Muttertag - das sind Pralinen, Blumen, Ausschlafen und ganz viele Klischees an einem einzigen Tag. Was sich Mutti wohl wünscht - ein Gedicht? Einen Blumenstrauß? Einmal nicht kochen müssen? Vielleicht auch einen Tandem-Fallschirmsprung wie in einem rührseligen Werbevideo eines Autoherstellers?

Die Frage haben nun Tausende beantworte. Die Antworten auf die simple Frage "Was wünscht Ihr Euch wirklich zum Muttertag?", die Bloggerin Anne Attersee (www.einerschreitimmer.com) gestellt hatte, fallen aber eher weniger romantisch verklärt aus.


Guter Betreuungsplatz statt Frühstück ans Bett

Die Bloggerinnen Annette Loers (mutterseelesonnig.wordpress.com), Christine Finke (mama-arbeitet.de) sowie das Interviewprojekt family-unplugged.de griffen die Frage auf und starteten die Hashtags #muttertagswunsch und #vatertagswunsch mit dem Aufruf, zu schreiben, was sich Eltern tatsächlich wünschen anstatt Blumen und Pralinen. Tausende Mütter und Väter haben sich seit dem Beginn der Aktion am 1. Mai gemeldet. Was für sie im Mittelpunkt steht, sind konkrete politische Erwartungen und Hoffnungen. Im Gespräch mit inFranken.de erklärte Christine Finke, die sich auf mama-arbeitet.de regelmäßig mit Themen wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf beschäftigt, dass sie die große Resonanz ziemlich überrascht hat. Es scheine doch einen großen Leidensdruck unter Eltern zu geben, der sich hier Bahn breche.
 

 

Besonders wichtig für Eltern ist demnach ein guter Betreuungsplatz für Kinder, nicht nur im Kita-, sondern auch im Schulalter, an zweiter Stelle eine gerechtere Steuerklasse für Alleinerziehende und an dritter bezahlbarer Wohnraum für Familien. Und nicht zuletzt ganz allgemein Akzeptanz. Oder, wie Christine Finke es ausdrückt: Als Eltern ohne Burnout über die Runden kommen.

 

Ganz bewusst hätten sich die Macherinnen für zwei Hashtags entschieden - #muttertagswunsch und #vatertagswunsch. Es gehe nicht um Mütter alleine, sondern um Eltern, betont Christine Finke. Väter seien genauso wie Mütter von Themen wie der Vereinbarkeit von Familie und Beruf betroffen. Erfreulicherweise seien auch zahlreiche Väter unter den Twitterern, die auf den Aufruf antworten.

 

 


Nach ihrem zentralen #muttertagswunsch gefragt, betont Christine Finke die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Normalstellung von Alleinerziehenden. Sie selbst ist alleinerziehende Mutter von drei Kindern und treibt diese Themen auch als Stadträtin in Konstanz voran. Man müsse Themen aber auch mal groß denken, sagt sie und daher sei es mit der Aktion auf Twitter auch nicht geschehen.


Wie geht es weiter nach dem Hype?

Die Initiatoren des Aufrufs wollen die Eltern-Tweets bis zum Muttertag am 8. Mai sammeln und danach zusammengefasst Familienministerin Manuela Schwesig übergeben, um offiziell gehört zu werden. Ziel sei es, so Finke, den Muttertag wieder politisch zu interpretieren. Die Aktion soll dem Feiertag einen politischen Charakter zurückgeben, auf Missstände aufmerksam machen, für gesellschaftlichen Druck sorgen.

Seinen Ursprung hat der Tag schließlich auch in der Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts. Aus dem damaligen "Mother's Friendship Day" im Zeichen der sozialen Dienste und des Pazifismus, wie er in den USA entstand, wurde zunächst ein offizieller Feiertag, dann ein Propagandainstrument der Nazis und schließlich hauptsächlich süßlicher Kommerz, über den sich vor allem Blumen- und Süßwarenhandel freuen.

Dabei gehe es mitnichten darum, Geschenke und den Muttertag, wie er momentan stattfindet, schlecht zu reden, betont Finke. Lieb gemeinte Geschenke seien nichts Böses, auch ihre Kinder basteln und schenken, aber eben nicht nur an einem Tag im Jahr. Die Aktion soll also niemanden schlecht machen, denn - darauf legt Christine Finke großen Wert - Eltern können nur etwas erreichen, wenn sie zusammenhalten.