Den Kopf in die Waschschüssel gepresst, ein Kissen auf den Mund gedrückt und eine Gabel in den Anus seines Mithäftlings gerammt. Die Berichte über Gewalt in Gefängnissen reißen nicht ab. Im Fall eines 19-jährigen Täters in der Justizvollzugsanstalt Ulm wurde dessen Haftstrafe nun um acht Jahre verlängert.

Das Landgericht Ulm sah die Vorwürfe der besonders schweren Vergewaltigung sowie der schweren Körperverletzung und der Nötigung in mehreren Fällen als erwiesen an. Das Strafmaß stimmte damit weitgehend mit dem Antrag der Staatsanwaltschaft überein, die acht Jahre und sechs Monate gefordert hatte.

Gewalt im Gefängnis Ulm: Acht Jahre Haft zusätzlich

Eine Jugendstrafe von unter sechs Jahren, wie sie die Verteidigung forderte, lehnte das Gericht ab. Es sei nicht zu erkennen, wie eine geringere Strafe dem jungen Mann besser zur Einsicht verhelfen könnte, als eine nach den Vorgaben des Erwachsenenstrafrechts - und zwar ungeachtet der problematischen Kindheit des Angeklagten, begründete das Landgericht Ulm die Entscheidung.

Das Gericht versuchte dem 19-jährigen Täter die gravierenden Folgen seiner Folter klar zu machen. Denn als die aus massivem Kunststoff bestehende Gabel in den After des Opfers gerammt worden sei, habe die Spitze den Darm perforiert. Folge war eine lebensbedrohliche Bauchfellentzündung. Dem Mann musste infolge der Misshandlungen ein künstlicher Darmausgang gelegt werden.

Ulm kein Einzelfall: Misshandlungen im Gefängnis Alltag

Doch solche Gewaltexzesse sind in Gefängnissen keine Seltenheit. Im Jahr 2006 wurde beispielsweise ein 20-jähriger an Jugendvollzugsanstalt Siegburg von drei jugendlichen Mithäftlingen stundenlang gefoltert, vergewaltigt und schließlich getötet. Zwölf Jahre danach sagt René Müller, der Vorsitzende des Bundes der Strafvollzugsbeamten (BSBD), mit Blick auf den Ulmer Prozess: "Gewalt hinter Gittern ist Alltag. Und sie hat zugenommen, wie Rückmeldungen unserer Landesverbände zeigen."