgang des Spiels. Unsere beiden, Dennis Schröder und Maodo Lo, sind erst 21 oder 20. Sie werden aber diese Erfahrung mitnehmen, davon lernen und stärker zurückkommen", sagte Fleming und blickte bereits in die Zukunft. Eine Zukunft mit dem Amerikaner, der noch einmal versicherte, dass sein neuer Job als Assistenztrainer beim NBA-Club Denver Nuggets seine Aufgabe als Bundestrainer nicht beeinflussen werde. "Telekom sei Dank", sagte Fleming, der sich seine Spieler übers Internet ansehen werde. Und Fleming fand auch schon seinen Humor wieder. "Dirk hat mir in der Kabine gesagt, dass er noch vier, fünf Jahre spielen werde", und er grinste, betonte aber noch die überragende Bedeutung Nowitzkis für das Team.


Tadda beginnt erneut

Der Bamberger Karsten Tadda, der gegen Italien eine starke Vorstellung in Abwehr wie Angriff geboten hatte, durfte wieder beginnen und sorgte dafür, dass die Spanier nicht glänzen durften. Die Deutschen ackerten wie am Vortag vorbildlich. Nowitzki (10 Punkte) riss die Fans gleich mit einem Dreier von den Sitzen. Schröder zeigte erneut Licht und Schatten: Dreier und Korbleger wechselten sich mit überhasteten Aktionen und Ballverlusten ab. Er hielt sein Team aber im Spiel und sorgte mit seinen 26 Punkten mit Lo (14) dafür, dass die Deutschen sich am Ende noch eine Siegchance verdienten.


Gasol und Rodriguez drehen auf

Denn im zweiten Viertel drehte Rodriguez auf. Der smarte, vollbärtige Aufbauspieler narrte seine Gegenüber einige Male oder traf von außen. Mit Gasol, der seine Masse und seine Größe (2,15 m) unter dem Brett nutzte, sorgte er für eine 41:35-Führung (18. Min.) der Spanier, die sie bis zum Ende nicht mehr abgaben.


Lo trifft zwei Dreier, Nowitzki einen

Beim 50:63 (33.) sah es nach einer klaren Sache aus. Llull traf nach Belieben. Doch mit College-Boy Lo blies das deutsche Team zur Aufholjagd. Nowitzkis Dreier zum 69:73 ließ Lo seinen zweiten Distanztreffer im Schlussviertel folgen. Nach Freiwürfen auf beiden Seiten zog im letzten Angriff beim Stand von 74:77 Schröder beim Dreier geschickt ein Foul. 3,8 Sekunden vor Schluss stand der junge Mann an der Freiwurflinie und hätte mit drei Treffern ausgleichen können. Die ersten beiden gingen rein, der dritte daneben - das Aus.


Nowitzki: Fehler, die man sich nicht leisten darf

Dirk Nowitzki meinte hinter: "Wir haben zum Schluss dumme Fehler gemacht, mal vergessen auszuboxen beim Rebound, Bälle verloren. Wir haben alles gegeben, es hat aber nicht gereicht." Zu seiner eigenen Leistung sagte der 37-Jährige, dass er kein Wurfglück gehabt habe. Dennis Schröder, so Nowitzki, müsse noch lernen, nicht immer Vollgas zu geben, sondern auch einmal einen Schritt zurück zu machen. "Er hat aber eine super EM gespielt. Auf den großen Positionen waren wir ein wenig schwach besetzt. Zirbes war für uns in der Vorbereitung der Fels in der Brandung. Er hat uns sehr gefehlt, ebenso wie Kleber und Theis. Das soll aber keine Entschuldigung sein, das wussten wir vorher", fügte Nowitzki an, für den nach 153 Länderspielen wohl Schluss ist.