"Ja das mache ich, das finde ich gut", sagt Barbara Crettaz und flicht sich in den Flechtkulturlauf Obermain ein. Der, eine Erfindung des ASC-Lichtenfels, findet am 15. Juni seine dritte Auflage und zieht kontinuierlich mehr Besucher an.
Zeit also auch für eine Veränderung im Pokaldesign? Barbara Crettaz findet: ja. Derzeit arbeitet sie an einem Modell für 2014. Eine Skizze weist den Siegerpokal im kommenden Jahr als ein weit abweichendes Modell zum letzten von ihr geschaffenen Pokal aus. Stefanie Müller, Betreuerin und Koordinatorin der vom Fränkischen Tag unterstützten Laufgruppe LIFe for Run, durfte der Designerin beim Schaffensprozess kürzlich sogar über die Schulter gucken.

Bewegung gehört auch in die Branche

"Ein Weg, eine Strecke ist im Gewebe, es kann auch eine Streckenmarkierung sein", sinniert Barbara Crettaz über die Formen, die sich im künftigen Siegerpokal wiederfinden werden. Was in der Flechtskulptur zum Vorschein kommt, hat ihr Unterbewusstsein dort untergebracht. So klingt es, wenn die Designerin über ihre Skulptur spricht. Die Liebe zum Laufen teilt die ehemalige Karateka mit Stefanie Müller zwar nicht, aber das Prinzip Bewegung gilt auch in ihrer Branche. Die Lichtenfelserin insistierte darauf sogar. "Ich habe gesagt, ich mach doch keine Fabrikation." Jetzt also, wie zum Ausweis des an Bedeutung zunehmenden Flechtkulturlaufs, auch ein bald neuer Pokal. "Man bleibt ja nicht stehen", lässt sich Barbara Crettaz zitieren. Laufen ist ein Nichtstehenbleiben. Da ist sie also, die Verbindung zwischen Laufen und Kreieren.

Es riecht nach Feinstaub hier unten, so, als ob eben noch eine Säge durch ein Stück Holz fuhr. Stefanie Müller war noch nie hier. In Barbara Crettaz` Werkstatt steht auch eine Heißpresse, denn das Material, mit dem die Designerin flicht, ist plastikähnlich und erhält seine Biegsamkeit unter Hitze. Eine Skizze liegt abseits und verrät etwas von den Gedanken, die in die kommenden Siegertrophäen eingeflochten werden sollen: Über dem Sockel breitet sich ein Strahl aus, symbolisch für die breite Streuung, die der Flechtkulturlauf hat und für die unterschiedlichen Distanzen, die gelaufen werden. "Leute gehen in verschiedene Richtungen, auf verschiedene Strecken und Parcours", erklärt Barbara Crettaz und findet Stefanie Müllers Wohlwollen: "Das ist ein schöner Gedanke, ich hätte auch gerne einen (Pokal)".

Die Damen stehen vor der Heißpresse, und in dieser liegt ein Streifen, der gleich im Anschluss wie bei einem Slalom zwischen kleine Stäbe auf einem Sockel gezogen wird. Nach und nach soll über ihm durch andere Streifen Kontur entstehen. "In der Laufgruppe verbindet man auch Menschen - jeder läuft zwar für sich allein, aber eben doch in Gemeinschaft", bemerkt Stefanie Müller und liest für sich die Philosophie ihrer ASC-Laufgruppe aus dem Gebilde heraus. Zweimal, dreimal pro Woche testet diese, aus zwölf Teilnehmern bestehend, für den Fränkischen Tag Laufstrecken am Obermain. Stefanie Müllers Aufgabe dabei reicht vom Motivieren bis zur Erläuterung des gesundheitsfördernden Laufstils.

So wie Barbara Crettaz es erklärt, habe sie mit ihren Design-Siegertrophäen für die Gewinner etwas Bleibendes schaffen wollen. Und auch geschafft. Mehr noch: Der Flechtkulturlauf habe es als Einrichtung verdient, sich mit einer unverwechselbaren Trophäe auszuweisen. "So was stellt sich ein Boss auf den Schreibtisch", spielt sie auf die Teilnahme von Firmen-Laufgruppen an. Sollte ein solches Team etwa gewinnen, wäre es dem Boss ein Bedürfnis, den Pokal herzuzeigen. Und "durch Betrachtung entsteht Identifikation", schließt sie ihre Überlegung. Identifikation mit dem Flechtkulturlauf und der Flecht tradition der Heimat.