Der 29 Jahre alte Zeitungsbote ist wegen schwerer Brandstiftung, Körperverletzung und Sachbeschädigung angeklagt.

Bei ersten Verhören hatte der Zeitungsausträger die Taten gestanden. Nach Angaben des Sprechers der Staatsanwaltschaft hatte der Angeklagte «Abneigung gegen Schwaben und eine allgemeine Lebensunzufriedenheit» als Motiv genannt.

Vom 15. Juli bis zu seiner Festnahme am 19. August soll der Mann in zehn Fällen Kinderwagen und eine Bananenkiste in Hausfluren von Mietshäusern angezündet haben. Nach Angaben der Justiz verletzten Rauchgas und Hitze dabei vier Menschen. In einigen Fällen entstand ein erheblicher Brandschaden.

Im Szeneviertel Prenzlauer Berg, einem der lebhaftesten Kieze der Hauptstadt, waren immer wieder Kinderwagen in Mietshäusern angezündet worden. Es wird vermutet, dass die Anschläge sich zielgerichtet gegen zugezogene und wohlhabende junge Menschen richten.

Wegen der Luxussanierung ganzer Straßenzüge fühlen sich alteingesessene Berliner verdrängt. Mit Parolen wie «Schwaben in Prenzlauer Berg - spießig und ohne Sinn für die Berliner Kultur» machen die Gegner der Umstrukturierung ihrem Zorn Luft.

Der Zeitungsbote wohnte im vergleichsweise armen Berlin-Neukölln. In seinem Heimatbezirk hatte es auch mehrfach gebrannt. Bei einem katastrophalen Feuer in der Sonnenallee starben im März 2011 drei Menschen. Der 29-Jährige hat ein Alibi für diesen Tag.

Dies Woche werden vier weitere Prozesse gegen mutmaßliche Brandstifter eröffnet. Ein 29-Jähriger soll in fünf Hausfluren im Stadtteil Wedding Feuer gelegt haben. Zwei Männer im Alter von 24 und 31 Jahren sollen ihre jeweiligen Wohnungen in Berlin-Neukölln in Brand gesetzt haben. Beide gelten als schuldunfähig.

Außerdem wird gegen eine 38-Jährige verhandelt, die offenbar aus Rache versucht haben soll, zwei Mietshäuser in Berlin-Wedding in Brand zu setzen. Dort hatten ihr ehemaliger Lebensgefährte und dessen Eltern gewohnt.