500-Euro-Soforthilfe für Studenten: Seit Dienstag (16. Juni 2020) können sich Studierende, die durch die Corona-Krise in Notlage geraten sind, 500 Euro vom Staat sichern. 

Einer Studie des "Deutschen Studentenwerks" zufolge haben rund zwei Drittel der Studierendenschaft ihr Studium vor der Corona-Krise durch einen Nebenjob finanziert - oftmals in Bars, Cafés oder Restaurants. Doch die Gastronomie war erst kürzlich von Lockerungen der Bayerischen Staatsregierung betroffen. Sprich: Wochenlang brach Studenten der Lebensunterhalt weg. 

Nun hat die Politik ein Hilfsprogramm verabschiedet, das Studenten finanziell unter die Arme greifen soll. inFranken.de erklärt, wie Sie es beantragen können und was dahinter steckt. 

  • Wer kann einen Antrag stellen? 

    Generell gilt: Jeder, der an einer Hochschule beziehungsweise Universität in Deutschland im aktuellen Sommersemester 2020/2021 eingeschrieben ist, kann die 500-Euro-Soforthilfe beantragen. 

  • Ab wann ist die Antragsstellung möglich?

    Der Soforthilfe-Antrag ist seit Dienstag (16. Juni 2020), 12.00 am Mittag, möglich. Die Bearbeitung der Anträge verzögert sich allerdings. Erst kürzlich erklärte Achim Meyer, Generalsekretär des "Deutschen Studentenwerks": "Wir haben jetzt das Antragstool, wir brauchen aber noch ein paar Tage, das Bearbeitungstool zu entwickeln [...]. Dann hoffen wir natürlich, auch im Juni noch auszahlen zu können."

  • Wie lange läuft das Hilfsprogramm?

    Das Soforthilfe-Paket soll von Juni bis Ende August 2020 laufen. Der Antrag muss allerdings monatlich neu gestellt werden. 

500-Euro-Soforthilfe für Studenten: Welche Hürden gibt es?

Allerdings möchte der Staat vom Antragssteller der 500-Euro-Soforthilfe zahlreiche Informationen wissen. Dabei gilt grundsätzlich: 

  • Antragssteller müssen ein gültiges Ausweisdokument sowie Kontoauszüge seit Februar beziehungsweise März 2020 vorlegen. Geschwärzt oder ausgelassen werden, darf dabei nichts. 

  • Studenten, die aktuell mehr als 500 Euro auf dem Konto haben, erhalten die Soforthilfe nicht

  • Studenten, die aktuell zwischen 100 und 500 Euro auf dem Konto haben, erhalten die Soforthilfe gestaffelt: Diese bezieht sich immer auf den fehlenden Restbetrag des aktuellen Kontostands zur 500-Euro-Grenze. 
    Als Beispiel: Student X hat aktuell 100 Euro auf dem Konto, also erhält er einen Zuschuss von 400 Euro vom Staat. 

  • Studenten, die aktuell weniger als 100 Euro auf dem Konto haben, bekommen die gesamten 500 Euro auf einmal. 

Hier geht es zum Antragsformular für die 500-Euro-Soforthilfe für Studenten.

Weitere Informationen finden Sie beim "Deutschen Studentenwerk"

Kritik an 500-Euro-Soforthilfe für Studenten

Die Maßnahme der Politik, um Studenten finanziell zu helfen, sorgt bereits für Kritik. Kai Gehring, hochschulpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, bezeichnete die 500-Euro-Soforthilfe als "Alibi-Nothilfe". 

Auch Jens Brandenburg, hochschulpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, kritisiert den Vorstoß von Bildungsministerin Karliczek: "Von einer Soforthilfe kann schon längst keine Rede mehr sein." Nikolas Gohlke, hochschulpolitischer Sprecher der Links-Fraktion, sieht das ähnlich: "Von 500 Euro pro Kopf alle monatlichen Lebenshaltungskosten zu zahlen, ist schier unmöglich." 

Die Kritik aus den Reihen der Bundespolitik griff zuletzt die "Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft" auf und forderte eine Aufstockung des Programms auf eine Milliarde Euro. "Es darf nicht dazu kommen, dass am Ende viele bedürftige Studierende mit leeren Händen dastehen. Alle Studierenden, die keinen Platz unter dem Rettungsschirm finden, sind potenzielle Studienabbrecher. Es muss verhindert werden, dass die Coronakrise einer ganzen Generation die Zukunftschancen nimmt", erklärte Andreas Keller, stellvertretender "GEW"-Vorsitzender.

Die Gewerkschaft hat für die Teilnahme an einer größeren Demonstration am Samstag (20. Juni 2020) in Berlin aufgerufen. 

Corona-Hilfe für Studenten: 58.000 Anträge 

Zehntausende Studenten haben bislang in der Corona-Krise Nothilfen beantragt. Nach Angaben des Deutschen Studentenwerks vom Donnerstag gingen 58 000 Anträge ein. Würden alle bewilligt, käme eine Summe von 24,5 Millionen Euro zusammen. Insgesamt stehen für die Monate Juni, Juli und August 100 Millionen Euro Überbrückungshilfe vom Bund zur Verfügung. Zuerst hatte der Tagesspiegel über die Zahlen berichtet.

"Wir gehen nicht von einem progressiven, linearen weiteren Verlauf der Antragsstellung aus“, sagte der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, Achim Meyer auf der Heyde, der Deutschen Presse-Agentur. "Durch die eingeleiteten Lockerungen der Corona-Pandemiemaßnahmen können Studierende möglicherweise klassische Sommersemester-Nebenjobs finden, wenn die Wirtschaft wieder anspringt."

Insgesamt sind an Hochschulen nach Angaben des Deutschen Studentenwerks 2,7 Millionen Frauen und Männer eingeschrieben, die theoretisch Anspruch auf die staatlichen Nothilfen hätten.

Studenten können je nach Kontostand 100 bis 500 Euro pro Monat bekommen. Das Geld müssen sie nicht zurückzahlen. Gezahlt wird die Hilfe für maximal drei Monate (Juni, Juli, August). Der Antrag muss jeden Monat neu gestellt werden.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hatte am Wochenende gefordert, den Hilfsfonds zu verzehnfachen. Auch Linke und Grüne warnten davor, dass das Geld nicht ausreichen könnte.

„Es lässt sich derzeit nicht wirklich sagen, ob die Summe von 100 Millionen Euro zu wenig oder zu viel ist“, betonte Meyer auf der Heyde vom Deutschen Studentenwerk. "Es lässt sich nicht eindeutig sagen, wie viele Studierende in einer akuten finanziellen Notlage sind." Zwar hatten in der Corona-Krise viele Studenten ihre Jobs verloren, etwa weil Bars und Restaurants geschlossen waren. "Aber ein Teil von ihnen hat auch wieder Jobs gefunden." Das Deutsche Studentenwerk geht zudem davon aus, dass Studenten in der Pandemie stärker von ihrer Familie unterstützt werden. "Und einige sind wohl zu ihren Eltern zurückgezogen, um Miete einzusparen."

tu/dpa