Es geht hier tatsächlich auch um das Absolvieren einer bestimmten Strecke. Aber nicht umsonst wurde ein neues Wort für diese aktuelle Sportart eingeführt. Es geht vor allem um kunstvolle, geschmeidige Bewegungen beim Überwinden von Hindernissen. Ursprünglich waren hier natürliche Hindernisse gemeint sowie die Kunst der Bewegung durch eine natürliche Landschaft, die mit Méthode Naturelle bezeichnet wird. David Belle, der Begründer des Parkouring, lernte diese Art sich spielerisch und leicht zu bewegen von seinem Vater und übertrug Ende der 80er Jahre das Modell auf die urbane Umgebung des Pariser Vorortes Lisses, der von Stahl- und Betonbauten geprägt war.

Kinderspielplatz Großstadt

Die Verfolgungsjagden der Kinder führten über Papierkörbe, Tischtennisplatten und kleinere Bäche und als aus Kindern Jugendliche geworden waren, wurden zunehmend schwierigere Hindernisse wie Mauern, Zäune oder gar Baugerüste einbezogen. Später auch Gebäudefassaden und Hochhäuser: Le Parkour war geboren. Heute gibt es weltweit verschiedene Initiativen, die von dieser Bewegung ausgehen und unterschiedlich organisiert sind. Wettbewerbe werden ausgetragen, allerdings distanzierte sich der Gründer David Belle bereits 2006 von der Parkour Worldwide Association, vor allem, weil der Wettbewerbsgedanke nicht dem ursprünglichen Sport mit seinen philosophischen Grundlagen entspricht. Ein bisschen kann man Parkour mit Akrobatik vergleichen. Der Akrobat aber möchte sein Publikum mit einer Show beeindrucken, der Traceur, wie der Sportler von Parkour bezeichnet wird, soll sich geschmeidig und möglichst schnell von einem Ausgangspunkt A zu einem selbstgewählten Ziel B bewegen, wobei er dabei bestimmte Hindernisse bewältigen muss, die er nicht verändern darf. Jedoch tut er das nicht, um andere zu beeindrucken, was natürlich schnell einmal passiert, wenn sich jemand wirklich elegant über einen zwei Meter hohen Bretterzaun fliegen lässt... Spektakuläre Film- und Fernsehberichte haben den Sport bekannt gemacht, stehen aber letztlich der Philosophie entgegen, dass hier ein Sport um seiner selbst willen und mit dem Ziel ausgeübt wird, etwas für sich und seine Gesundheit zu tun.

Die Technik macht’s

Wie bei jeder anderen Sportart auch, gibt es Trainings, die man im Verein und einer Sporthalle durchführen kann. Mit der Aufwärmphase beginnt das Training, dann kommt der Hauptteil, der sich beispielsweise aus Technik-, Kraft- und Ausdauertraining zusammensetzt sowie eine Ruhephase zum Schluss. Ziel ist es, bestimmte Bewegungsabläufe zu perfektionieren und zu automatisieren. Dafür entwickeln manche Traceure ihre eigene Technik, einige grundsätzliche Regeln gibt es aber durchaus. Hartes körperliches Training soll den Spaß an der Bewegung nicht ausschließen. Auch geht es nicht darum, möglichst riskante Manöver zu absolvieren, sondern im Gegenteil: Die Anforderungen sollen so langsam gesteigert werden, dass die Verletzungsgefahr minimiert wird. Der Traceur soll selbst entscheiden, was er sich (schon) zutraut und für welches Hindernis er die Bewegungsabläufe noch optimieren möchte, denn es kann leicht sogar zu lebensgefährlichen Verletzungen kommen. Ein wichtiger Satz ist daher: „Parkour ist nur so gefährlich, wie man es sich selbst macht.“ Dem Wohlergehen des Körpers sowie einer geistigen und körperlichen Fitness wird große Aufmerksamkeit geschenkt. An manchen Stellen hat sich der Sport von dieser Philosophie bereits mehr oder weniger entfernt, da geht es auch um mediale Aufmerksamkeit, die Bewunderung der anderen oder die Austragung von Wettkämpfen: schneller, weiter, höher. Jedoch gibt es eine starke Bewegung, die auf die Philosophie, die hinter dem Sport steht, großen Wert legt. Und dafür braucht es keine Wettkämpfe. Urbanen Raum in anonymen Großstädten zu beleben, sich respektvoll, künstlerisch und mit Spaß darin zu bewegen und seinen Mitmenschen ebensolchen Respekt entgegenzubringen, das ist das eigentliche Anliegen der Traceure.