Der geständige Mann hatte im November 1987 die neunjährige Grundschülerin auf ihrem Weg zur Schule abgefangen und nach einer Vergewaltigung ermordet. Das Sexualdelikt ist - im Gegensatz zum Mord - inzwischen verjährt.

Erst aufgrund von Fortschritten bei der DNA-Analyse konnte der Täter im vergangenen Jahr ermittelt werden. Weil der Angeklagte zur Tatzeit 19 Jahre alt war, wurde er nach dem Jugendstrafrecht von 1987 verurteilt. Staatsanwaltschaft und Nebenklage hatten acht Jahre, die Verteidigung sechseinhalb Jahre Haft gefordert.

Der Angeklagte machte zum Zeitpunkt der Tat eine Lehre als Brückenbauer, war fast die ganze Woche über auf Montage. Nur Freitags war er in Osnabrück, er musste zur Berufsschule. Christina war mit ihren Freunden auf dem Weg zur Grundschule. Als ihre Schulkameraden auf eine Freundin warteten, ging sie allein weiter. Nur ein paar Meter weiter traf sie ihren Peiniger und Mörder. «Christina war ein Zufallsopfer», stellte Richter Franz-Michael Holling fest.

Schon kurz nach der Tat gab Hinweise auf den damals 19-Jährigen. Hieb- und stichfeste Beweise gegen ihn waren Ende der achtziger Jahre aber nicht zu finden.

«Es war eine zutiefst sinnlose und unerklärliche Tat», sagte Holling. Für den Angeklagten spreche, dass er die Tat im Gerichtssaal gestanden habe. Zweifel an seiner Täterschaft haben die Richter nicht. «Er hat Täterwissen offenbart», sagte Holling. So sei das Geständnis das wichtigste Beweismittel gewesen.

Das Motiv bleibe im Dunkeln. Das Gericht hielt dem Mann zugute, dass er nach dem Tod der Mutter bei Pflegefamilien und Jugendhilfeeinrichtungen aufwuchs. Er habe sich ungeliebt gefühlt, habe Schwierigkeiten gehabt, mit seinen Gefühlen umzugehen. Psychische Probleme mit seiner Sexualität seien hinzugekommen.

Der Angeklagte habe damals oft einen dumpfen inneren Drang verspürt, sagte der Richter. So auch am Morgen der Tat, als der Mann beim Joggen auf Christina trifft. Das Gericht erkannte auf Mord, nicht auf Totschlag. Dazu sei der Täter zu brutal gewesen. «Der Vernichtungswille ist offenkundig», sagte Holling. Gutachtern zufolge war der Mann zur Tatzeit voll zurechnungsfähig.

«Die Zeit heilt nicht alle Wunden», sagte der Richter in Richtung des als Nebenklägers auftretenden Vaters. Er und die Mutter, die auf eine Nebenklage verzichtet hatte, hätten sich immer wieder die Fragen gestellt: «Warum musste das passieren? Warum gerade unser Kind?»

In der Verhandlung hatte der Angeklagte Christinas Eltern um Entschuldigung gebeten. Der Vater habe sich das angehört, sagte dessen Anwalt. «Aber eine Absolution erteilt er nicht.»