Es ist das Ende des hochfliegenden Techniktraums. Der Frachter «Industrial Dart» hat am Dienstag einen Flugzeug-Oldtimer der Lufthansa aus den USA nach Bremen gebracht.

Gut 60 Jahre alt ist diese Lockheed L-1649A Super Star, sie war seinerzeit das eleganteste propellergetriebene Passagierflugzeug. Nun ist sie zerlegt in Rumpf, Tragflächen, Motoren und andere Teile. Sie sollen am Mittwoch ausgeladen werden.

Zehn Jahre, von 2008 bis 2018, hat die Lufthansa-Technik in Auburn im US-Bundesstaat Maine versucht, die Maschine zu restaurieren und mit moderner Navigationstechnik auszustatten. Retroflüge der Luxusklasse wollte die Airline anbieten. Jetzt droht der einstigen Königin der Lüfte ein Exil von ungewisser Dauer in einem Lager im Bremer Hafen.

«Zu aufwendig und komplex» seien die Wiederherstellung und ein möglicher Betrieb des Flugzeugs, von einer kommerziellen Nutzung ganz zu schweigen, befand der Lufthansa-Vorstand 2018. So bleibt wohl nur der Weg ins Museum. «Derzeit werden erste Überlegungen für ein Ausstellungskonzept entwickelt. Diese sind aktuell allerdings noch nicht entscheidungsreif», teilt die Lufthansa auf Anfrage mit.

«Es ist schon eine gewisse Bitternis dabei», sagt Wolfgang Servay von der Deutsche Lufthansa Berlin Stiftung zum Ende des Projekts. Die Stiftung ist offiziell Eigentümerin des Flugzeugs. Über die Jahre haben die Lufthanseaten viel Herzblut in die Restaurierung gesteckt - und auch viel Geld. Zu den Kosten werden keine Angaben gemacht. In der Luftfahrtfachpresse kursieren Zahlen von mehr als 100 Millionen Euro.

Die Super Star war für die Lufthansa auch nicht irgendein Flugzeug, sondern Ende der 1950er Jahre das Flaggschiff ihrer Flüge über den Atlantik. Nur 44 Stück wurden von dieser größten Version der Lockheed Constellation gebaut. Mit dem markanten dreiflügeligen Heck galt die Super Star als schönstes Flugzeug der Welt. Sie beförderte 40 bis 90 Passagiere bequem über den Ozean.

Vier Kolbenmotoren trugen die Maschine bis zu 8700 Kilometer weit. Allerdings waren die Motoren so hochgezüchtet und störanfällig, dass Kenner die Super Star auch als «bestes dreimotoriges Flugzeug der Welt» verspotteten. Nach diesem Höhe- und Endpunkt der Entwicklung begann das Zeitalter der Düsenjets im Passagierverkehr.

Die Restaurierung war «selbst für eine große Luftfahrtgesellschaft zu komplex», sagt Servay rückblickend. Ursprünglich hatte die Lufthansa drei ausrangierte Super Star gekauft, um aus den Teilen eine flugfähige Maschine zusammenzusetzen.

Doch der Optimismus wurde strapaziert, je mehr sich in Auburn die Probleme häuften. «Hätten wir gewusst, was da auf uns zukommt, hätten wir die Finger davon gelassen», wurde der ehemalige Lufthansa-Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber einmal zitiert. Unter ihm hatte das Abenteuer begonnen.

Viele Teile waren korrodiert, erwiesen sich als untauglich und mussten mühsam nachgebaut werden. So bekam der alte Rumpf neue Türen. Aber jedes neue Teil brauchte eine Zulassung der US-Luftfahrtbehörde FAA. Und selbst wenn die Behörde nicht das Hauptproblem war, wie Servay sagt, und auch nicht die Nachrüstung mit modernen Navigationssystemen, so scheiterte man letztlich an der «Gesamtkomplexität des Projekts».

Ähnlich sieht es der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt. «Je mehr man hinguckte, desto mehr musste man an dem Vogel machen», sagt er der Deutschen Presse-Agentur. «Das ist ein bisschen so, als ob man ein altes Haus kauft.» Trotzdem rechnet er es der Lufthansa hoch an, es mit dem Traum vom Oldtimer-Fliegen versucht zu haben. «Das ist ein Verdienst in einer Zeit, in der die Luftfahrtbranche extrem zahlengetrieben ist.»

So ganz legen sich die Lufthanseaten auch jetzt nicht fest, dass die Super Star nie wieder fliegen wird. Aber Experte Großbongardt hält das für ausgeschlossen. Die Entscheidung sei mit dem Abtrennen der Tragflächen gefallen. «Der Tragflächenanschluss ist zentral für die Statik eines Flugzeugs», sagte er.

In der Bremer Lagerhalle bekommt die Super Star Gesellschaft von einem anderen Oldtimer, den die Lufthansa ebenfalls aus dem Flugbetrieb genommen hat, einer Junkers Ju 52 von 1936. Bevor sie ins Museum kommen, können die zwei Ikonen der Luftfahrt einander etwas erzählen: von Flügen über den Atlantik oder über die Hamburger Außenalster oder von Auftritten bei US-Flugshows.