Es gibt dazu auch keinen entsprechenden Vorstandsbeschluss, sondern nur einen Vorschlag des Gewerkschafters und früheren Sozialdemokraten Xaver Merk, der, gemeinsam mit Bulling-Schröter, als Landessprecher fungiert. Auf Prognosen lässt er sich nicht ein. Allerdings geht Merk davon aus, dass die bayerische Linke, die es bei der letzten Bundestagswahl auf 6,5 Prozent brachte, auch diesmal über fünf Prozent liegen wird.

Schwieriger wird es bei der Landtagswahl, die eine Woche vor der Bundestagswahl am 15. September stattfindet. Hier scheiterte die Linke im Jahr 2008 mit 4,4 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde, und in der Partei herrscht die Auffassung vor, dass die Chancen seither nicht besser geworden sind. Merk räumte gestern ein: "Auch im Landesvorstand stehe ich allein auf weiter Flur mit meiner Meinung, dass wir es in Bayern schaffen können."
Als Voraussetzung für einen Einzug in den Landtag nennt Merk aber, dass die Partei in jedem Stimmkreis mit einem eigenen Direktkandidaten antritt. Dies ist in Oberfranken und in Mittelfranken gelungen, wo Petra Hähnlein aus Coburg und der Fürther Stadtrat Ulrich Schönweiß die jeweiligen Listen anführen. In Unterfranken allerdings sind Würzburger und Aschaffenburger Stimmkreise noch unbesetzt.

Strebt die Linke also eine Beteiligung an der Regierungskoalition an, die Christian Ude aus SPD, Grünen und Freien Wählern schmieden will? Merk wehrt ab: "Der Ude wird uns nicht fragen, weil es ohnehin nicht reicht. Die Freien Wähler werden den Platz der FDP einnehmen, wenn die CSU jemanden braucht, und dann ist es schon vorbei mit der ganzen Rechnerei von Ude."

Als Willkür sieht er die Einstufung der Linken als linksextremistisch im bayerischen Verfassungsschutzbericht. Merk, der in seiner Heimat Senden bei Neu-Ulm Stadtrat, Kreisrat und stellvertretender Bürgermeister war: "Ich war 27 Jahre in der SPD und habe es erst in den Verfassungsschutzbericht geschafft, seit ich bei der Linken bin, obwohl ich meine Meinung seither nicht geändert habe."

Die Linke ist "mit ihrer Vielzahl von Strömungen und Zusammenschlüssen keine homogene Organisation", heißt es im Verfassungschutzbericht. Die Gesamtschau ihrer Positionen verdeutliche ihre extremistische Ausrichtung, die unvereinbar sei mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Zum Beispiel in Coburg "arbeitet die Partei mit gewaltorientierten Linksextremisten zusammen".