Schneider ist Personalchef eines mittelständischen Unternehmens irgendwo in Deutschland. Und er ist kein Einzelfall. Gerade Firmen, die keinen weltbekannten Namen im Logo führen, spüren immer deutlicher, wie sich der Arbeitsmarkt in einen Käufermarkt verwandelt. Das heißt: Wenige Fachkräfte haben die Wahl unter vielen attraktiven Angeboten. Die Folge: Bewerber stellen immer höhere Ansprüche und sind immer seltener bereit, Kompromisse einzugehen.

"Mythos Fachkräftemangel"

Natürlich trifft das nicht auf sämtliche Branchen und Berufsfelder gleichermaßen zu. Trotzdem sinkt jedoch allein aufgrund des demografischen Wandels und des Ausscheidens vieler älterer Mitarbeiter in den kommenden Jahren die Zahl an verfügbaren Fachkräften. Praktisch alle Wirtschaftszweige gehen für die nahe Zukunft von einem Mangel an qualifizierten Bewerbern aus.

Keine Hoffnung also? Unsinn, sagt Martin Gaedt, Autor des Buches "Mythos Fachkräftemangel" . Die Unternehmen müssten aber die Herausforderungen der veränderten Marktbedingungen annehmen. Das heißt, sie müssen aktiv nach Bewerbern suchen statt nur zu warten. Bewerbungen auf Stellenanzeigen sind laut Gaedt innerhalb eines Jahres von 60 auf 34 Prozent gesunken.

Persönliche Note entscheidend

Doch wie punktet man in einem heiß umkämpften Markt? Gaedt: "Schnell, persönlich, wertschätzend." Es geht darum, potenzielle Bewerber als Kunden wahrzunehmen und vor allem mit "weichen" Faktoren zu überzeugen. Bewerbungen innerhalb von 24 Stunden zu beantworten, mit persönlichem und sympathischem Betriebsklima zu werben, flexible Arbeitszeitmodelle zu fördern, Mitarbeiter als Unternehmsbotschafter zu nutzen. Das kostet meist nicht viel Geld, setzt aber oft einen Wandel der Unternehmenskultur voraus.

Und natürlich geht es ums Reden. Wer nicht auf sich aufmerksam macht, generiert keine Kontakte. Doch was die meisten Unternehmer in Bezug auf die Neukundengewinnung für völlig selbstverständlich halten, müssen sie im Personalmarketing nachholen. Wolfgang Schneider hat reagiert: Seit Kurzem referiert er regelmäßig an den umliegenden Schulen über Berufsperspektiven in seiner Branche. Eine Auszubildende seiner Firma bloggt über ihre Arbeitserfahrungen und hat eine Facebook-Seite für ihren Arbeitgeber angelegt.

Unverzichtbar: soziale Netzwerke

Auch bei XING ist die Firma neuerdings vertreten. Das deutsche Karrierenetzwerk erlaubt es, unkompliziert mit potenziellen Bewerbern in Kontakt zu treten. Unternehmen können außerdem, wie in diesem Beispiel von einem XING-Unternehmensprofil , Neuigkeiten ankündigen, Fotos hochladen und Bewertungen erhalten. Denn: Gerade der Kontakt "auf Augenhöhe" wird für Fachkräfte immer wichtiger.