Als es hell werden sollte, wurde es erst einmal dunkel. Kurz nach sieben Uhr gibt es mit einem Schlag keinen Strom mehr im Münchner Süden. 450.000 Menschen sind betroffen. 18 von 35 Umspannwerken fallen aus, in Bogenhausen kommt es zu einer kleinen Explosion. Ein Münchner will gegen sieben Uhr einen sehr grellen Lichtschein von etwa 5 bis 10 Sekunden aus Richtung Freising gesehen haben.

Die Stadtwerke erklären später in einer Pressekonferenz, Ursache für den Stromausfall sei ein Leitungsschaden Richtung Moosburg gewesen. Die unmittelbare Folge: S- und U-Bahnzüge fallen aus, auch die Trambahn fährt nicht mehr, es kommt zu einem Verkehrschaos. Am Mittleren Ring sind sämtliche Ampeln ausgefallen, die Autos stauen sich in den Tunneln. Ein Autofahrer ärgert sich, dass die Polizei etwa 100 Meter von der Kreuzung Balanstraße/Ständlerstraße eine große Radarkontrolle durchführt, obwohl sich der Verkehr an der Kreuzung hunderte von Metern zurückstaut. Kein Beamter regelt den Verkehr.

Rasieren mit Stirnlampe
Viele haben schon Probleme damit, überhaupt aus dem Haus zu kommen - ohne Strom. Insbesondere in Hochhäusern. Im fensterlosen Bad war Rasieren und Zähneputzen mit der Stirnlampe aus dem Wanderrucksack angesagt. Danach ging's an den Abstieg aus dem 13. Stock , anschließend zu Fuß weiter auf die Arbeit. Viele kamen zu spät ins Büro.

Ein aufregendes Erlebnis war der Stromausfall natürlich für die Kinder. Der kam nämlich just zu dem Zeitpunkt, als sich die meisten für den Schulweg zurecht machten. Klar, dass die Kleinen die Hoffnung hegten, der Stromausfall möge möglichst lange dauern.

Einen Blackout wie diesen hat es in München seit 1992 nicht mehr gegeben. Eduard Bauer, Leiter der Abteilung Netz und Anlagenservice der Münchner Stadtwerke, erklärt, Ursache für den Stromausfall könnte ein Kurzschluss oder ein kaputter Spannungs- oder Stromwandler sein. Die Ursachenforschung könnte sich noch bis zu einer Woche hinziehen.

Stadtwerke waren vorbereitet
Stadtwerkechef Stephan Schwarz verwies darauf, dass aus dem Stand reagiert worden sei. "Wir sind auf diese Dinge vorbereitet", hieß es stolz. Glück hatten die Münchner trotzdem. Weil von den beiden Versorgungsbezirken nur einer betroffen war. "Es hätte auch schlimmer kommen können, wenn ganz München ausgefallen wäre," gab denn auch Schwarz unumwunden zu. Gegen Mittag leuchtet es wieder nahezu überall in München. Nur in Schwabing wolllen einige Ampeln noch nicht so richtig funktionieren. Die Stadtwerke geben allgemeine Entwarnung. Sollte sich bei der Ursachenanlayse herausstellen, dass Eon Bayern die Schuld an dem Ausfall trage, müsse man sich auch über Haftungsfragen Gedanken machen, erklärt Schwarz.

Nach Expertenmeinung könnte es künftig häufiger zu Stromausfällen wie dem in München kommen. Grund sei, dass nach der Liberalisierung der Energiemärkte die Investitionen in die Netzinfrastruktur deutlich zurückgefahren worden seien.