Der Laufschuh ist das allerwichtigste Utensil eines Läufers. Die Füße sind sensible Leistungsträger. Werden sie stiefmütterlich behandelt, so kann das fatale Auswirkungen auf Gelenke und Sehnen haben. Also, bloß nicht am Laufschuh sparen!

Der Laufschuhmarkt wird für den Einzelnen immer unübersichtlicher. Deshalb ist es wichtig, sich in einem gut sortierten Sportgeschäft vom fachlich geschulten Personal beraten zu lassen. Der teuerste und beste Laufschuh taugt nichts, wenn bei der Auswahl nicht auf die Passform geachtet wird.


Analyse des Abrollverhaltens

Doch wie findet man den richtigen Laufschuh? Durch das persönliche Gespräch, die statische, dynamische und die Passformanalyse wird der Laufschuh ausgewählt, und auf dem Laufband erfolgt dann der Praxistest. "Mittels Videoaufzeichnung kann das Abrollverhalten genau beurteilt werden", erläutert Experte Tobias Schubert von Intersport Leithner in Kulmbach.

Was muss der Läufer oder die Läuferin beachten, bevor er/sie sich in ein Fachgeschäft begibt? "Man sollte etwa 30 Minuten Zeit mitbringen und - falls vorhanden - seine alten Laufschuhe", empfiehlt Sport schuhverkäufer Frank Graf. Durch den Abrieb der Laufsohle kann man schon erkennen, zu welchem Läufertyp er oder sie gehört: Fersen-, Mittelfuß- oder Vorfußläufer. Außerdem gibt der Abrieb oft auch Hinweise auf bestimmte Fehlstellungen und fehlerhaftes Abrollverhalten. Das sind wichtige Anhaltspunkte. "Die Laufschuhe kauft man am besten nachmittags oder abends, da die Füße im Laufe des Tages anschwellen und etwa eine halbe Nummer größer sind", empfiehlt Graf.


Mehr ist besser

Auch die beiden Marathon anwärter Sindy Meier, Kupferberg, und Dieter Oeckl, Ludwigschorgast, die sich auf den Münchner Marathon im Herbst vorbereiten, legen den allergrößten Wert auf den für sie richtigen Laufschuh. Sindy und Dieter haben jeweils vier Paar Laufschuhe im Einsatz. Etwas leichtere Schuhe, so genannte Lighttrainer, die speziell im Wettkampf oder bei den Tempoläufen zum Einsatz kommen sowie Neutral- oder Stabilschuhe mit einer höheren Dämpfung für die längeren Distanzen beim normalen Ausdauerlauf. Und wenn's mal zum Training in den Wald geht, werden die Trailschuhe geschnürt. Das sind Laufschuhe, die Stabilität und Grip bieten. Es gilt der Grundsatz: Wer mehrere Paare Laufschuhe parallel nutzt, reduziert nicht nur die Verletzungsgefahr, sondern erhöht auch die Lebensdauer seiner Schuhe.

Sindy Meier zeigt sich sehr beeindruckt von der Laufbandanalyse. Zuerst musste die Sportlerin barfuß auf dem Laufband in einer bestimmten Geschwindigkeit laufen, um ihren eigenen natürlichen Laufstil zu analysieren. Dann wurden die für sie in Frage kommenden Laufschuhe getestet. "Für mich als Laien war es wichtig, durch kompetente Beratung den für mich optimalen Laufschuh zu finden. Man darf sich nicht nur am schicken Aussehen orientieren und die Laufschuhe auswählen, da spielen ganz andere Kriterien eine wichtigere Rolle", stellt Sindy fest.

Dazu Experte Tobias Schubert: "Die Laufschuhe sollen schützen und stützen, aber nicht korrigierend in den Bewegungsablauf eingreifen."

Dieter Oeckl, der schon eine Reihe von Laufschuhen in seinem fast zehnjährigen Läufer leben verschlissen hat und sich daher schon etwas besser im Laufschuh-Dschungel auskennt meint: "Die Passform des Schuhs, die sich aus Schuhlänge, Schuhweite und Fersenhalt ergibt, muss optimal auf die Fußform abgestimmt sein."
Und wie lange hält so ein Trainingsschuh? Die durchschnitt liche Lebensdauer eines Laufschuhs liegt bei etwa 700 bis 1200 Kilometern. Das Dämpfungssystem hält in der Regel länger als die Stütz- und Führungssysteme und würde für etwa 1500 Kilometer ausreichen, aber ein guter Trainingsschuh lebt nicht allein von guter Dämpfung. Die Stütz- und Führungselemente eines Laufschuhs funktionieren nach 1000 bis 1200 Kilometern nicht mehr ausreichend, das Verletzungsrisiko erhöht sich massiv. Dieses Problem taucht bei starker Pronation schon viel früher auf.


Frühzeitig neue Schuhe kaufen

Wenn das Profil eines Laufschuhs vollständig abgelaufen ist, ist es schon ein bisschen spät für den Neukauf. Man sollte sich frühzeitig einen neuen Trainingsschuh zulegen, damit genügend Zeit bleibt, ihn einzulaufen. Am besten benützt man mehrere Wochen beide Schuhe parallel, so können Überlastungssymptome weitgehend vermieden werden.

Generell gilt: Es gibt nicht den besten Laufschuh. Es gibt nur einen für einen bestimmten Läufer oder eine bestimmte Läuferin geeigneten Laufschuh. Michael Kraus


Marathon-Lexikon: Gewichte Auf 1000 Meter setzt der Fuß eines Läufers zirka 600 Mal am Boden auf. Bei jedem Aufsetzen wird der Fuß etwa mit dem Dreifachen des Körpergewichts belastet. Bei einem 70 Kilogramm schweren Läufer bedeutet dies 210 Kilogramm. Während eines Marathons (42,195 Kilometer) muss ein solcher Läufer insgesamt 5300 Tonnen mit den Beinen und den Schuhen abfedern. Zum Vergleich: Die ganze Stahlkonstruktion des Eiffelturms wiegt 7300 Tonnen. mk