Jetzt suchen ihn die Behörden von Belize im Zusammenhang mit dem Mord an seinem Nachbarn. McAfee beteuert, nichts mit dem Tod zu tun zu haben. Wie landet ein bekannter Software-Millionär in einer undurchsichtigen Geschichte um Mord, Sex und Gewalt?

Fest steht, dass der Lebensweg von McAfee kein besonders gerader war. Er wuchs in einem zerrütteten Haushalt auf, mit einem gewalttätigen Vater, der sich das Leben nahm, als er 15 Jahre alt war, wie McAfee einem Reporter des Magazins «Wired» berichtete. Als Jugendlicher verkaufte McAfee mit einem Trick Zeitungs-Abos an der Türschwelle: Er behauptete, das Abonnement sei gratis - und holte die Kosten über eine angebliche Versand- und Bearbeitungsgebühr wieder herein. Bis 1983 konsumierte er große Mengen Kokain und Alkohol, seitdem ist er nach eigenen Angaben trocken.

Als McAfee später seine Antiviren-Software verkaufte, war er dafür bekannt, stets die große Alarmglocke zu schlagen. Legendär ist die Geschichte vom Virus Michelangelo vor 20 Jahren. McAfee wurde damals in einem Medienbericht mit der Prognose zitiert, bis zu fünf Millionen Computer könnten dem Schad-Programm zum Opfer fallen. Am Ende wurden nur einige tausend Infektionen gemeldet, McAfee erklärte, er sei falsch zitiert worden - aber seine Firma verkaufte in dem Jahr sieben Millionen Software-Pakete.

Nachdem McAfees Unternehmen in den 1990er Jahren an die Börse ging, nutzte er die Gelegenheit zum Ausstieg. Sein Vermögen wurde zeitweise auf mehr als 100 Millionen Dollar geschätzt. Wie hoch es heute ist, weiß man nicht. Einige Jahre lebte er das bürgerliche Leben eines angesehenen Software-Pioniers, bis ihm die Reichtümer wie Haus und Flugzeug zur Belastung wurden, wie er der «Wired» erzählte. Also zog es McAfee in das kleine mittelamerikanische Land Belize, in dem es Armut, Gewalt und Gangs gibt.

Dort wirbelte er viel Staub auf. Er baute sich ein bewachtes Anwesen im Urwald auf, versuchte, mit Waffengewalt für Ordnung im benachbarten Dorf zu sorgen und ließ in einem Privatlabor nach einem neuartigen pflanzlichen Antibiotikum forschen. Die Behörden schlossen auch eine Drogenproduktion nicht aus und schlugen bereits im Frühjahr mit einer Razzia zu. Drogen fanden sie nicht, hoben aber jede Menge unerlaubt gehaltener Waffen aus.