Der frühere bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein hält es generell für verständlich, dass in der CSU über einen Wechsel an der Parteispitze diskutiert werde: "Ich bin bei einem Ergebnis von 43,8 Prozent als Ministerpräsident zurückgetreten" sagte der CSU-Politiker am Freitag dem Radiosender Bayern 2. Jetzt habe die CSU in Bayern weniger als 39 Prozent erhalten. "Da ist es schon naheliegend, dass es Diskussionen gibt."

Beckstein rechnet aber nicht mit einer erneuten Personaldebatte über die politische Zukunft von CSU-Chef Horst Seehofer vor dem Parteitag Mitte November: "Nach dem Wahlergebnis haben sich alle verantwortlichen Gremien darauf geeinigt, dass während der Koalitionsverhandlungen die Personaldebatte zurückgestellt wird."

Das schlechte CSU-Ergebnis bei der Bundestagswahl hat nach Becksteins Ansicht nichts mit einem fehlenden konservativen Parteiprofil zu tun. "Wir hatten die rechte Flanke nicht offen gehabt. Aber die Frage ist, wieweit die Menschen uns geglaubt haben, dass wir die Obergrenze tatsächlich auch durchsetzen", sagte der CSU-Politiker. Er widersprach damit - wie zuvor bereits Parteikollege Peter Gauweiler - der Analyse der CSU-Spitze für das Wahlergebnis. Nach der Bundestagswahl hatte Seehofer gefordert, die Union müsse ihre "rechte Flanke" schließen.

Ein Rechtsruck könne nicht die richtige Strategie für die Zukunft sein, sagte Beckstein. Stattdessen attestierte er der CSU ein Glaubwürdigkeitsproblem: "Das war eine Frage des Vertrauens. Und nicht die Frage, ob wir weit genug rechts waren."

Der frühere Parteivize Peter Gauweiler hatte die CSU aufgefordert, noch vor dem Eintritt in Koalitionsverhandlungen die Führungsfrage zu klären. Koalitionsverhandlungen seien nicht dazu da, das Ende eines Parteichefs hinauszuschieben. "Horst, es ist Zeit", sagte Gauweiler unter Verweis auf ein Rilke-Gedicht. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer warf Gauweiler daraufhin vor, eine "vorsätzliche Schwächung seiner Partei" zu betreiben.

CSU-Chef Horst Seehofer hat Gauweilers Rücktrittsforderung als belanglos zurückgewiesen. "Wissen Sie, ... wir kennen den Peter Gauweiler. Sein Handeln erschließt sich von selbst. Es bedarf keines Kommentars", sagte Seehofer am Freitag am Rande einer BMW-Veranstaltung in München.

Die CSU war bei der Bundestagswahl auf 38,8 Prozent abgestürzt, mehr als zehn Prozentpunkte weniger als 2013. Über mögliche personelle Konsequenzen soll nach bisheriger Planung erst auf dem Parteitag im November entschieden werden. Seehofer peilt nach aktuellem Stand auf dem Parteitag eine Wiederwahl als CSU-Chef an und 2018 eine Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl.