Rund 700 Menschen seien frühmorgens aus ihren Häusern geholt und in Sicherheit gebracht worden, teilte die Regierung der Balearen mit. Auf Rhodos zerstörte ein Feuer im Süden der Insel nach amtlichen Angaben sogar 4000 bis 5000 Hektar Wald. Verletzte oder beschädigte Häuser wurden vorerst nicht gemeldet.

Unter den Menschen, die in Estellencs schon in der Nacht ab 04.30 Uhr geweckt wurden, seien auch zahlreiche Deutsche, hieß es in Palma auf Anfrage. Am Sonntag bekämpften auf Mallorca rund 370 Angehörige der Feuerwehr, des Zivilschutzes und der Militärischen Nothilfeeinheit UME unter Einsatz von 26 Flugzeugen und Hubschraubern die Flammen.

Die Behörden schätzten, der Brand habe die Rekordfläche von mehr als 2000 Hektar Wald vernichtet. Das bislang verheerendste Feuer auf Mallorca wurde 1992 registriert, als im östlichen Gebiet um Artà 1960 Hektar den Flammen zum Opfer fielen.

Das am Freitagmittag ausgebrochene Feuer hatte Hunderte Menschen in Panik versetzt. Vor der Evakuierung von Estellencs waren mehr als 40 Häuser geräumt worden. Nach Angaben der Onlineausgabe der «Mallorca Zeitung» war unter den Menschen, die von den Rettungsdiensten in Sicherheit gebracht werden mussten, auch ein älteres deutsches Paar, dessen Anwesen von den Flammen eingeschlossen war.

Das Feuer im Gebiet in der Nähe von Andratx und Estellencs war auch am Sonntagnachmittag noch außer Kontrolle. Neben der Hitze behinderte starker Wind nach Angaben der Behörden die Löscharbeiten. Bei Jahresrekord-Temperaturen, die 40 Grad im Schatten erreichten, war der schwarzgraue Rauch kilometerweit zu sehen.

Auf der griechischen Insel Rhodos war das Feuer am Samstag in der Nähe des Ortes Istrios ausgebrochen und weitete sich dann deutlich aus. Den Behörden zufolge loderte die Feuerfront am Sonntag auf einer Breite von 30 Kilometern. Um mehrere Ortschaften wurden vorsorglich Brandschneisen geschlagen.

Über die Gemeindebezirke Lindos und den Süd-Rhodos wurde der Notstand ausgerufen, berichteten griechische Medien. Zeitweilig waren mehrere Dörfer bedroht, ein Ort wurde evakuiert. Seit der Nacht zum Sonntag wurden die Feuerwehrkräfte der Insel von Mannschaften vom Festland unterstützt. «Das einzig Erfreuliche an dieser Tragödie auf Rhodos ist, dass der Wind sich kurz nach 22.00 Uhr gelegt hat», wurde der Gouverneur der Region Südägäis, Jannis Machäridis, in der Online-Ausgabe der Zeitung «Ta Nea» zitiert.

Am Samstag brannte es auch auf Kreta. Ein Großfeuer in der Nähe des minoischen Palastes von Phaistos im Süden der Insel vernichtete nach Medienberichten eine große Fläche Buschland, aber auch Gewächshäuser und Anbauflächen. Der minoische Palast, nach Knossos die bedeutendste Ausgrabungsstätte der Insel, sei aber nicht bedroht gewesen, meldete der griechische Rundfunk.

Im Radio beschwerte sich die Bürgermeisterin der Kommune Phaistos (Festos), Maria Patrakogiorgi-Anyfantaki, ein Löschhubschrauber sei erst vier Stunden nach dem Feueralarm eingetroffen. Das Feuer konnte am Sonntagmorgen teilweise unter Kontrolle gebracht werden.