Die großen Faschingsumzüge stehen vor der Tür und viele Menschen fragen sich: Wie verkleide ich mich an Fasching? Eine allgemeine Antwort kann es darauf nicht geben - schließlich sind Kostüme Geschmackssache. Aber: Es gibt definitiv ein paar Kostüme, die einfach gar nicht gehen.

Die Rede ist von Kostümen, die von vielen Menschen als rassistisch und herabwürdigend empfunden werden. Dabei geht es nicht darum, ob der sich Verkleidende es auch so meint - sondern darum, dass es die so Dargestellten empfinden. Die Diskussion wird nun in diesem Jahr geführt - endlich!

Jahrzehntelang war es offenbar keinerlei Problem, sich als "Afrikaner", "Chinese", "Indianer" oder als anderes Volk/ethnische Gruppe zu verkleiden. Was ja auch gerne als zentrales Argument vorgebracht wird.

"Das war schon immer so"

Aber: Verhaltensweisen dürfen sich ändern - ja, sie müssen von Zeit zu Zeit hinterfragt werden. Vieles, was jahrhundertelang als normal galt, ist heutzutage zu Recht verpönt oder verboten. Niemand käme auf den Gedanken, uneheliche Kinder zu beschimpfen, nur weil das vor einigen Jahrzehnten noch ein Grund war, ein Leben als Geächteter zu führen.

Ebenso darf und muss hinterfragt werden, ob es nicht an der Zeit ist, bestimmte Kostüme an Fasching wegzulassen. Etwas ist nicht allein deswegen richtig, weil wir als Mitteleuropäer gewohnt sind, dass wir uns alles erlauben können.

"Bastrock" und "lustiger Chinese" - woher kommen diese Bilder eigentlich?

Man kann nicht über Rassismus und die Darstellung anderer Kulturen und Ethnien reden, ohne über die Geschichte des Kolonialismus zu reden. Es geht einfach nicht. Wir dürfen das nicht ausblenden, nur weil es uns unangenehm ist.

Die Ausstellung von Afrikanern wie Tiere in Zoos, in "Freak Shows", war vor rund 100 Jahren eine so widerliche wie gängige Praxis. Die Lust am Exotischen, am Anderen, lebt seit damals fort. Auch in Faschingskostümen.

Was mit dem Kolonialismus einhergeht, ist - neben der Eroberung von Territorien und Rohstoffen - die Herrschaft über die Kultur der Kolonialisierten. Die neuen Herren bestimmten darüber, was die Unterdrückten tragen durften, wie sie sprechen durften und welche Traditionen sie pflegen durften.

Kulturelle Symbole sind kein Accessoire

Wenn man einfach mal in den Blick nimmt, welche Bedeutung Dinge wie traditioneller Schmuck für Menschen haben, die aus Kulturen mit einer Geschichte von Kolonialisierung kommen, wird klar, warum sie es gar nicht lustig finden, wenn andere daraus einen Faschingswitz machen.

Bis in die 70er-Jahre etwa war es Amerikanischen Ureinwohnern in den USA verboten, ihre Religion auszuüben. Auch heute dürfen sie nur selten ihren traditionellen Schmuck auf Abschlussfeiern tragen. Ist es nicht verständlich, wie unverschämt es dann ist, wenn Mitteleuropäer sich dieser Symbole bemächtigen und sie als Teil meist billigster Kostümierung tragen?

Was da gerade beim beliebten "Indianer"-Kostüm (alleine der Begriff ist falsch) an absurden Bildern vermittelt wird, spottet nicht nur jeder Beschreibung, sondern vor allem eben den Menschen, die aus den verballhornten Kulturen stammen.

"Ja, aber was ist, wenn sich andere als Deutsche verkleiden?"

Sehr beliebt ist auch das Argument, dass sich andere ja auch als alberne Karikatur eines typischen Deutschen oder Bayers verkleiden und zum Beispiel in Dirndl und Lederhose auftreten, obwohl das nicht ihrer Kultur entspricht.

Hier sollte man sich fragen, ob jemals ein Bayer daran gehindert wurde, eine traditionelle Tracht zu tragen? Wurde er unterdrückt und durfte seinen Dialekt nicht sprechen? Genau hier liegt nämlich der Unterschied. Es geht immer um Machtstrukturen: Wer kann etwa seine Trachten tragen, ohne Nachteile fürchten zu müssen?

Menschen aus Ländern mit einer Geschichte der Kolonialisierung mussten sich immer an die Gepflogenheiten ihrer Kolonialherren anpassen, um überhaupt als Menschen wahrgenommen zu werden. Wenn ihre unterdrückten Traditionen dann auch noch als billiger Witz getragen werden, über den herzlich gelacht wird, ist das nicht einmal mehr unlustig, sondern beleidigend und ja - rassistisch.

"Aber ich bin kein Rassist!"

Nein, nicht jeder, der ein rassistisches Kostüm trägt, ist deswegen gleich ein Rassist. Wir alle sind nicht frei von Prägungen, Vorurteilen und Handlungsweisen, die wir aber hinterfragen dürfen und sogar müssen.

Alle machen Fehler und können dazu lernen. Wie wäre es einfach mal, denjenigen zuzuhören, die betroffen sind? Jenen, die sich daran stören, dass sie nicht nur ganzjährig Opfer von Alltagsrassismus sowie institutionellem Rassismus werden, sondern darüber hinaus auch noch jedes Jahr verzerrte und beleidigende Karikaturen ihrer Selbst in Massen auf den Straßen herumlaufen sehen.

Das eigene Verhalten überdenken und gegebenenfalls ändern, tut vielleicht manchmal etwas weh, aber keine Sorge, das ist Wachstumsschmerz.