Nach einem Eklat soll ein Priester in Münster (NRW) nicht mehr predigen. Der 79-Jährige hatte Vergebung für Kinderschänder-Priester gefordert. Viele Mitgliedern seiner Kirchengemeinde reagierten mit Empörung. Ein Teil des Chores und rund 70 Gottesdienstteilnehmer verließen noch während der Predigt die Kirche Heilig Geist am Münster. Das berichtet "Kirche-und-Leben.de".

Priester: Nicht "gegen schreienden Mob" angekommen

Der Priester kann die Kritik nicht nachvollziehen. Dem Online-Magazin sagte er Folgendes: "Das war ein echter Schock. So etwas habe ich in den 54 Jahren meines Lebens als Priester noch nicht erlebt." Er sei mit seiner Stimme nicht gegen "den schreienden Mob" angekommen und habe seine Predigt abgebrochen.

So sei es ihm nicht möglich gewesen, die große Bedeutung von Vergebung darzulegen. Jesus habe auch der Ehebrecherin und der barmherzige Vater dem verlorenen Sohn vergeben. "Wir beten ja nicht umsonst im Vaterunser: Vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern."

Lesen Sie auch: Schwere Vorwürfe in Unterfranken - weitere Missbrauchsfälle im Religionsunterricht?

Leitender Pfarrer verurteilt die Äußerungen

Stefan Rau, leitender Pfarrer der zuständigen Pfarrei St. Joseph, widersprach entschieden, dass man Priestern vergeben müsse, die Missbrauch begangen haben. "Kein Täter hat ein Recht auf Vergebung", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Es gehe um die Opfer und deren Rechte.

Am kommenden Montagabend könnten Gemeindemitglieder ihrer Empörung in einem offenen Gespräch Luft machen. Die Äußerungen des Pfarrers müssten Folgen haben, das schulde man auch den Opfern.

Im Gottesdienst, in dem es zum Eklat kam, sollen auch von Missbrauch Betroffene gewesen sein, wie "Kirche-und-Leben.de" berichtete. Damit konfrontiert sagte der Pfarrer dem Portal: "Das war mir nicht bewusst."