Die Burg Lauenstein, hoch aufragend über dem Ludwigsstädter Stadtteil Lauenstein, kennen viele Bürger und auch so mancher Tourist. Gerade im vergangenen Jahr hat das in der Anlage integrierte, derzeit stillgelegte Burghotel des Öfteren für Schlagzeilen gesorgt. Doch diesmal geht's um die Keller unter dem Thünaflügel. Diese historischen Gemäuer sind nur wenigen bekannt.

Als Burgverwalter Henrik Henniger die Tür zum Burgkeller öffnet und der Blick über die Stufen hinweg zu den Gewölberäumen schweift, beschleicht den Betrachter ein etwas wechselhaftes Gefühl zwischen Staunen, Ungläubigkeit und auch Dankbarkeit dahingehend, vor rund 400 Jahren nicht an dieser Stelle gewesen zu sein. In diesem Keller - er ist etwa 20 mal 30 Meter groß - sollen einst die Bürger von Lauenstein und Umgebung in Kriegszeiten Zuflucht gesucht haben. Dorthin sollen gar die Bürger von "Steemich" im Dreißigjährigen Krieg geflüchtet sein? Das erzählt der Burgverwalter.


Gewölbekeller aus dem 16. Jahrhundert

Seinen Auskünften nach wurde der Gewölbekeller im Zuge des Thünabaus in den Jahren 1551 bis 1554 vom damaligen Burgherrn Christoff von Thüna errichtet. Ein Gefühl von Ehrfurcht und Respekt gegenüber dem damaligen Bauherrn und allen am Bau Beteiligten kommt auf. "Es war eine Meisterleistung ihrer Zeit mit viel Muskelkraft!", unterbricht Henniger die Stille.

Geschaffen wurde ein feingliedriges, filigranes Bruchsteinmauerwerk aus Schiefergestein, das an der Seite des Berges direkt in den Fels gebaut wurde. Ein zusätzliches Mauerwerk wurde als Stütze der Außenwand für den Thünaflügels angebracht. Der Lehmboden ist bis in die Gegenwart vorhanden geblieben. Wo heute Stufen hinab in den Burgkeller führen, soll früher eine Rampe gewesen sein, damit Vieh, Futter und Vorräte untergebracht werden konnten.

Unvorstellbar, dass in diesem Keller einst über 60 Personen, überwiegend Frauen und Kinder, zusammen mit dem Vieh und weiteren Tieren über Monate hinweg ihren Alltag verbrachten. Es wurde gekocht, gewaschen, es wurden Kinder geboren. Die Männer waren in der Regel an der Verteidigungsfront eingesetzt. "Die Menschen waren hier wesentlicher sicherer, als in ihren Hütten", sagt Henniger.


Untertanen brauchten Schutz

Es hatte also seinen Grund, dass der Keller im Zuge des Thünabaus mit geschaffen wurde. Henniger beginnt vom Lehensrecht zu erzählen, in dem unter anderem auch festgelegt wurde, dass jeder Lehensherr seinen Untertanen Schutz bieten müsse. Es war die Regel, dass zur damaligen Zeit Kriegskarawanen ganze Dörfer plünderten, Frauen missbrauchten. In den Ortschaften kam es teilweise zu fatalen Übergriffen. Im Jahre 1640 beispielsweise ist das ganze Land zwischen Probstzella und Gräfenthal verwüstet worden, wie Henniger berichtet. Die Bevölkerung floh schließlich in den Wald oder auf die Burg.

Für die Öffentlichkeit ist der Burgkeller nicht zugänglich. Aus Sicherheitsgründen, heißt es. Dafür kann aber das Museum in der Burg Lauenstein besichtigt werde. Die Ausstellungsräume sind umfangreich ausgestattet mit Fachsammlungen über Schlösser und Schlüssel, Beleuchtungskörper, Mobiliar vom 15. bis 19. Jahrhundert, mit Waffen und Rüstungen.