Neben Medikamenten, Infusionen und Desinfektionsmitteln solle die Maschine vor allem Schutzausrüstung für die Menschen nach Liberia bringen, sagte Humedica-Geschäftsführer Wolfgang Groß vor dem Abflug. Nach seinen Angaben hat die Hilfsorganisation das Material teils gekauft, teils handelt es sich um Spenden.

«Es geht uns vor allem um Aufklärung», sagte Groß. Noch immer sei vielen Menschen in Liberia die Gefahr durch Ebola nicht bewusst. «Da reicht schon eine Berührung ohne Schutzkleidung, um sich zu infizieren.» Groß verwies auch auf die gesellschaftliche Dimension des Problems: «Die Leute können keine Beziehung mehr führen, weil sie Angst haben, den Gegenüber zu berühren.»

Humedica-Koordinator Raphael Marcus und Ärztin Sabine Kirchner fliegen mit nach Liberia. «Ich werde vor allem liberianisches Personal schulen und Ebola-Patienten nicht direkt selbst behandeln», sagte Kirchner vor dem Abflug. Angst, sich selbst mit dem Virus zu infizieren, habe sie nicht. «Aber ein bisschen Bammel spürt man bei so einem Einsatz natürlich schon.»

Der zunächst für den Mittag geplante Start des Flugzeugs hatte sich bis zum frühen Abend verzögert, weil die aus Belgien kommende Maschine erst gegen 14.30 Uhr in München gelandet war. Auch das Verladen der rund 35 Paletten mit Hilfsgütern erwies sich als aufwendiger als gedacht und zog sich über mehrere Stunden hin. «Wir mussten zwei Paletten umpacken», erklärte ein Flughafen-Mitarbeiter. Um 19.10 Uhr hob die Maschine dann ab.

Das Beladen des Flugzeugs beobachtete auch die Botschafterin Liberias in Deutschland, Ethel Davis. «Das ist ein sehr emotionaler Moment für mich», sagte sie. Davis rief dazu auf, gemeinsam gegen das Virus zu kämpfen. «Die ganze Welt muss zusammen stehen, um Ebola auszulöschen.»

Dem bislang schwersten Ebola-Ausbruch, der vor sechs Monaten erkannt worden war, sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits mehr als 3000 Menschen zum Opfer gefallen. Die Zahl der Infizierten stieg auf mehr als 6500. Die WHO rechnet aber mit einer hohen Dunkelziffer, da viele Menschen in abgelegenen Gegenden sterben, ohne dass diese Todesfälle registriert werden.