Filme und Serien dann schauen, wann man Zeit und Lust darauf hat und dann bitte auch gleich mehrere Folgen am Stück. Echte Fans schwören außerdem noch auf die jeweilige Originalversion. Wünsche, die das deutsche Fernsehen nicht erfüllen kann oder will - die Diskussion über Sinn und Unsinn der Synchronisation im Allgemeinen und die Qualität des Gesendeten im Besonderen füllt mehr als nur einen Abend. Streaming-Dienste versprechen Abhilfe und der amerikanische PlatzhirschNetflix erscheint vielen wie ein Heilsbringer - obwohl es bereits ein paar etablierte Dienste hierzulande gibt.

Sonderstellung für Amazon

Was also hat Netflix, was die Konkurrenten wieWatchever,MaxdomeoderAmazon Instant Videonicht haben? Mit welchen bereits vorhandenen Geräten ist der Dienst kompatibel? Und natürlich: was kostet das Angebot? Schon bei den Antworten auf diese Fragen nimmt Amazon eine Sonderstellung ein. Der Dienst des Internetkaufhauses ist an die Prime-Mitgliedschaft gekoppelt, die neben einer schnellen und kostenlosen Lieferung der bestellten Produkte auch das Ausleihen von E-Books und eben das Streamen von Filmen beinhaltet. Dafür werden dann 49 Euro im Jahr fällig, es ist nicht möglich, nur das Video-Angebot zu buchen.

Für bestimmte Filme und Serien muss man aber unter Umständen noch einmal zusätzlich bezahlen. Hinzu kommt, dass Amazon versucht, seinen Dienst an die eigenen Geräte wie den Kindle Fire zu binden. Wer keinen Kindle hat und auch keinen kaufen möchte, sollte die ellenlange Liste der kompatiblen Gerätedurchlesen (was sich im Übrigen auch bei den anderen Diensten empfiehlt), die unter anderem diverse Apple-Produkte, aber nur wenige Androiden aufführt. Die entsprechende App ist zwar seit einigen Tagen im Google Playstore vorhanden. Nutzer berichten aber von diversen Problemen bei der Installation. Auf dem Rechner laufen Videos nur mit Silverlight, kein Problem für Windows-Anwender, Linux-Nutzer werden, wie bei Amazon üblich, ignoriert.
Watchever, Netflix und Maxdome sind da wesentlich offener. Über die entsprechenden Apps nehmen praktisch alle gängigen Geräte Kontakt zum Dienst auf und erlauben das Streamen auf den Fernsehschirm mit Hilfe vonGoogles Chromecast.Lediglich eine funktionierende Wlan-Verbindung wird benötigt, schon erkennt die App den Chromecast und lädt den ausgewählten Film auf den überdimensionierten USB-Stift. Dieser Vorgang dauert bei Netflix etwas länger als bei Watchever, entschädigt aber dafür mit einem ruckelfreien und gestochen scharfen Bild. Bei Watchever gibt es dagegen gelegentliche Probleme bei der Bildwiedergabe, das Video stockt schon mal oder zeigt Bildfehler.

Schnelle Netflix-App

Die Bedienung der Apps sind ähnlich und schnell erlernt. Auch hier reagiert die App von Netflix schneller und zuverlässiger, egal, ob beim Suchen und Auswählen eines Films oder beim Wechseln von der Originaltonspur in die deutsche Synchronisation oder beim An- und Ausschalten der Untertitel. Während Watchever eine Untertitelung überhaupt nicht anbietet, kann man bei Netflix zwischen deutschen und Untertiteln in der Originalsprache wechseln - vor und während der Wiedergabe. Einem Bericht desOnline-Dienstes OMG Ubuntuzufolge soll mit der ab Ende November erhältlichen neuen Version Netflix auch unter dieser Linux-Distribution funktionieren.
Die Auswahl ist bei Netflix vielleicht nicht größer, aber aktueller. Die eigene Serie "House of Cards" ist mit den ersten beiden Staffeln ebenso vorhanden wie neuere britische Serien wie "Doctor Who". Neuere wohlgemerkt, denn auch Netflix hinkt der TV-Ausstrahlung hinterher, so fehlen beispielsweise aktuell die dritte Staffel von "House of Cards", die BBC-Serie "Doctor Who" ist bis zur siebten Staffel vorhanden - die achte Staffel ist gerade erst in der BBC angelaufen. Maxdome wirbt explizit damit, dass Fernsehfolgen einen Tag nach der Erstausstrahlung in den USA verfügbar sind und bietet neben Filmen und Serien auch Sportereignisse live an.
Weil alle Dienste einen kostenlosen Probemonat anbieten und das Abonnement zudem jederzeit monatlich kündbar ist, muss man sich nicht blind entscheiden, sondern hat genügend Zeit, sich das jeweilige Angebot anzuschauen. Preislich liegen alle nah beieinander und beginnen bei 7,99 Euro, wobei 1 Euro Aufschlag für das Netflix-HD-Angebot inklusive der Möglichkeit, auf zwei Geräten zu streamen, gut investiert ist. Ausschlaggebend dürfte sein, mit welchen Geräten man es am besten nutzen kann. Denn selbst wenn immer wieder damit geworben wird, ist es kein wirkliches Vergnügen einen abendfüllenden Film oder mehrere Folgen einer Serie auf dem Smartphone anzuschauen. Selbst ein 10-Zoll-Tablet wird nach einer halben Stunde ziemlich schwer, wenn man es in der Hand halten muss. Und wie bei so vielem spielt natürlich auch der persönliche Geschmack eine Rolle. Denn der eine Dienst, der alles im Angebot hat, den gibt es (noch) nicht.