Es gurgelt und röchelt nicht mehr. Heute zischt es leise, wenn sich schubweise heißes Wasser auf das Kaffeepulver im Filter ergießt und Aromastoffe gelöst werden. Der unvergleichliche Duft des Filterkaffees strömt durch die Küche, während das braune Getränk in die Kanne läuft. Die neuen Filtergeräte sind immer besser geworden. "Nach wie vor sind die Filterkaffeemaschinen die am meisten verkauften im Markt", sagt André Mügge, Marketing Manager im Bereich Kaffee bei Philips.

Und Udo van Bergen, Trade Marketing Director der Groupe SEB, die Maschinen der Marken Krups, Moulinex und Rowenta herstellt, ergänzt: "Filterkaffeemaschinen waren nie ganz außerhalb des Trends." Quasi jeder habe eine zu Hause - aus gutem Grund: "Sie haben eine Party mit 50 Leuten. Bis die letzten ihren Kaffee mit den anderen Modellen bekommen haben, sind die ersten schon wieder gegangen."

Viele Filtermaschinen können inzwischen auch nur eine Tasse zubereiten. "Single5" von Melitta liefert sogar einen wärmeisolierten To-Go-Becher mit, in den eine bis drei Tassen zum Mitnehmen kommen.
Die aktuellen Maschinen sehen selten völlig anders aus als die, die vor zehn Jahren in der Küche gurgelten. Aber sie sind komfortabler geworden. Sie lassen sich mit einer Zeitschaltuhr programmieren: Tappst man morgens noch schlaftrunken in die Küche, dampft das braune Elixier schon in der Tasse.

Keine Filter, sondern auswaschbare Siebe


Mit Aromaeinstellungen wie bei "KM611T" von Krups lässt sich die Kaffeestärke beeinflussen. Manche Maschinen passen den Brühvorgang auch an eine kleinere Tassenzahl an: Bei Siemens' "sensor for senses" erkennt ein Sensor, wenn nur wenig Wasser im Tank ist und passt die Zeit an, in der es auf das Kaffeemehl trifft.

"Auch die Bedienfelder sind inzwischen sehr funktional", berichtet Hermann Hutter vom Bundesverband für den gedeckten Tisch, Hausrat und Wohnkultur (GPK). "Die Gehäuse sind verchromt und sehen damit schick aus." Außerdem bräuchten viele Maschinen keinen Filter mehr, sondern nutzten auswaschbare Siebe. "Das war vielen beim traditionellen Kaffeekochen lästig: Die Tüte knickte ein, dann hattest du den Kaffeesatz in der Tasse", sagt Nicolette Naumann, Trendanalystin und Bereichsleiterin der Messe Frankfurt für die Konsumgütermessen. Bei Philips' Modell "Advance" (ab September im Handel) kommt der Filter wie auch die Kanne einfach in die Spülmaschine.

Rowentas "Adagio" oder "Subito" von Moulinex brühen zwar bis zu zehn Tassen auf einmal - trinken muss man sie aber nicht sofort. Die Modelle mit Glaskanne haben eine Warmhalteplatte. Bis zu vier Stunden lang hält die Variante von Rowenta mit Thermoskanne den Kaffee heiß. Nach einem Test von Filterkaffeemaschinen rät die Stiftung Warentest (Zeitschrift "test", Ausgabe 12/2011) jedoch, Kaffee nicht länger als 30 Minuten warm zu halten. Er werde mit der Zeit immer saurer.

Langsamer Genuss ist zurück


Aber die 30 Minuten sind doch schon etwas, findet Naumann. "Du bereitest den Kaffee erst einmal zu, das dauert etwas. Dann setzt du dich hin und gießt dir eine Tasse ein. Vielleicht gießt du dir dann nach", beschreibt sie den langsamen Genuss.

Das sei ein weiterer Grund, warum die Geräte derzeit sogar ein kleines Revival erleben: "Wir leben nun ja ziemlich schnell - immer erreichbar, immer auf dem Laufenden, was in der Welt passiert. Da ergibt sich ein Bedürfnis nach Entschleunigung." Die stelle sich ein, wenn der Kaffee nicht in weniger als einer Minute in der Tasse dampft. "Sondern du wartest erst einmal, bis die Kanne voll ist."

Und vielleicht habe es ja auch etwas mit Traditionen zu tun, warum das Filtergetränk immer beliebt war - und seine Beliebtheit derzeit leicht wächst. "Nachdem 15 Jahre lang Kaffeetrends internationalen Einflüssen unterlegen waren, ist es zyklisch zu interpretieren: Es ist Zeit für eine Rückbesinnung", vermutet Naumann. "Eigentlich sind ja die Deutschen bekannte Kaffeetrinker. Wir haben eine sehr ausgeprägte eigene Kaffeetradition." Und inzwischen wird auch in Coffee-Shops Filterkaffee ausgeschenkt.