Ralph Ruthe ist Autor, Musiker, Filmemacher und Cartoonist. Mit unserer Zeitung hat der 46-Jährige Bielefelder über Humorgrenzen, Hass im Netz und sein Bühnenprogramm "Shit Happens! Die Tour" gesprochen, das ihn am 16. November nach Fürth führt. Herr Ruthe, Krisen und Katastrophen, wohin man blickt: Ist Humor in diesen Zeiten wichtiger denn je?Ralph Ruthe: Ob Humor grundsätzlich wichtig ist oder nicht, liegt immer im Auge des Betrachters. Für mich ist Humor lebensnotwendig. Ein Leben ohne Lachen im weitesten Sinne kann ich mir nicht vorstellen. Ich finde es befremdlich, wenn es für Menschen etwas Nebensächliches sein sollte.

Ist Humor die wichtigste Emotion?Liebe und Humor.

Sie melden sich in Sozialen Medien stets zu aktuellen Nachrichten zu Wort. Wie wichtig ist es für Sie, Ihre Meinung mitzuteilen? Ich äußere mich gar nicht politisch, sondern menschlich. Wer möchte, kann das lesen und kommentieren. Und wer nur meine Cartoons und Videos sehen möchte, kann das auch machen. Was ich nicht zulasse, ist, wenn Leute ihren Hass auf meiner Seite ablassen. Als Person der Öffentlichkeit, die ich nun einmal bin, finde ich es wichtig, mich zu positionieren.

Ist das nicht manchmal anstrengend und zeitraubend?So definiere ich das nicht. Ich kann mit ruhigem Gewissen sagen, dass es 90 Prozent der Leute gefällt, was ich schreibe. Das bestätigt mir, dass nicht alle den Verstand verloren haben. Das gibt mir eher Kraft als es mir welche nimmt. Aber ich kann mein eigenes Leben gut trennen vom Internet. Wenn der Rechner aus ist, verschwindet der Hass genauso wie das Lob.

Haben die Deutschen Humor?Klar. Wenn ich eins bestätigen kann, dann, dass in Deutschland viel über guten Humor gelacht wird. Das lässt sich aber nicht an Nationalitäten festmachen.

Gibt es für Humor Grenzen? Ja, die persönlichen. Zum einen gibt es Gesetze. So lange man diese nicht bricht, darf man machen, was man will. Man darf aber nur nicht erwarten, dass andere Leute das auch lustig finden. Humor ist genau wie lecker: Es gibt nicht lecker für alle und es gibt nicht lustig für alle.

Sie sagten einmal, ein komisches Talent zu besitzen. Wann war Ihnen klar, Komiker zu werden?Ich wusste schon als Kind, dass ich Leute zum Lachen bringen kann. Dann habe ich Comics entdeckt und gemerkt, dass die eine praktische Möglichkeit sind, Humor zu transportieren. Man braucht nur ein Blatt und einen Stift, mehr nicht. Das habe ich dann für mich weitestgehend perfektioniert.

Ausverkaufte Shows, Bestsellerbücher, 1,2 Millionen Fans alleine auf Facebook -Tendenz steigend. War das von Beginn an abzusehen?Einerseits fing es früh an. Schon mit 14 Jahren bekam ich von Profis Geld, mir witzige Geschichten auszudenken. Als Autor konnte ich meiner Familie da schon zeigen, dass ich es ernst meine. Und wer von Beginn an wertgeschätzt und ernst genommen wird, verinnerlicht, dass er es anscheinend kann. Aber Erfolg definiert jeder anders. Ich bin sehr dankbar, dass alles nach und nach gekommen ist. Für mich bedeutet Erfolg, dass ich das mache, was ich kann, dass es anderen gefällt und ich davon auch noch meinen Lebensunterhalt bestreiten kann.

Vom schreibtischtätigen Cartoonisten zum Bühnenkomiker: Wieso haben Sie den Schritt in die Saalöffentlichkeit gesucht?Vor 14 Jahren hatte ich erste Lesungen vorbereitet und bin eiskalt auf kleine Bühnen zugegangen. Anfangs kamen nicht viele Leute, aber ich merkte, dass ich Spaß daran habe. Es ist fantastisch, unterwegs zu sein und vor Leuten zu stehen. Nun würde ich behaupten, dass ich nicht nur Cartoonist, sondern auch Bühnenkomiker bin (lacht).

Gibt es den typischen Ruthe-Tag?Abgesehen davon, dass ich jeden Mittag versuche, meine Kinder zum Schlafen zu bringen, gibt es wenig Konstanten (lacht wieder). An manchen Tagen schreibe ich nur an den Drehbüchern für die Videos, manchmal mache ich Sprachaufnahmen oder zeichne nur. Jeder Tag ist anders, obwohl alles mit der Arbeit zu tun hat. Es befruchtet sich alles gegenseitig und das ist sehr schön.

Papa, Ehemann, Bielefelder: Wie sehr fließen Privatleben und Umfeld in Ihre Arbeit ein?Bielefelder bin ich schon ziemlich lange, Ehemann und Papa noch nicht. Was ich beruflich mache, tue ich schon länger als alles andere. Egal, ob ich gerade im Urlaub gewesen bin oder mit dem Auto in die Werkstatt musste - all das hat wenig Einfluss auf die Arbeit. Egal, was in den letzten 24 Stunden passiert ist: Ich kann mich immer hinsetzen und mir etwas einfallen lassen. Das ist mein Beruf. Es gibt einfach Mechanismen, die ich auslösen kann.

Was war zuerst: Witz oder Bild?Teilweise ist das Bild der Witz. Manchmal habe ich eine Dialogidee und muss mir den Kontext noch ausdenken, manchmal eine Bildidee ohne Pointe. Es gibt nicht den einen Weg.

Stehen Sie morgens in der Dusche und -plopp - ist Ihnen einfach wieder ein neuer Cartoon eingefallen? Meistens passiert es so: Kaffee machen, hinsetzen, überlegen. Meistens mache ich es stoßweise und denke mir sechs oder sieben neue Witze aus. Danach teste ich die Witze an drei Personen - unter anderem an meiner Frau. Da geht es nicht darum, ob sich alle totlachen. Sondern um die Frage, ob sich der Gag überhaupt transportiert. Danach entscheide ich dann, ob ich den Witz überhaupt umsetze.

Ist es nicht anstrengend, sich einfach so Witze auszudenken?Nicht, wenn es der eigene Beruf ist. Autos reparieren, Fußballspielen, Brötchen backen: Von außen betrachtet ist alles anstrengend, was man selbst nicht so gut kann. Aber das habe ich schon immer gemacht. Deshalb ist das, was ich mache, das schönste, was ich mir für mich als Beruf vorstellen kann.

Ihre Tour führt Sie nach Fürth: Gibt es etwas, das Sie mit Franken verbinden?Nichts Negatives (lacht lauthals).

Das Gespräch führte Stephan Großmann.