Hunger macht bekanntlich schlechte Laune. Und manchmal auch aggressiv. Aber dafür gleich seinen Bruder erschlagen? Der Sage nach ist genau das auf einer Anhebung hinter Zeil passiert. Über den Brühlweg gelangt man zum sogenannten Linsenstein (Richtung Bischofsheim). "Da rankt sich schon seit Jahrhunderten die Sage, dass sich zwei Brüder um ein Linsengericht gezankt haben", sagt Ludwig Leisentritt, Heimatforscher der Stadt Zeil. Schließlich hätten sich die Streithansel gegenseitig erschlagen.

Dass es sich tatsächlich so zugetragen hat, ist zu bezweifeln. Die Linsengeschichte ist nämlich kein Einzelfall. "Das gibt es häufiger in der deutschen Sagenlandschaft", erklärt Leisentritt. Zumal schon einiges dazugehört, sich gegenseitig zeitgleich die Lichter auszuknipsen. Dennoch: Sieht man den etwa 500 Jahre alten mannshohen Steinquader mit herausgemeißeltem Kreuz so dastehen, ziehen die Bilder des tödlichen Bruderkampfes unweigerlich am inneren Auge vorbei.

Vor über 40 Jahren freigelegt

Der Zeiler Haßbergverein hat den damals von Gestrüpp überwucherten Stein vor über 40 Jahren freigelegt. "Den Namen könnte dieser Kreuzstein auch von einer alten Zeiler Familie namens Lins haben", erklärt der 76-jährige Leisentritt. "Ähnlich wie in Eltmann, wo es die Linsenäcker gibt." Auch im Steigerwald gibt es etwas vergleichbares wie den Linsenstein. Die Fatschenbrunner nennen ihn Schafdiebstein oder auch Schäferkreuz. Auch hier ging es laut dem Heimatforscher angeblich nicht zimperlich zu: Ein Schäfer soll im Kampf einen Schafsdieb erschlagen haben.

Ganz in der Nähe des Zeiler Kreuzes befindet sich auch das obere Ende der Schwedenschlucht: Wie ein Canyon schlängelt sich hier eine metertiefe Schneise durch den Wald. Mehrfach schon spülten bei Starkregen Sturzbäche Holz und Geröll bis zu besiedeltem Gebiet hinab. Im Dezember 2013 verirrte sich zudem eine damals 79-jährige Rentnerin in das Gebiet und wurde erst nach zwei Tagen in der Schwedenschlucht entdeckt. Trotz ihres kritischen Zustandes überlebte die Frau.

Beten? Es geht auch anders

Zurück zum Linsenstein. "Er war lange Zeit wie ein Dornröschenschloss zugewachsen", erinnert sich Leisentritt. Das lateinische Kreuz darauf als religiöses Symbol ist typisch für Franken: "Franken ist das Land mit den meisten Martern." Denkbar auch, dass der Stein Landwirten im 15. und 16. Jahrhundert als Ansporn dienen sollte. "Ora et labora - Bete und arbeite" sei ja damals deren Leitspruch gewesen. Leisentritt lacht und erinnert sich an einen anderen Spruch der Bauern: "Da hilft des Beten nix, da muss Mist hi!"