Endlich einmal positive Nachrichten aus der Wagnerstadt Bayreuth: Die Renovierungs-, Umbau- und Neubauarbeiten an der Villa Wahnfried sind weit genug vorangeschritten, dass die Öffentlichkeit am Mittwoch Abend ausführlich darüber informiert werden konnte, wie das neue Wagnermuseum im Detail aussehen dürfte, wenn das 20-Millionen-Projekt - voraussichtlich noch in 2015 - eröffnet werden kann.

Das Podium im Balkonsaal der Stadthalle war mit sechs Verantwortlichen besetzt, darunter Regierungspräsident Wilhelm Wenning, der als Vorsitzender des Vorstands der Richard-Wagner-Stiftung moderierte. Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe fasste zusammen, welche Erwartungen an das wohl wichtigste Kulturprojekt der Stadt geknüpft sind. "Wenn wir es richtig machen", sagte sie, "wird Bayreuth seinen Status als Wagnerstadt weltweit für die nächsten Jahrzehnte nicht nur festigen, sondern ausbauen können."

Ungeklärte Betriebskosten
Dass die Wahnfried-Sanierung und der Museumsneubau für die Stadt große Chancen eröffnen könnte, liegt auf der Hand. Allerdings wurde, wie Merk-Erbe einräumte, versäumt, frühzeitig abzuklären, wer die höheren Betriebs- und Folgekosten finanzieren soll. Museumsdirektor Sven Friedrich formulierte drastisch: "Es wäre eine Schande und eine kulturpolitische Katastrophe ersten Ranges, wenn wir ein Museum einrichten und es nicht betreiben können."

So gibt es beispielsweise im Neubau mit der durchgehenden Glasfassade rechts neben der Villa im Erdgeschoss einen Saal für Sonderausstellungen, doch lässt sich die erste geplante Schau zur Geschichte von Wahnfried von 1874 bis 2014 nur realisieren, wenn dafür auch Mittel vorhanden sind. Dass das tiefer sitzende Problem die dringend renovierungsbedürftige Satzung und Struktur der Richard-Wagner-Stiftung mit ihren unübersichtlichen und wenig zuträglichen Zuständigkeiten ist, wollte bei der Veranstaltung allerdings niemand konkret ansprechen.

Drei Orte, drei Museumsbereiche
So verzwickt und riesig die zugrunde liegenden Probleme auch sind, immerhin ist das Wahnfried-Projekt baulich sowohl außen wie innen mit einem Spitzenteam an den Start gegangen. Das aus dem Architektenwettbewerb als Sieger hervorgegangene Büro Staab und die Museumsgestalter unter Hans Günter Merz sind laut Friedrich "erste Bundesliga", was die anschließenden Ausführungen und die gezeigten Visualisierungen bestätigten.

Per Pedersen vom Büro Staab erläuterte, wie das "Museum der drei Orte" baulich konzipiert ist. Die drei Bereiche - das 1873 vollendete Haus Wahnfried, das links angrenzende Siegfried-Wagner-Haus von 1930 sowie der an des ehemalige Gärtnerhaus angrenzende Neubau mit Glasfassade - sind unterirdisch erweitert worden und "von unten aus trockenen Fußes begehbar". Was beim gegebenen Grundwasserproblem nicht gerade einfach und kostengünstig erreicht werden konnte. Die Lösung war gewissermaßen der Bau einer "großen Badewanne", in der das jetzt barrierefrei rekonstruierte Wahnfried steht. Im Oktober sollen die Umbauten in der Villa abgeschlossen sein, so dass der Inneneinbau beginnen kann, Anfang 2015 dürfte auch der Erweiterungsbau komplett stehen.

Wagners Lebenswelt in der Villa
Projektleiter Markus Betz von der Firma H. G. Merz machte ebenso wie Museumsdirektor Friedrich deutlich, dass vom Wahnfried-Interieur nur wenig vorhanden ist. Also wird es zwischen Originalgemälden und Wagners Flügel im Erdgeschoss verhüllte Hussenmöbel geben, im Zwischengeschoss sind Artefakte und persönliche Gegenstände zu sehen, in den Räumen im Obergeschoss werden die wesentlichen Lebensabschnitte mit herausragenden Leitobjekten sowie Exponaten in umlaufenden Vitrinenbändern dokumentiert. Im Untergeschoss Wahnfrieds befindet sich die "Schatzkammer" mit der Dresdener Bibliothek, Originalnoten und einer interaktiven Partitur.

Im noch überwiegend authentisch möblierten Siegfried-Wagner-Haus wird über längliche Monitore die Ideologiegeschichte Wagners, seiner Familie und der Festspiele beleuchtet, im Untergeschoss des Neubaues steht die Festspielgeschichte nach Wagners Tod seit 1883 und bis 2008 im Fokus - mit Kostümen, Requisiten, Figurinen, einer Fülle von Bühnenbildmodellen, Hörstationen und einer großen Audiothek. Dass es zeitgemäße multimediale und interaktive Angebote gibt, versteht sich von selbst.

Geraune wegen des Kaffeeautomaten
Unter den Zuhörern entstand bei der Informationsveranstaltung nur zwei Mal etwas Unruhe: Als die Oberbürgermeisterin erklären musste, dass die jetzt im entkernten Gärtnerhaus vorgesehene Bewirtung zumindest außerhalb der Festspielzeit nur per Kaffeeautomat betrieben werden soll. Und als klar wurde, dass die Vitrinen mit einer Oberkante von 70 Zentimetern, aber ohne Unterfahrt zwar nur bedingt rollstuhlgerecht sind, aber beim längeren Betrachten von größeren Menschen eine gewisse Demutshaltung abverlangen.

"Als ich vor dreißig Jahren", bekannte Sven Friedrich, "das erste Mal nach Bayreuth kam, bin ich auf Zehenspitzen gegangen." Das Museumsverständnis habe sich seither gründlich geändert: "Es geht darum: Welche Geschichte kann ich erzählen?" Das auf drei Orte verteilte Museum will ein offenes, freies Angebot ohne erzwungenen Führungsweg sein, bei dem alle etwas für Herz und Hirn finden sollen - sowohl Wagner-Neulinge wie Wagner-Kenner.

Wie es aktuell auf der Museumsbaustelle aussieht? Zur Bayreuther Museumsnacht am 17. Mai (ab 19 Uhr) und am Internationalen Museumstag am 18. Mai (von 10 bis 16 Uhr) gibt es stündlich Führungen in Wahnfried, die jeweils etwa dreißig Minuten dauern. Die Samstagstermine sind fast ausgebucht, Anmeldungen für Sonntag sind unter Telefon 0921/7572816 oder per E-Mail an info@wagnermuseum.de möglich.

Kommentar
Selbst wenn das neue Wagnermuseum ein Publikumsmagnet werden wird, wovon man ausgehen kann, heißt das noch lange nicht, dass die Stadt als Eigentümerin und Bauherrin und die Richard-Wagner-Stiftung als Leihnehmerin damit wenigstens ein Projekt in trockenen Tüchtern hätten. Im Gegenteil: Die erste Präsentation des Museumskonzepts hat auch offenbart, auf welch tönernen Füßen die Richard-Wagner-Stiftung insgesamt steht. Denn was nützt ein noch so schönes Museum, wenn dafür nicht genügend qualifiziertes Personal zur Verfügung steht? Welchen Sinn hat ein geplantes Café, wenn sich kein Betreiber findet? Was soll der Saal für Sonderausstellungen, wenn es gar keine Mittel für dessen Bespielung gibt? Ist denn ernsthaft seit Jahrzehnten keinem der damit befassten Politiker auf Bundes-, Landes-, regionaler und kommunaler Ebene aufgefallen, dass die 1973 getroffenen Vereinbarungen der Stiftungssatzung in vielerlei Hinsicht einen viel größeren Sanierungsbedarf haben als Festspielhaus und Wahnfried zusammen? Bayreuth als Zentrum der Wagnerwelt ist schon hinsichtlich der Forschung nur ein frommer Wunsch. Es gibt zwar ein Nationalarchiv, aber nicht genug Planstellen und Mittel, um tatsächlich auch die Forschung, die Katalogisierung und Digitalisierung voranzutreiben. Nicht einmal die Brief-Gesamtausgabe ist ein Wagner-Leuchtturm aus Bayreuth, sondern eine Wanderbaustelle. Statt dessen lässt die Stiftung alle Beteiligten weiterwursteln - ohne endlich einen klaren Kulturauftrag und klare Verhältnisse zu schaffen. Zukunft sieht anders aus. Ach, Bayreuth!