Alles bereit zur Sprengung: Die Spezialisten des Technischen Hilfswerks Kulmbach haben am Sprungturm des Freibads 14 Sprengladungen angebracht, auf jeder Seite sieben, insgesamt 1,4 Kilo Sprengstoff. Sie haben Splitterschutz aus Strohballen aufgestellt und den Sprungturm vorne angesägt. "Er soll wie ein Baum nach vorne ins Becken fallen", sagt Norbert Groß.





Um 9.35 Uhr am Samstagvormittag kündigt ein langer Signalton die letzte Sicherheitsüberprüfung an: Unbeteiligte - auch die Presse - dürfen sich nicht mehr näher als 200 Meter an der Sprengstelle aufhalten. Zwei kurze Signale bedeuten: Es wird gesprengt. Hier das Video!

Um 9.38 Uhr drückt der THW-Sprengmeister Andreas Hager-Wallmann auf den Knopf. Ein großer Knall, und der Sprungturm knickt nach vorne um. In zwei Sekunden ist alles vorbei. Die Trümmer des 13 Meter hohen und 70 Tonnen schweren Kolosses liegen - wie vorausberechnet - im Becken.


Der markante Bogen ist weg

Als sich die Staubwolke verzieht, sieht die Silhouette des Freibads anders aus. Der markante Betonbogen - ein Wahrzeichen der Stadt - ist Geschichte. Ein dreifaches Signal verkündet das Ende der Aktion.

Das Sprengkommando des THW hat perfekte Arbeit abgeliefert. "Super gelaufen, wir hatten keine Splitterwirkung", stellt Norbert Groß fest. "Gute Vorbereitung, gute Ausführung, super Verbau - rundum perfekt."

Von "einem lachenden und einem weinenden Auge" spricht Oberbürgermeister Henry Schramm. Er und Stadtwerkechef Stephan Pröschold sind zufrieden, dass die Sprengung reibungslos verlaufen ist.

Die Aktion ist unter größter Geheimhaltung abgelaufen. Andernfalls wäre laut Stadt, Polizei und THW mit einem großen Andrang von Schaulustigen zu rechnen gewesen - mit enormen Problemen für die Sicherheit.


1,5 Millionen Euro für Sanierung

Im Springerbecken des Freibads haben sich Generationen von Jugendlichen und Halbstarken ausgetobt und Mutproben veranstaltet. Das geht nun nicht mehr. Allerdings, so Stephan Pröschold, hätte die Stadt die Sanierung des maroden Beckens mit Kosten von 1,5 Millionen Euro nicht bezahlen können. Das 43 Jahre alte Gebäude aus Stahlbeton sei - im Gegensatz zum Sprungturm - einsturzgefährdet gewesen. Als man Anfang März den Bescheid erhalten hat, dass Kulmbach in einem Förderprogramm des Bundes zur Sanierung von Sportanlagen nicht zum Zuge kommen würde, habe man nun den Abbruchbeschluss des Werkausschusses in die Tat umgesetzt.

Dabei haben die Todessprünge von zwei jungen Männern im vergangen Juli - obwohl Stadt und Stadtwerke nachweislich kein Verschulden trifft - die Überlegungen beschleunigt, das marode Bauwerk wegzureißen.

In den nächsten Wochen werden die Außenwände abgebrochen. Das Geländeniveau wird dem benachbarten Bereich mit den Tischtennisplatten angeglichen. Die Firma Dietz, Weismain, zerkleinert das Abbruchmaterial an Ort und Stelle und nimmt es als Unterbau. Noch vor Beginn der Freibadsaison wird eine Humusschicht aufgebracht und Rasen angesät.

Dazu auch unser Kommentar: Weggerissen ist's schnell.


Todessprung ins leere Becken

Im vergangenen Juli erlangte das Kulmbacher Freibad traurige Berühmtheit: Ganz Deutschland sprach über die Todessprünge in das leere Springerbecken.

Ein Spaziergänger fand am Morgen des 26. Juli die jungen Männer (20 und 24) leblos in dem seit Saisonbeginn gesperrten Becken. Der Notarzt konnte ihnen nicht mehr helfen.

Die zwei Freunde waren aus großer Höhe - über zehn Meter - in den Tod gesprungen. Sie standen unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen (Cannabis und Ecstasy). Das ergaben die Ermittlungen der Polizei.

Die Sicherungsmaßnahmen im Bereich des gesperrten Becken wurden nicht beanstandet. Wie eine Überprüfung bei gleichen nächtlichen Lichtverhältnissen ergab, war leicht zu erkennen, dass sich kein Wasser im Becken befand.

Der Polizei gelang es, die letzten Stunden vor den Todessprünge zu rekonstruieren. Die jungen Männer waren am Samstagabend mit Bekannten in der Innenstadt und auf dem Bierfest unterwegs. Nach Mitternacht trennten sich ihre Wege. Die beiden später verunglückten Männer überwanden verbotenerweise den Zaun des Freibads. Dann stiegen sie von hinten auf die Sprunganlage und kletterten über eine Plattform auf den Sprungturm. Der reguläre Zugang war nicht möglich, da die Treppen abgebaut worden waren.