«Da sich eine für die Verhaltungskontrolle wichtige Hirnregion, der präfrontale Kortex, erst sehr spät voll entwickelt, ist faires Teilen noch im Grundschulalter leicht gesagt, doch schwer getan», hieß es. Die Forscher um Nikolaus Steinbeis veröffentlichten ihre Studie im amerikanischen Fachjournal «Neuron».

Die Wissenschaftler baten 174 Schulkinder zwischen 6 und 13 Jahren zu zwei aus der Spieltheorie bekannten Experimenten: dem Diktator- und dem Ultimatumspiel. Bei beiden muss geteilt werden. Im Diktatorspiel kann der Empfänger nur passiv annehmen, was ihm gegeben wird. Beim Ultimatumspiel kann er ablehnen, wenn ihm das Angebot nicht passt. Dann allerdings fällt für beide Beteiligte eine Belohnung weg. «Uns interessierte, ob die Kinder fairer teilen würden, wenn ihr Gegenüber das Angebot ablehnen konnte und inwiefern solche strategischen Anpassungen des Verhaltens von Alter und Gehirnentwicklung abhängig sind», erklärte Steinbeis.

Tatsächlich machten die älteren Kinder beim Ultimatumspiel fairere Angebote, während die jüngeren Kinder zwischen den Situationen kaum Unterschiede machten. Messungen der Hirnaktivität brachten dann weitere wichtige Erkenntnisse: Je älter die Kinder waren, desto stärker wurde der laterale präfrontale Kortex aktiv. Er reift erst spät in der Kindesentwicklung voll heran. Dass Kinder selbst dann nicht fair teilen, wenn es strategisch klug wäre, hat nach Ansicht der Forscher demnach nichts mit mangelndem Verständnis zu tun, sondern erklärt sich aus der späten Entwicklung einer Gehirnregion, die für die Impulskontrolle wichtig ist.

Laut MPI könnten die neuen Befunde wichtig für die Pädagogik sein - etwa wenn es darum geht, pädagogische Strategien zur Förderung eines sozialverträglichen Verhaltens von Kindern zu entwickeln.