Von der Burgruine Botenlauben sind wir in Richtung Stations- und Osterberg aufgebrochen und bis zum ehemaligen Waldschlösschen gejoggt. "Das ist der Bad Kissinger Rennsteig", meint Gruppenanführerin Bernadette Obermeier vorab. Zum einen, weil die Strecke so bergig verläuft. Zum anderen, weil sie vollständig bewaldet ist. "Hier ist es so ruhig. Alle Geräusche werden vom Wald geschluckt. Das ist genau wie am Rennsteig."

Wir laufen los und werden sofort von der Stille der Natur aufgesogen. Der Pfad windet sich durch die Bäume und irgendwie scheint es, als würde heute in der Gruppe weniger und leiser geredet als sonst. Erst passieren wir den Ehrenfriedhof, dann den heiligen Wendelin, den Schutzpatron der Schäfer. Dessen Statue wurde 1753 von Valentin Weidner gefertigt und steht seit 1883 am Osterberg im Wald. Dann, in einer scharfen Linkskurve, am Fuße eines steilen Anstiegs, taucht ein eisernes Grabeskreuz auf. Es thront auf steinerner Plattform, auf der sich grün-gelbliches Moos festgesetzt hat. Ein Unbekannter hat einen schlichten Blumenkranz an das Kreuz gehängt. Wir gehen näher ran, um die weiße Inschrift lesen zu können: "Hier ruhen in Frieden zwei Bayern, 23 Preußen, gefallen am 10. Juli, 1866."

Das Kreuz erinnert an Soldaten, die in der Schlacht bei Bad Kissingen während des Deutschen Krieges zwischen Preußen und dem Deutschen Bund ihr Leben verloren. Vor dem inneren Auge spielen sich die dramatischen Szenen ab. Die Geschichte wird lebendig und Menschen sterben. Man sieht, wie sich junge Männer erbittert bekämpfen, wie sie sich mit ihren Gewehren und aufgepflanzten Bajonetten das Leben rauben. Man erlebt mit, wie die bayerischen Soldaten, die Bad Kissingen vor den einmarschierenden Truppen verteidigten, von der übermächtigen, 54 000 Mann starken Preußischen Armee in den Anhöhen östlich der Stadt geschlagen und versprengt wurden. Und man beobachtet, wie die Toten nach der Schlacht an Ort und Stelle begraben werden.

Was wir vom Stations- und Osterberg aus nicht sehen können, ist die restliche Schlacht: Die preußische Armee kam aus Thüringen und über die Hohe Rhön nach Bayern. Am Morgen des 10. Juli rückten die Preußen von Garitz kommend auf die Stadt vor und eroberten das rechte Saaleufer. Sie überquerten den Fluss bei der heutigen Lindesmühle und stießen von dort in Richtung Innenstadt vor. Langsam rückten die Preußen vor, Haus für Haus erkämpften sie sich den Weg in die Stadt. Über die Kurhausstraße, den Kurgarten und die Ludwigsbrücke marschierten die Truppen weiter. Besonders heftig wurde am Kapellenfriedhof gekämpft. Nachdem auch dieser erobert wurde, haben sich die Kämpfe in den Osten der Stadt verlagert. Dorthin, wo unsere Laufgruppe gerade ihre Runde dreht.

Start Der kleine Parkplatz direkt unterhalb der Burg Botenlauben im Bad Kissinger Stadtteil Reiterswiesen ist der perfekte Ausgangsort für unseren "kleinen Rennsteig." Kurz um die Ecke abgebogen, verschluckt uns der Wald.

Strecke Einmal mehr waren wir begeistert. Davon, welch schöne Flecken Erde vor unserer Haustüre liegen. Diesmal mit einer besonderen historischen Note versehen. Denn auf dem Weg von der Burgruine zum Waldschlösschen, gelegen zwischen Bad Kissingen und Nüdlingen, begegnet uns ständig Geschichte. Kreuze und Denkmäler erinnern an die Schlacht von 1866 zwischen Bayern und Preußen.

Schwierigkeit Wir werden mutiger. Die erfahrenen Läufer unserer Gruppe hatten uns gewarnt, dass dieser Weg kein leichter sei. Und tatsächlich. Das ständige Auf und Ab geht in die Beine. Vor allem, weil die Anstiege teilweise über mehrere hundert Meter gehen. Auch bergab gilt es sich, zu konzentrieren. Danach hat man das Gefühl, mehr bergauf als bergab gelaufen zu sein. Der Zaubertee von Bernadette und ihr leckerer Volvic-Grenadine-Mix haben später umso besser gemundet.