Der Typ mit dem Crocodile-Dundee-Hut kommt Cordula Warmuth merkwürdig vor. Erst recht, als sich der drahtige Kerl mit den grauen Locken kurz nach dem Startschuss am Hans-Weiß-Sportpark auch noch einen Luftballon an seine Kopfbedeckung, die tatsächlich aus Australien stammt, knoten lässt, auf dem eine schwarze "53" geschrieben steht. Und unentwegt gute Laune verströmt. Dem Wolken verhangenen Himmel über Bad Kissingen zum Trotz. Rakoczy-Lauf heißt die Herausforderung für die Laufgruppe der Saale-Zeitung. Mit Erwin Bittel als Anführer. Eine außergewöhnliche Erfahrung - nicht nur für die Arnshäuserin.

Ziel: einen Kilometer in sechs Minuten




Der 52-Jährige mit der Marathon-Bestzeit von 2:40 Stunden gibt den Rhythmus vor, ist unser Tempomat. Angepeilt ist eine Zeit von 53 Minuten für die knapp neun Kilometer. Die 1000 Meter in sechs Minuten. Ein Klacks für die geübten Läufer unserer Gruppe wie Bernadette Obermeier, die den Mittelfranken aus Neuendettelsau seit Jahren kennt. Für Ungeübte wie den Hobbykicker aus der Sportredaktion durchaus eine Zeit mit Anspruch. Aber Erwin Bittel ist ein Meister der Motivation. Macht Schnappschüsse, unterhält sich mit den Zuschauern am Streckenrand. Läuft voraus, lässt sich zurückfallen. Und analysiert so nebenbei kompetent unseren Laufstil.

Gleichmäßig Laufen ist kein Geheimnis

Ein Typ, der einen staunen lässt. Der mit zweitem Vornamen Lionheart heißt und von Beruf Versicherungsmakler ist. Und der allen Ernstes sagt, dass er keinen Ehrgeiz besitzt. Nur dann läuft, wenn er Lust dazu hat. 6:47 Minuten brauchen wir für den ersten Kilometer. Über der Zeit, aber exakt so geplant. Langsam beginnen, sich dann steigern. Wie von Erwin Bittel vorausgesagt, werden die ersten Läufer einkassiert. "Gleichmäßig Laufen ist kein Geheimnis. Man muss nur nach innen horchen." Kilometer um Kilometer geht es Richtung Norden voran, immer die Fränkische Saale im Blick. Am Gradierbau ist die Hälfte geschafft, liegt das Ziel wieder vor der Nase.

Ein besonderer Tag

"Man muss die Luft aus dem Kopf lassen. Der Kopf denkt früh ans Ziel, die Füße müssen es aber erst noch hinbekommen", sagt der Langstrecken-Spezialist, der auch ausgebildeter Lauf-Therapeut ist. Und Recht behält, dass wir weitere Hobby-Sportler hinter uns lassen, die sich zu früh zu viel zugemutet haben. "Man muss nichts machen, nur laufen. Das geht mit Erwin von ganz alleine", sagt später Moni Höchemer nach ihrem ersten offiziellen Wettkampf. Unser Team-Senior Theo Krämer hatte sein eigenes Tempo gewählt, kam mit seinen 77 Jahren nicht viel später ins Ziel als unsere Gruppe, die 55 Minuten unterwegs war. Etwas über der geplanten Zeit, aber komplett. Detlef Liehr hatte es wissen wollen und wurde nach 41 Minuten gestoppt - eine Top-Zeit für den Mitfünfziger aus unserer Laufgemeinschaft. Viel Trinken. Dehnen. Letzte Ratschläge, die dem Muskelkater vorbeugen. Ein besonderer Tag. Auch für Cordula Warmuth, die Erwin Bittel zum Abschied umarmt.

Unsere dritte Strecke: Rund um Ramsthal

Start Treffpunkt ist diesmal am Sportplatz in Ramsthal. Von dort führt uns die Strecke einmal um den malerischen Weinort herum. Mehr als ein gutes Training für den Rakoczy-Lauf zwei Tage später.

Schwierigkeit Der Schwierigkeitsgrad wird im Gegensatz zu den Vorwochen hoch geschraubt. Gleich zu Beginn wartet ein knackiger, 1,5 Kilometer langer Anstieg. Das "Gründle" geht mächtig in die Beine. Die restlichen 9,5 Kilometer der Strecke sind beherrschbar, es bleibt aber stets ein leichtes Auf und Ab. Die Läufer müssen immer arbeiten. Etwa 80 Minuten - mit kleiner Pause - haben wir für die elf Kilometer gebraucht.

Strecke Unser Laufgruppen-Mitglied Antje Höver aus Ramsthal hat die Strecke vorgeschlagen. "Hier trainiere ich jeden Sonntag." Vom Sportplatz aus geht es nach Süden in den Berg hinein und dann in Richtung "Knückelein", dem höchsten Aussichtspunkt in Ramsthal. Von dort laufen wir in Richtung Verkehrsgarten zum Alten Sportplatz, überqueren die Kreisstraße und erreichen schließlich die Weinberge im Nordwesten. "Hier ist mein Lieblings-Aussichtspunkt. Besonders schön ist es hier im Winter, wenn die Sonne reinscheint." Danach beginnt der Abstieg zum Sportplatz zurück.