"So schlimm war es noch nie." Michael Jung, Geschäftsführer des Klinikums in Lichtenfels, bestätigt den Notruf der Krankenhäuser im Raum Nürnberg und Fürth vom Freitag. Übervolle Notaufnahmen, Krankenhäuser, die sich deshalb bei den Rettungsleitstellen abmelden - in diesen Tagen ganz normal. Weil in den Notaufnahmen Notstand herrscht. In Würzburg seit Wochen. Hier sind die internistischen Stationen zu 100 Prozent ausgelastet, so Christoph Reiners, der Ärztliche Direktor der Uniklinik. In der Notaufnahme komme es immer wieder zu Engpässen, weil nicht genügend Kabinen für die mobilen Liegen zur Behandlung der Patienten zur Verfügung stünden. Übergangsweise müssten die Patienten auf Gängen untergebracht werden.

Wegen Überlastung musste sich die Uniklinik für die internistische Notversorgung zeitweise bei der Rettungsleitstelle abmelden. In der missionsärztlichen Klinik in Würzburg sieht es nicht besser aus. Würzburg ist in Unterfranken kein Einzelfall. Mehr Patienten als Betten plus der Ausfall von Personal sorgten auch in der Capio Franz von Prümmer-Klinik von Bad Brückenau dafür, dass dort übers Wochenende keine Notfallpatienten aufgenommen werden konnten. Mitarbeiter des Roten Kreuzes berichteten, dass sie zuletzt in der Region Miltenberg-Aschaffenburg 50 Kilometer und mehr fahren mussten, um einen Notfallpatienten unterzubringen.


Grippewelle und Noroviren

Woher rührt der Notstand? "Die Situation ist eigentlich in jedem Jahr von Januar bis März angespannt", erklärt Michael Jung. Da komme es jahreszeitlich bedingt zu einer Menge an Infektionen. Die Grippewelle und Noroviren verschärften in diesem Jahr die Situation. Und: Viele Patienten gingen oft nur wegen eines Schnupfens lieber gleich ins Krankenhaus statt zu einem Facharzt. Siegfried Hasenbein, Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft, wird deutlich. Bundesweit kämen jährlich rund 20 Millionen Menschen in die Notaufnahme eines Krankenhauses. "Die Hälfte davon gehört dort nicht hin." Verschärft würde die Situation auch durch die unzureichende Finanzierung sowie Engpässe beim Personal.

Was heißt Überlastung der Notaufnahme? Im Bamberger Klinikum werden derzeit in 41 Zimmern 45 Infektionspatienten behandelt. Natürlich isoliert, um andere Patienten nicht anzustecken. Wegen des Andrangs müssen 24 Patienten derzeit mit einem Bett auf dem Flur vorlieb nehmen. Auch in der interdisziplinären Notaufnahme ist derzeit sehr viel los. Behandelt wird nach Auskunft von Oberarzt Michael Hille "vom Schlaganfall, Herzinfarkt, Verkehrsunfall bis zu Influenza und Norovirus einfach alles." Entsprechend lang sind die Wartezeiten. Nicht nur in Bamberg, auch in Bayreuth. Dort müssten die Patienten, je nach Dringlichkeit ihrer Beschwerden, bis zu mehrere Stunden Wartezeit in Kauf nehmen, so Florian Knorr, ärztlicher Leiter der Notaufnahme im Klinikum Bayreuth. Immerhin: Abgewiesen wurde hier noch niemand.

Auch nicht an der Erlanger Uniklinik, wie eine Sprecherin bestätigte. Aber: Auch hier wird es in der internistischen Notaufnahme eng. Das heißt: So mancher Patient liegt auf dem Gang.