Beim Blick vom Hof des Weikersheimer Schlosses in den barocken Lustgarten glaubt man einen Augenblick, die Zeit sei einfach stehengeblieben. Was hier zu sehen ist, war so schon vor 300 Jahren zu sehen. Genau so. Weil die Gärtner hier nichts dem Zufall überlassen, sondern bei der Pflanzung nach Vorlagen des 18. Jahrhunderts arbeiten. Die vielen leuchtenden Farben beeindrucken, ganz dem barocken Schönheitsideal entsprechend. Alles, was leuchtet, glitzert, duftet, ist gewollt, nichts dem Zufall überlassen. Getreu dem absolutistischen Herrschaftsdenken, das sich Natur und Kreatur gleichermaßen unterwerfen will.

Besonders interessant: Der Garten ist von über 70 barocken Steinfiguren bevölkert, allesamt Originale aus dem 18. Jahrhundert. Wohl einmalig und eher einem glücklichen Zufall zu verdanken. Weitab von den Zentren hat sich hier die barocke Gartenanlage der Grafen von Weikersheim-Hohenlohe perfekt erhalten. Vom Schloss geht es eine Treppe hinab in den Garten. Auf zwei Mauern links und rechts des Abgangs fällt eine Zwergengalerie ins Auge. Den früheren Hoheiten gefiel es, ihr Personal , egal ob Kammerzofe, Haus- oder Küchenmeister, in Wichtelform abzubilden. Wohl zur Bestärkung eigener Größe und Erhabenheit.

Auf dem Weg zum Mittelpunkt des Gartens, dem Herkulesbrunnen, passieren wir zunächst die figurenhafte Darstellung der vier Elemente, Feuer, Wasser, Erde und Luft. Weiter geht's an einer von Blumen umrankten Figurengalerie aus Göttern und Gestirnen zu dem von einer Herkulesfigur beherrschten Mittelpunkt des Gartens.
Der imposante Brunnen sprudelt allerdings schon seit 13 Jahre nicht mehr, erzählt Monika Mendt von der Schlösserverwaltung Weikersheim. Weil das Wasser in der Region viel zu kalkhaltig sei, ergänzt sie. Die Herkulesfigur habe unter den Kalkablagerungen zu stark gelitten. Aber: Am Sonntag soll der Brunnen anlässlich der Auszeichnung als "Garten des Jahres 2013" erstmals wieder für einige Stunden sprudeln.

Natürlich dürfen exotische Pflanzen wie Palmen, Zitronen-, Oliven- und Feigenbäume in einer solchen Gartenanlage nicht fehlen. Plus dazugehöriger Orangerie, in denen die Pflanzen überwintern. Auch dafür steht Weikersheim.

Am Sonntag verspricht die Schlösserverwaltung den Besuchern bei freiem Eintritt ein regelrechtes Barockspektakel. Historische Kostümträger und barocke Tänzer nähren dann die Illusion einer barocken Gegenwart. Es wird Musik geben, Spezialitäten aus der Region und für die Kinder jede Menge Abwechslung mit Basteln und Spielen.