Als es im Dezember 2015 urplötzlich dunkel wird, ahnt in Kulmbach niemand, dass ein Raubtier für den kurzen Stromausfall verantwortlich ist. Ein Marder hatte im Umspannwerk ein Anlagenteil berührt. Tausende Haushalte sind betroffen. Für das Tier endet der Ausflug tödlich.

Derart spektakulär sind die Streifzüge der nachtaktiven Einzelgänger meist zwar nicht. Für den Menschen werden die Säugetiere aber trotzdem immer wieder zum Ärgernis - auch für Autobesitzer. Meist im Frühjahr durchbeißt der Steinmarder Zündkabel, zernagt Schläuche oder frisst Dämmmatten. In Deutschland ist eines von 300 Fahrzeugen betroffen. Die Reparaturkosten pro Jahr belaufen sich auf mehr als 60 Millionen Euro. Mehr als 200 000 Fälle werden jedes Jahr gemeldet.


Dabei sind die folgenschweren Erkundungstouren ein ganz natürliches Verhalten der Tiere. Wenn die Fahrzeuge eine angenehme Restwärme abstrahlen, fühlen sich Steinmarder im Motorraum pudelwohl und markieren ihr Revier. Von aggressiven Beißattacken sind sie dann noch weit entfernt. Das passiert erst, wenn die Konkurrenz ins Spiel kommt. Präziser: die Urin-Hinterlassenschaft eines männlichen Konkurrenten. Der wütende Artgenosse beißt dann auf alles, was ihm in die Quere kommt - ohne, dass es ihm wirklich schmeckt.

Teilweise reicht es da schon, dass ein Tier einmal über eine Motorhaube läuft und das Auto über die Duftdrüsen an den Zehen markiert. Parkt das Auto dann in dem Revier eines anderen Marders, will dieser sein Revier verteidigen. Besonders ärgerlich: Haben sich zwei Artgenossen an einem Gefährt "festgebissen", kann es durchaus zur Revierkampf-Dauerschleife kommen. Teure Schadensfälle inklusive.


Marderjagd nur mit Jagdschein

Für einige Leidgeplagte steht deshalb fest: Der Marder muss weg! Aber Vorsicht: Das Fangen oder gar Töten der Tiere ist nur den Inhabern eines Jagdscheines erlaubt. Allerdings wird auch diese Bejagung kritisch gesehen. "Totschlagfallen sind abzulehnen. Die vom Gesetz geforderte sofortige Tötung eines Tiers wird mit keinem Fallentyp sichergestellt", sagt Lea Schmitz, Pressereferentin beim Deutschen Tierschutzbund. Durch die Bejagung würden pro Jahr in Deutschland über 40 000 Steinmarder getötet. "Aus Tierschutzsicht lehnen wir die Bejagung ab", sagt Schmitz, die anmerkt, dass der Mensch allgemein zu wenig über den Marder weiß. "Marder sind faszinierende Tiere, die unsere Natur bereichern."

Einige Autofahrer werden in diesem Frühjahr allerdings weniger gut auf das Tier zu sprechen sein. Hat der Marder zugeschlagen, bleibt nur noch eins: die (langsame) Fahrt in die Werkstatt. Ignoriert ein Fahrzeugbesitzer den Schaden, kann es schnell teuer werden.


Marderschaden: Wann zahlt die Versicherung?

Autofahrer mit Straßen- oder Tiefgaragen müssen im Frühjahr damit rechnen, dass sich Steinmarder zum Beispiel an den Kabeln ihrer Zündkerzen oder an den Brems- und Kühlwasserschläuchen ihrer Pkw vergehen. Das kann, so heißt es in einer Mitteilung der Versicherung HUK-Coburg, nicht nur teuer, sondern auch gefährlich werden. Die Schäden bleiben oft unentdeckt, da die spitzen, kleinen Zähne der Raubtiere oft nur stecknadelgroße Einstiche hinterlassen. Während der Fahrt kann es recht schnell zu Folgeschäden, zum Beispiel am Motor, kommen. Ein Blick auf die Temperaturanzeige des Kühlwassers kann hier helfen: Geht der Zeiger in den roten Bereich, sollte man auf jeden Fall einen Blick unter die Motorhaube werfen.

Schäden, die Marder anrichten, sind oftmals in der Teilkasko mitversichert. Allerdings bieten nicht alle Versicherungen diesen Schutz. Wer es genau wissen will, sollte nachfragen oder einen Blick in seine Bedingungen werfen. Zudem sind in der Teilkasko-Versicherung manchmal auch nur die unmittelbaren Schäden - also die zerbissenen Schläuche - versichert. Teuer werden jedoch meist die Folgeschäden, wenn der Motor oder die Bremsen in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Und die können mehrere Hundert Euro ausmachen. Zieht beispielsweise ein zerbissener Kühlwasserschlauch einen Motorschaden durch Überhitzung nach sich, so sind in der ersten Variante nur die Kosten für den Kühlwasserschlauch abgedeckt. Bei manchen Versicherungen sind auch diese Folgeschäden bis zu einer Summe von 3000 Euro mitversichert.

Wenn sich das Raubtier an den Schläuchen und Kabeln von Autos, Campingfahrzeugen oder Krafträdern vergangen hat, greift natürlich auch die Vollkasko-Versicherung, informiert die HUK-Coburg. Allerdings gilt hier: Wer einen Schaden meldet, wird in seinem Schadenfreiheitsrabatt hochgestuft.