Sie recken die Fäuste in die Luft, tragen T-Shirts mit Aufdrucken wie "Hoolizei" und "Anti-Sharia-Team" und skandieren "Hurensöhne": Nachdem die Demo von Hooligans und Rechtsextremen in Hannover lange Zeit ereignislos vor sich hingeplätschert ist, wird die Stimmung am Nachmittag dann doch noch kurzzeitig deutlich aggressiver.

Doch Dimensionen wie in Köln, wo die Polizei vor kurzem bei einer ähnlichen Kundgebung förmlich überrannt wurde, erreicht die Demo in Hannover am Samstag beileibe nicht. Die Polizei hat dazugelernt - ihre Einsatzstrategie ist diesmal, Stärke zu zeigen und so für Ruhe zu sorgen. "Diese Strategie ist voll aufgegangen", sagt der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt. Insbesondere das Alkoholverbot habe gewirkt.

Gegendemonstranten versuchen Polizeiabsperrung zu durchbrechen

Kritisch wird es zum ersten Mal, als linke Gegendemonstranten sich den Hooligans nähern und versuchen, eine Polizeiabsperrung zu durchbrechen. Die Beamten setzen Pfefferspray ein, nach wenigen Minuten hat sich die Lage zunächst wieder beruhigt. Und die ersten Hooligans, angereist aus ganz Deutschland, verlassen gelangweilt ihren schwer bewachten Kundgebungsort hinter dem Hauptbahnhof.

Nach den schweren Ausschreitungen in Köln demonstriert die Polizei am Samstag in Hannover ihre ganze Macht. Mit scharfen Auflagen wie einem Alkoholverbot und der Durchsuchung jedes einzelnen Teilnehmers auf Waffen oder Böller erreichen die Beamten schon im Vorfeld, dass letztlich deutlich weniger Teilnehmer anreisen als erwartet - 3000 kommen, 5000 waren angemeldet gewesen. Außerdem dürfen die Demonstranten nur auf einem der hässlichsten Plätze Hannovers ihre Warnung vor dem Islamismus verkünden, auf dem komplett von der Außenwelt abgesperrten Busbahnhof.

Bei der Demo selbst demonstrieren dann Tausende Einsatzkräfte mit Wasserwerfern und schwerem Gerät die ganze Stärke des Staates - und sorgen so für Ruhe. Bis zum Nachmittag sind die Hooligans auf der einen und die linken Gegendemonstranten auf der anderen Seite weit voneinander getrennt. Erst dann stehen sich beide Lager in Sichtweite etwa 200 Meter gegenüber und beschimpfen sich gegenseitig.

Die Linksextremen verhöhnen die "Hooligans gegen Salafismus" (HoGeSa): "Ihr wart auf einem Platz, auf dem Euch niemand hört. Also vergesst doch Eure "HoGeSa"-Sache", dröhnt es aus einem Lautsprecherwagen. Die Ordner der Rechten halten ihre eigenen Leute zurück, damit sie nicht näher an die Absperrgitter rücken. Die Polizei redet beruhigend auf die Demonstranten ein, fährt dann aber auch mit ihren Wasserwerfern vor und wartet ab.

Polizei hatte alles unter Kontrolle

Wieder werden wie in Köln Polizisten angegriffen - diesmal aber nicht von den Hooligans, sondern von den linken Gegendemonstranten. "Die Beamten blieben unverletzt", heißt es von der Einsatzleitung. "Die Polizei hat alles unter Kontrolle", betont auch Dietmar Schilff vom Bundesvorstand der Gewerkschaft der Polizei, der die Demo beobachtet.

Die vorsorglich aus Zelten aufgebaute improvisierte Gefangenensammelstelle am Kundgebungsort bleibt bis zum späten Nachmittag leer. Gewerkschafter Schilff betont: "Die Polizei hat aus Köln gelernt. Die Situation dort war schlimm, besonders für die 50 verletzten Kollegen." In der Domstadt sei die Lage für die Polizei überraschend gekommen. "Da hatte man erstmals mit dem neuen Phänomen "HoGeSa" zu tun. Jetzt weiß man aber, dass die ihre Versammlungen instrumentalisieren, um Gewalt auszuüben."