Die Einstellungsprüfung für angehende Polizisten verlangt den Bewerbern einiges ab. Besonders beim Sporttest. Hat man den erst einmal geschafft, spielt Sport keine große Rolle mehr für Polizisten - könnte man zumindest meinen, doch diese Annahme ist falsch.

"Jeder Polizist, egal wie alt und wie lange er schon im Dienst ist, ist verpflichtet Sport zu machen", erklärt Robert Bock. Der Polizeihauptkommissar ist Sportübungsleiter des Coburger Einsatzzuges. Vor und während der Ausbildung wird von den angehenden Polizisten ein gewisser Fitnessstand erwartet. "Nach ihrer Ausbildung ist es an den Beamten selbst, diesen Fitnessstand zu halten. Natürlich kann man aber niemanden dazu zwingen."



Im Polizeiberuf ist eine gute Kondition unerlässlich. Um diese Fitness erhalten und sich sportlich betätigen zu können, hat jeder Polizist vier Stunden Dienstzeit im Monat zur Verfügung. Diese vier Stunden können sich die Beamten individuell einteilen. Sogar die Sportart, die sie betreiben möchten, dürfen sie selbst wählen, wobei nicht alle Sportarten zugelassen sind.

Risikosportarten verboten
"Es gibt eine breit gefächerte Liste von Sportarten, die erlaubt, zum Teil sogar gewünscht sind", erklärt Robert Bock. "Dazu gehören zum Beispiel Fußball, Schwimmen, Handball, Fitness oder Selbstverteidigung." Risikosportarten wie Klettern oder Fallschirmspringen sind den Beamten verboten. "Zumindest während der Dienstzeit", sagt Polizei-Pressesprecher Markus Reißenberger.

Nicht immer können die vier Sportstunden im Monat eingehalten werden. "Hundert Prozent planen lässt sich der Sport nicht. Es kann immer ein Einsatz dazwischen kommen. Das hat dann Priorität", sagt Robert Bock. "Wir vom Einsatzzug Coburg machen hauptsächlich Selbstverteidigung oder gehen gemeinsam Badminton spielen", berichtet er. Vor allem Badminton fördere neben der Fitness auch den Gruppenzusammenhalt. Auch Schwimmen, Laufen oder Radfahren sind beliebte Sportarten, die ab und an während der Dienstzeit trainiert werden. Dabei gehe es nicht nur um die Fitness, sondern auch um die Gesundheit, den Ausgleich und - das gilt vor allem für Selbstverteidigung - die Vorbereitung auf den Einsatz, erklärt Markus Reißenberger.

Vier Stunden Training im Monat reichten natürlich nicht aus, um für den Polizeiberuf fit zu bleiben. "Ich erwarte von meinen Mädels und Jungs, dass sie auch privat Sport treiben", sagt Robert Bock. Polizeihauptmeister Alexander Kamp zum Beispiel geht zusätzlich zum Dienstsport noch zwei bis dreimal in der Woche ins Fitness-Studio. "Außerdem fahre ich viel Fahrrad oder gehe schwimmen", erzählt Kamp.

Wichtig: Selbstverteidigung
Dass als Dienstsport häufig Selbstverteidigung oder - wie es im Fachjargon heißt - polizeilicher Einsatzsport auf dem Programm des Einsatzzuges steht, hat gleich zwei Gründe: Die Beamten halten sich zum einen fit und trainieren zum anderen unter Bocks Anleitung den Umgang mit Einsatzmitteln wie Schlagstock oder Handschellen.

"Wir üben hier Angreifer abzuwehren und zu Boden zu bringen, aber auch, wie man jemandem eine Waffe aus der Hand schlägt", beschreibt Alexander Kamp. "Damit draußen auch alles funktioniert." Bei diesen Übungen sei es - genau wie im Einsatz auch - wichtig, dem Übungspartner beziehungsweise dem zu Überführenden zu sagen, was man als nächstes tun wird. Mit Erklärungen wie "Wir fesseln Sie jetzt" oder "Als nächstes stehen wir auf" werde das Gegenüber auf die nächsten Handlungen der Polizisten vorbereitet, erläutert Robert Bock. "So kommt keine Handlung oder Bewegung überraschend für den Trainingspartner oder den zu Überführenden."

Sport gehört zum Alltag
Wie wichtig Sport bei der Polizei ist, sei auch daran zu erkennen, dass jede Dienststelle einen Sportübungsleiter hat, betont Markus Reißenberger. Robert Bock hat dieses Amt im Coburger Einsatzzug übernommen. Er wurde extra für diesen Job ausgebildet. "Wann und welcher Sport gemacht wird, muss mit mir abgesprochen werden", erklärt er. "Eigentlich trainieren wir immer Montagnachmittag für ein bis zwei Stunden."
Auch bei mehrtägigen Lehrgängen und Weiterbildungen steht Sport auf dem Stundenplan. "Dabei ist das Thema des Lehrgangs egal. Selbst bei Rechtsthemen gehört Sport zum Programm." Seit 2012 gibt es zudem den oberfränkischen Gesundheitstag der Polizei. Dabei können sich die Beamten wichtige Tipps zu gesunder Bewegung und gesunder Ernährung holen.

Als zusätzliche Motivation für die Beamten zu mehr Sport soll auch das Europäische Polizeileistungsabzeichen (ELPA) dienen. Dieses Abzeichen, das die Disziplinen Laufen, Schwimmen und Schießen beinhaltet, kann jeder Polizist einmal im Jahr ablegen. Robert Bock: "Es ist keine Pflicht, das Abzeichen zu machen, aber erwartet wird es schon."

Egal ob Fußball, Volleyball oder Handball. In Coburg werden regelmäßig Behördenturniere in den verschiedensten Sportarten veranstaltet, bei denen sich Mannschaften unterschiedlicher Coburger Betriebe und Behörden messen. Markus Reißenberger: "Auch die Polizeiinspektion Coburg ist bei solchen Sportveranstaltungen regelmäßig mit einer Mannschaft dabei."

Anforderungen an Bewerber

Test Hat man es einmal geschafft, zur Einstellungsprüfung der Bayerischen Polizei eingeladen zu werden, wartet ein umfangreicher Test. Für das endgültige Auswahlverfahren zählt jede einzelne Leistung. Es empfiehlt sich daher, sich auf alle Tests vorzubereiten.

Schriftliche Prüfung Sie besteht aus einem Sprachtest, bei dem die allgemeine Sprachbeherrschung (Rechtschreibung, Wortverständnis, Sprachgefühl, Grammatik) überprüft wird und einem Grundfähigkeitstest, der der Überprüfung von Bearbeitungsgeschwindigkeit, Verarbeitungskapazität und Gedächtnisleistung dient.

Mündliche Prüfung Im persönlichen Auswahlgespräch werden soziale Kompetenz, Belastbarkeit und Leistungsmotivation überprüft.

Gruppenaufgabe Sie dient zur Überprüfung der kommunikativen Fähigkeiten und des Kooperationsvermögens.

Sporttest Sit-ups zur Überprüfung der Kraftausdauer der Bauchmuskulatur; Springen über die Kleinbank zur Überprüfung der Sprungkraftausdauer der Beinmuskulatur und der Bewegungsschnelligkeit; Bankdrücken zur Überprüfung der Kraftausdauer der Arm-, Brust- und Schultermuskulatur; Pendellauf zur Überprüfung von Schnelligkeitsausdauer, Koordination und Beweglichkeit; Cooper-Test (Zwölf-Minuten-Lauf) zur Überprüfung der Ausdauerleistung; Schwimmen.

Ärztliche Untersuchung durch den Polizeiarzt

Kontakt Weitere Informationen gibt es bei Peter Schuhmann vom Polizeipräsidium Oberfranken unter Telefon 09561/645-117.