Das Telefon sei bereits in der Entwicklung gewesen, als Microsoft Anfang September zum Kauf von Nokia ansetzte, hieß es unter Berufung auf informierte Personen.

Unklar ist, ob es sich beim ersten Android-Smartphone von Nokia nur um ein Experiment oder einen strategischen Schritt im Kampf um den Markt für günstige Smartphones handeln würde. Bisher lautete der Plan, auch in Schwellenländern Computer-Telefone mit dem Microsoft-System Windows Phone günstiger anzubieten. Allerdings läuft die Windows-Software bisher nur auf bestimmten leistungsstarken Prozessoren, was den Spielraum für Preissenkungen einengt. Dabei kommt das Wachstum im Smartphone-Geschäft derzeit vor allem aus den Schwellenländern, wo meist günstige Geräte gefragt sind.

Nach Informationen der Zeitung werden auf dem Android-Modell Dienste von Nokia vorinstalliert sein, unter anderem bei Karten, Musik und Apps. Das dürfte darauf hinweisen, dass Nokia die Möglichkeit nutzt, eine abgenabelte Android-Version ohne Google-Dienste einzusetzen. Das macht zum Beispiel auch der Handelsriese Amazon bei seinen Kindle-Tablets. Bei so einer Lösung würde Nokia Android einsetzen, ohne dass die Nutzer dabei an das Google-Universum gebunden würden. Nokia kommentierte den Bericht am Dienstag nicht.

Über ein Android-Telefon von Nokia wurde bereits seit einiger Zeit spekuliert, so gab es schon seit November immer wieder Bilder des angeblichen Geräts im Internet.

Nokia hatte sich Anfang 2011 für Microsofts Windows Phone als nächste Smartphone-Plattform entschieden und dafür die eigenen Betriebssysteme aufgegeben. Google hatte damals versucht, den Handy-Riesen ins Android-Boot zu holen. Doch der von Microsoft gekommene Nokia-Chef Stephen Elop sah bessere Möglichkeiten, sich mit Windows von den anderen Herstellern abzuheben. Drei Jahre später rangieren Nokia und Microsoft nach wie vor bei einstelligen Marktanteilen, während Android nach jüngsten Zahlen auf rund 80 Prozent der zuletzt verkauften Smartphones lief.

Nokia ist nach wie vor recht stark in Entwicklungsländern mit seinen einfachen Handys, doch auch diese werden nach und nach durch günstige Smartphones ersetzt. Microsoft ist zwar ein erbitterter Google-Rivale, profitiert aber auch finanziell vom Android-Aufstieg: Die großen Hersteller zahlen Patent-Gebühren an den Software-Konzern.