Der Likör ist fast leer. Das fällt Sonja Beier sofort auf, als sie ihre Tausch f ränkin Petra Meyer wiedertrifft. Vergangene Woche haben die beiden sich kennengelernt, Beier zeigte Meyer den schönen Aischgrund und als Kennenlerngeschenk gab's ein Fläschchen ihres Selbstangesetzten. Der hat auch den Indianerfans im Kreis Forchheim geschmeckt.
Petra Meyer und ihre Familie gehören zu den treibenden Kräften der Stone-Hill-Indianer Gräfenberg, einem Verein, der sich mit der Lebensweise amerikanischen Ureinwohner beschäftigt. "Ich hab's nicht gegoogelt", betont Sonja Beier. "Jetzt bin ich aber gespannt!" Weil vergangene Woche im Pommersfeldener Park getrommelt wurde, hat sie sich auf einen Indianertanz eingestellt. "Bestimmt wird es sehr mystisch", vermutet sie - und liegt völlig daneben. Denn Petra Meyer gibt die Stadtführerin.



Wildnis auf dem Steinberg
Aber Sonja Beier freut sich, dass ihr Likörchen geschmeckt hat, die Stimmung ist gut, die Frauen marschieren einträchtig durch die Gassen, während Petra Meyer launig von Kunst, Geschichte und Kuriositäten Gräfenbergs berichtet. Vom "Scheunenviertel" aus schlendern sie aus der Stadt hinaus in die Wildnis der Fränkischen Schweiz. "Jetzt geht's zu den Indianern", sagt Sonja Beier. Diesmal stimmt's. Das Lager "Stone Hill" liegt auf einem verwunschen-verwachsenen Steinberg mit Bäumen und einer Reihe Zelte in unterschiedlichsten Größen. Sonja Beier entdeckt ständig neue Details wie Bilder und Schnitzereien - doch schon zieht ihre Tauschfränkin sie in ein Zelt. Dann wird's doch noch ein bisschen mystisch.

Traumfänger? Geil!
Auf dem Boden liegt Asche und angekokeltes Holz eines längst erloschenen Lagerfeuers. Die Frauen sitzen außen herum. "Ich möchte dir eine Geschichte erzählen", beginnt Petra Meyer. Dann berichtet sie von Fliegendem Hirsch, seiner Familie und davon, wie sie unter bösen Träumen litten. "Er ging, um Rat zu suchen beim großen Geist." Doch nirgendwo habe er Hilfe gefunden - bis eine Spinne ihm erklärte, dass die Träume aus dem Chaos seines Denkens kämen. Sie spann ihm ein Gewebe mit Dingen, die für die Elemente stehen: wie die Feder für Luft und eine Muschel für das Wasser. "Wenn du diesen Traumfänger an dein Tipi hängst, werden sich die Träume, die aus dem Chaos kommen, darin verheddern."
Zum Ende der Geschichte hat Petra Meyer schon einen Traumfänger in der Hand, den sie ihrer Tauschfränkin gemacht hat. "Geil", sagt Sonja Beier. "Traumfänger sind geil." Und dann erzählt sie: von schlechten Träumen ihres Sohnes und einem Traumfänger, der geholfen hat. Die Frauen verstehen sich immer besser, plaudern über verschiedene Varianten der Traumfängersage und über Industrienähmaschinen, die für Indianerzelt-Doppelnähte nötig sind.
Petra Meyer erklärt, dass Glut im Zelt die einfachste Imprägnierung ist. "Ruß verschließt die Lücken zwischen den Baumwollfäden." Sonja Beier staunt. Erzählen kann ihre Tauschfränkin; die Lehrerin kümmert sich im Verein auch um die pädagogischen Inhalte. "Wir haben ja oft Familienfreizeiten, Freizeiten für Kinder, Vater-Kind-Wochenenden."
Manchmal kommen auch indianische Gäste: Am Wochenende von Freitag, 23. Mai, bis Sonntag, 25. Mai, beispielsweise beim Workshop "Totempfahl erstellen" mit Edward E. Bryant, Mitglied des Raben-Clans der Tsimshian. Weitere Informationen gibt's auf der Internetseite www.indianerlager-stone-hill.de.

Eintopf - aber ohne Eichhörnchen
Fürs Kulinarische ist bei Veranstaltungen Petras Ehemann Walter Meyer zuständig. Der Hobbykoch ist Vorsitzender des Vereins, und seine Frau hat eben keine Lust auf den Küchenkram. Nicht einmal, wenn die Küche aus einer offenen Feuerstelle besteht. Tauschfränkin Sonja Beier hingegen ist begeistert. Der indianische Eintopf schmurgelt vor sich hin, duftet köstlich und Sonja erfragt das Rezept. Walter erklärt, dass er Originalzutaten wie Eichhörnchen durch Rind und Pute ersetzt hat. Die Tauschfränkin knetet eifrig Brot, das sie dazu "backen" darf. Also eigentlich frittieren. "Wie Krapfen!"
Sonjas Metier: Sie gibt ihr Krapfenrezept zum Besten - und lädt den hochinteressierten Walter zum Backen nach Zentbechhofen ein. "Und mein Mann und ich kommen Pfingsten auf jeden Fall nach Gräfenberg!" Dann sind "Tage der offenen Tür" im Indianerlager. Sonja will mehr wissen von Indianertänzen, Bogenschießen, Axtwerfen, Stämmen - und indianischer Küche. Der Frankentausch ist noch nicht ganz zu Ende.

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