Die Messe ist vorbei und vielen Besuchern brummt noch der Kopf von den cineastischen Präsentationen an den vielen Spieleständen. Was aber, wenn jemand kein Action-Feuerwerk von einem Spiel erwartet? Was, wenn der Spieler einfach eine Geschichte erleben möchte?



Dafür gibt es die Indieszene. "Indies", wie sie unter den "Gamern" auch genannt werden, sind kleine, freie Entwicklerteams, die keinen großen Geldgeber im Rücken haben, der ihre Vision eines Spiels realisiert. Das unterscheidet sie von große Projekten wie das von Rockstar Games entwickelte und von Take 2 finanzierte "Grand Theft Auto 5", kurz GTA 5.


Abbruch der Entwicklung

Zum Vergleich: GTA hat an Entwicklungskosten 265 Millionen Dollar gekostet. Das ist eine Summe, die Indies Zeit ihres Lebens nicht zur Verfügung haben werden. Wollen auch sie Spiele veröffentlichen, lasten sämtliche Kosten auf den Privatpersonen. Reicht das Budget nicht aus, führt das nicht selten zum Abbruch der Entwicklung. Deshalb gewinnt Crowdfunding zunehmend an Bedeutung.

Für Crowdfunding steht vor allem die Plattform Kickstarter, auf der sich jeder, der sich für ein Projekt interessiert, als Geldgeber beteiligen kann. Findet sich auf der Plattform ein Spiel, das Interesse weckt, kann man den Entwicklern finanziell unter die Arme greifen - damit das Spiel auch realisiert werden kann. Bevor man sein Geld aber in ein Konzept investiert, hat man sogar die Möglichkeit, sich Konzeptbilder und Videos anzusehen, oder gleich persönlich die Entwickler zu kontaktieren. Zigtausende Projekte wurden so bereits umgesetzt. Kein Wunder, dass auch die großen Publisher die Bedeutung des Crowdfunding anerkennen. Populärstes Beispiel: Der lang ersehnte Nachfolger zu "Shenmue 2" wurde komplett über Kickstarter finanziert. Über drei Millionen Dollar kamen zusammen. Ähnliches gilt für "Pillars of Eternity".

Rund 74.000 Unterstützer haben fast vier Millionen Dollar gespendet, um die Spieleveröffentlichung zu ermöglichen. Gibt es demnach komplette Unabhängigkeit für kleine Entwicklerstudios und trotzdem eine starke Geldeinnahmequelle? Leider nein. Denn: Sobald die Entwicker auf einem anderen Weg an Geld kommen, sind sie zu einer Leistung dem Geldgeber gegenüber verpflichtet.


Riskante Strategie

Nicht selten sind Hobbyentwickler der Meinung, sie könnten Spieler um ihr Geld bringen, indem sie ein Projekt ankündigen, dass sie nie publizieren wollen.

Das bekannteste Beispiel hierfür war das angekündigte Strategie-Rollenspiel "Confederate Express" vom Entwickler Maksym Pashanin, das im November 2013 erfolgreich finanziert wurde. Dieser erhielt statt der gewünschten 10.000 sogar knapp 40.000 US-Dollar. Bis heute warten die Unterstützer vergeblich auf das Spiel und Pashanin macht inzwischen Schlagzeilen als Hausbesetzer in Palm Springs in Kalifornien. Nicht umsonst hat Kickstarter bestimmte Richtlinien für Projekte auf ihrer Website eingeführt, die stetig verbessert wurden.
Entwickler verpflichten sich mit einem Projekt auf der Website dazu, sowohl ein "Community"-Projekt (ein Projekt für die Allgemeinheit) zu realisieren als auch dieses anschaulich und wahrheitsgetreu zu präsentieren.

Crowdfunding ist also weder ein Weg zu schnellem Geld, noch ernstzunehmene Konkurrenz für große Publisher. Dennoch hat es sich schon fest in der Spielebranche etabliert. Es ist der beste Weg für junge, kleine Entwicklerstudios, die Allgemeinheit an ihren Ideen teilhaben zu lassen und für frischen Wind zu sorgen.

Finanzierungen von Spielen erweisen sich nicht selten als Sargnagel für die Geldgeber als auch des Entwickler-studios; ähnlich wie bei der Pleite von THQ, die wegen ihres ambitionierten Projekts U-Draw schließen und alle aktuellen Spieleentwicklungen verkaufen mussten.

Dieses Risiko gibt es beim Crowdfunding nicht. Besteht kein ausreichendes Interesse an einem Projekt, verschwindet es wieder in der Versenkung. Crowdfunding kann man daher als direkten Weg der Entwickler zu den Spielern sehen. Und so profitieren letzten Endes beide Seiten davon.