Eine Pflugbreite zu viel- und schon gibt's für die Bauern Abzug bei Prämien oder Zulagen. Macht da der Job überhaupt noch Spaß? Der Nebenerwerbslandwirt Erwin Adelhardt aus Huppendorf im Landkreis Bamberg bejaht die Frage. Obwohl ihn die Mitarbeiter des Landwirtschaftsamts via Satellit überwachen können. Dank GPS genau wissen, was er auf jedem Quadratmeter seiner Felder anbaut. Adelhardt bewirtschaftet im Nebenerwerb 16,2 Hektar Ackerland. Dazu kommen noch mal 1,2 Hektar Grünland und zehn Hektar Wald. Eine Menge Holz für einen Nebenerwerbslandwirt.

Tagsüber arbeitet der Huppendorfer hauptberuflich als Werkzeugmacher. Wenn er gegen 16 Uhr nach Hause kommt, wird schnell ein Kaffee getrunken, dann geht's entweder auf die Felder, in den Wald oder an den Schreibtisch. Bis elf Uhr abends, wenn nötig.

Der 50-Jährige ist die Doppelbelastung gewöhnt. Seit 30 Jahren macht er nichts anderes.
Dieter Heberlein vom bayerischen Bauernverband weist darauf hin, dass noch vor 30 Jahren Betriebe wie der von Erwin Adelhardt im Vollerwerb geführt werden konnten. Die Zeiten seien längst vorbei. Um wirtschaftlich arbeiten zu können, seien inzwischen Spezialisierung und größere Betriebseinheiten notwendig.
Mit der Wirtschaftlichkeit ist das so eine Sache. Weiß natürlich auch Adelhardt. Bis 1993 hätten sie Kühe und Schweine gehalten, ab 1994 nur noch Zuchtsauen, erzählt er. Bis er dank einer einfachen Einnahmen- und Ausgabenrechnung gemerkt habe, dass er nur noch draufzahlt. Seit einem guten Jahr hat er deshalb die Tierhaltung völlig aufgegeben.

"Praktisch umsonst arbeiten, das wollte ich mir nicht antun," bekennt Adelhardt. Heute hält er gerade noch 18 Hühner für den Eigenbedarf. Und trotz des bürokratischen Aufwands - in diesen Tagen muss ein Agrardieselantrag gestellt werden, bis Ende März soll die Nährstoffbilanz fertig sein, danach folgt der Hauptförderantrag plus die lückenlose Protokollierung der ab Frühjahr vorzunehmenden einzelnen Arbeitsschritte - trotz aller Bürokratie und Vorschriften denkt Adelhardt nicht daran, aufzuhören. Auch wenn er seit 30 Jahren nie länger als zwei Tage seinen Hof verlassen konnte, jeden Sonntagnachmittag am Schreibtisch sitzen muss. Der Huppendorfer lässt sich auch durch die Satellitenüberwachung seiner Felder nicht schrecken. Andere schon, weiß Michael Bienlein, BBV-Sprecher für die Nebenerwerbslandwirte auf bayerischer Ebene. Seit 29 Jahren ist er als hauptamtlicher Betriebshelfer tätig. 90 Prozent der Betriebe, bei denen er mal ausgeholfen habe, existierten inzwischen nicht mehr.


45 500 Nebenerwerbslandwirte gebe es noch in Bayern. Wobei der Anteil der Nebenerwerbsbetriebe in Franken aufgrund der Realteilung besonders hoch sei, so Heberlein. Tendenziell sei die Zahl der Betriebe aber rückläufig. Etwa zwei Prozent der Betriebe würden jährlich aufgeben.
Auch bei Erwin Adelhardt ist das Betriebsende absehbar. Von den beiden Söhnen hat keiner Lust, den Hof einmal zu übernehmen.

Die Doppelbelastung, kein Urlaub - "das Vorbild des Vaters schreckt die Jugend eher ab", so Erwin Adelhardts ein klein wenig trauriges Resümee.