Eine Woche vor seinem 50. Geburtstag passierte es. Am 24. Juni 1999 erlitt Peter Greger einen Schlaganfall und lag zwei Wochen lang auf der Intensivstation. "Es gab gewisse Vorzeichen, die ich ignoriert habe", erinnert sich Greger an Störungen von Sprache, Gang und Sehvermögen. Als dann rings um ihn Geräte piepsten, war es zu spät.



Gregers Erzählung hört sich an wie hundert andere: Immer 100 Prozent im Beruf gegeben, Alarm-Signale des Körpers nicht ernst genommen, dann der Zusammenbruch. Für Greger, der für ein Versicherungsunternehmen als Personaler im Außendienst arbeitet, ist der Schlaganfall das berufliche Aus. Die Ärzte erklären ihn für berufsunfähig. Doch eines ist anders, denn Greger hat umgedacht. Und zwar nicht nur auf seinem Krankenbett, sondern nachhaltig.

Kuschelmasse abgebaut
"Für mich ist der Tod das kleinere Übel", sagt Greger behutsam. "Auf einer Pflegestation zu liegen, bei Klarheit im Kopf, aber Füße und Hände nicht bewegen zu können, ist schlimmer." Und so fasste er zum Jahreswechsel 1999/2000 einen Entschluss. "Damals habe ich mich zum Wandervogel entwickelt", berichtet Greger. Kurz nach dem Schlaganfall begleitet er seine Frau zur Kur an die Ostsee. Dort schleppt er sich von Bank zu Bank, alle zweihundert Meter steht eine an der Uferpromenade. Heute läuft der 63-Jährige im Durchschnitt neun Kilometer am Tag.

"Seit 1999 habe ich 15 Kilo abgenommen und halte das Gewicht", sagt Greger nicht ohne Stolz. Sein Leben hat er
entschleunigt. "Das Auto nehme ich nur noch zum Einkaufen." Und jeden Morgen - außer am Wochenende und in den Ferien - geht er mit der Hündin des Nachbarn in den Wald.

Oft unternimmt er Ausflüge in die Umgebung oder auf den Kreuzberg. Und noch etwas hat er eingeführt: Jedes Jahr gibt's "Opa-Tage" mit seinen Enkeln. "Wir haben als Familie mal eine so fantastische Wanderung gemacht, dass die Enkel darauf bestanden haben: Opa, das machen wir noch mal!"

Rückschlag nach ersten Erfolgen
Doch der Rückschlag kommt aus heiterem Himmel. Noch im Sommer 2004 wandert Peter Greger mit seiner Frau zur Tochter in den Schwarzwald - 457 Kilometer in drei Wochen, "ein wunderschöner Urlaub - nun steht er wieder ganz am Anfang. Am 25. Juli 2005 kommt Greger mit einer akuten Gehirnentzündung ins Krankenhaus. Er ist seinem Hausarzt, dem verstorbenen Doktor Ulrich Hildmann, heute noch dankbar, dass er den Ernst der Lage erkannte und sofort handelte. Nun feiert Greger dreimal im Jahr Geburtstag. "Ich bin froh, dass ich meine Enkel aufwachsen sehen darf."

Über Pfingsten trifft sich Greger mit seinen ehemaligen Kollegen. "Wir machen das schon seit 1996 immer am Wochenende nach Muttertag", schildert er die Wander-Tradition, die jeder aus der Gruppe mal organisiert. Heuer ist Greger an der Reihe. "Es geht in den Steigerwald", verrät er - und nimmt dann doch mal das Auto, um alle nötigen Vorbereitungen zu treffen.

Werbung für den Kreuzberg-Bus
Unter der Woche trifft man Greger öfter auf dem Kreuzberg an. "Am Wochenende ist es mir da oben viel zu voll", erklärt er. Aber einen Haken haben seine Ausflüge auf den Heiligen Berg der Franken doch. "Wochentags fährt der letzte Bus um 16:55 Uhr." Und das ist seiner Meinung nach viel zu früh. "Da wird es gerade erst lustig."

Deshalb setzt sich Greger bei den Behörden dafür ein, dass der Busverkehr auf den Kreuzberg ausgebaut wird. Michael Schäder vom Landratsamt in Bad Kissingen hat Greger auch schon geantwortet. Der Busverkehr zwischen Oberwildflecken und dem Kreuzberg wurde erst ab dem 1. Mai 2012 auch auf die Wochentage erweitert. Dabei "handelt es sich zunächst über einen Probeverkehr über drei Jahre". Bislang sei der Behörde noch nicht gekannt, ob die Verbindung von der Bevölkerung angenommen werde, denn die Fahrgastzahlen wurden noch nicht ausgewertet.

Aber Michael Schäder macht, zumindest vage, Hoffnung: "Bei einer positiven Bewertung kann durchaus über spätere Bedienungszeiten (...) diskutiert werden." Greger solle nur fleißig für die neuen Fahrten werben. Und das tut der Rentner auch. Denn eines versteht er nicht: "Viele Rentner mit gesundheitlichen Problemen tun nichts - außer Autofahren." Das müsse doch nicht sein. Und ein weiteres gewichtiges Argument führt der "Wandervogel" ins Felde: "Ich trage mein Geld lieber ins Wirtshaus als zur Apotheke!"